Niederglatt

Für den nächsten Schritt bereit

Der Niederglatter Marco Iten weiss, was er will. Morgen Donnerstag startet er nahe der kenianischen Hauptstadt Nairobi in seine zweite Saison als Profi-Golfer.

Marco Iten startet von Platz 569 und somit als bestklassierter Schweizer auf der offiziellen Golf-Weltrangliste von dieser Woche in das erste Turnier der europäischen Challenge Tour in der Nähe von Nairobi.

Marco Iten startet von Platz 569 und somit als bestklassierter Schweizer auf der offiziellen Golf-Weltrangliste von dieser Woche in das erste Turnier der europäischen Challenge Tour in der Nähe von Nairobi. Bild: Balz Murer

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An deren Ende soll für den Neuling in der Challenge Tour, der zweithöchsten europäischen Profi­serie, der direkte Aufstieg auf die höchste Ebene stehen. Um ein Haar hätte sich Marco Iten bereits zum Abschluss der vergangenen Saison den Aufstieg in die European Tour, die oberste europäische Turnierserie für professionelle Golfer, gesichert. Am dritten Turnier der sogenannten Qualifying School im katalanischen Lumine fehlten ihm nach sechs Tagen und Runden ganze zwei Schläge zur begehrten Startberechtigung im Oberhaus. «Natürlich war ich im ersten Moment enttäuscht, weil es so knapp nicht gereicht hat», sagt der Niederglatter, «aber sportlich gesehen ist es fast besser so.»

Denn die Startberechtigung auf der European Tour, die er Mitte November so hauchdünn verpasst hatte, hätte nur für eine begrenzte Anzahl an Turnieren gegolten.«Ausserdem hätte ich oft bis zuletzt warten müssen, ob ich starten darf oder nicht», führt Iten aus, «das hätte die Planung verkompliziert, und die Gefahr wäre gross gewesen, zwischen Stuhl und Bank zu fallen.» Sprich: sich für ein Turnier auf der European Tour anzumelden, dort aber nicht starten zu können, und am Ende womöglich an einem zeitgleichen Turnier der Challenge Tour antreten zu müssen, um in dieser Woche die Form zu behalten. Kurz gesagt: «Logistisch gesehen ist es so einfacher, weil ich alles viel besser planen kann.»

Dichtes Programm

Seine zweite Spielzeit stellt Marco Iten diesbezüglich ohnehin schon vor grössere Herausforderungen als die vergangene, seine Debütsaison als Golfprofi. Die Pro Golf Tour, eine der europäischen Serien der dritthöchsten Stufe, startet jeweils bereits im Januar. Sie ermöglichte ihm 2017 mit ihren 19 Stationen, eine gute Balance zwischen Wettkampf- und Trainingswochen zu finden. Der Jungprofi, der hierzulande bis dato lediglich Golf-Expertinnen und -Experten ein Begriff ­gewesen war, nutzte dies. Schon im März feierte er im marokkanischen Madaef seinen ersten Turniersieg. Und am Ende der Saison schaffte Marco Iten als Fünft­platzierter der Gesamtwertung den Aufstieg in die nächsthöhere ­Serie. Sie, die Challenge Tour, ­beginnt mit dem Kenya Open in Nairobi von morgen Donnerstag bis Sonntag zwar deutlich später als die Pro Golf Tour. Doch vom 26. April im türkischen Belekbis zum Grand Tour Final, das am 1. November an einem noch offenen Ort beginnt, steht jede Woche ein Turnier in der vollen Agenda.

«Bis Mitte August steht meine Planung», verrät Iten, «aber je nach Formstand oder körper­licher Verfassung muss ich sie kurzfristig anpassen.» Diesbezügliche Tipps holte er sich unter anderen bei André Bossert ein, dem erfolgreichsten Schweizer Golfprofi aller Zeiten. Neben der Zeit, die für Training und gezielte Erholung auch im mentalen Bereich bleiben soll, galt es punkto Planung nicht zuletzt die Punkte zu berücksichtigen, die an den einzelnen Stationen der Tourzu vergeben sind. «Da gibt es grosse Unterschiede», erklärt Iten, «zum Beispiel gibt es jetzt in Kenia 500 000 Punkte zu gewinnen, an den Schweizer Turnieren aber nur 200 000 und 250 000.»

Die beiden Heimturniere von Ende Mai/Anfang Juni am Sempachersee sowie Ende August in Genf stellen dennoch mögliche Saisonhöhepunkte dar, ebenso wie das Turnier im schottischen Aviemore im Juni. «Dort werde ich ein paar Studienkollegen treffen, darauf freue ich mich schon jetzt ganz besonders», sagt Iten, «aber eigentlich wird jedes Turnier, an dem ich gut spielen und mein Potenzial voll abrufen kann, für mich ein echter Höhepunkt.»

«Kühlen Kopf bewahren»

Noch klarere Vorstellungen hat der Niederglatter davon, wohin seine Reise heuer resultatmässig hinführen soll. «Mein Hauptziel ist ein Platz in den Top 15 der ­Gesamtwertung am Saisonende», sagt Marco Iten, «damit würde ich direkt in die European Tour aufsteigen.» Und das mit einer genau so umfassenden Startberechtigung, wie er sie aktuell auf der Challenge Tour besitzt. Freilich ist er Realist genug, um zu wissen, dass er sie nicht eben geschenkt bekommen wird. Von seinen Gastspielen im Vorjahr auf dieser Stufe weiss er: «In der Challenge Tour ist das Niveau ­höher und vor allem in der Spitze sehr viel breiter. Da kann man sich weniger Ausrutscher erlauben.» Zudem werde es während der langen Turnierzeit auch ­Wochen geben, in denen es ihm weniger gut laufen und er im rund 130-köpfigen Teilnehmerfeld den Cut verpassen werde.

Wenn er so einmal nicht zu ­jener vorderen Hälfte des Zwischenklassements gehören sollte, die sich nach den ersten ­beiden Runden für den Rest des Turniers qualifiziert, gelte es, «einfach weiterzuspielen und zu versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren», meint Iten. Seine ­Zuversicht, das hochgesteckte Ziel in der Gesamtwertung zu ­erreichen, nährt Marco Iten zum einen aus den Resultaten der ­vergangenen Saison. «In den letzten zehn, zwölf Monaten ist es schrittweise immer ein bisschen vorwärtsgegangen.» Zum andern stimme der aktuelle Formstand.

Die Form stimmt

«Ich bin körperlich gut in Schuss und technisch schon sehr nahean der Art und Weise, wie ich Golf spielen muss», erklärt Marco Iten. Seine Saisonvorbereitung sei trotz zeitweiligen Wetterka­priolen sehr gut verlaufen. Nach physischem Aufbau und spezifischem Golftraining hierzulande folgten ein Testturnier im verschneiten Barcelona Anfang Fe­bruar und zuletzt die Algarve Pro Tour, eine dreiteilige Turnier­serie in Portugal. In zweien davon feierte er den Sieg.

Nicht zuletzt, weil sich unter den 70 Teilnehmern auch rund15 Challenge-Tour-Konkurrenten befanden, kam Iten hernach zum Schluss: «Es geht in die ­richtige Richtung, die Formkurve zeigt nach oben.» In Nairobi, wohin er bereits vorgestern Montag gereist ist und wo er zum ersten Mal antreten wird, wäre ein Platz unter den Top 20 zum Auftaktder Saison sehr solid, schätzt Iten. «Wenn es zu mehr reicht, nehme ich es gerne an», fügt er verschmitzt an.

Erstellt: 20.03.2018, 18:51 Uhr

Umfeld

Viel Kontinuität

In seiner ersten Saison in der Challenge Tour setzt Marco Iten auf Bewährtes. So wird der ehemalige European-Tour-Profi Haydn Selby Green weiterhin via Internet aus England mit dem Niederglatter Profi am optimalen Golfschwung feilen. Seine Konditionstrainer und Ernährungsberaterinnen bleiben unverändert, ebenso wie die Hauptsponsoren und die Supporter aus ­seinem Verein, dem unmittelbar neben der Landesgrenze im deutschen Lottstetten gelegenen Golfclub Rheinblick. Neu ­dazugekommen ist einzig die Schweizer Vertretung eines bayrischen Fahrzeugherstellers, die ihm eine Limousine zur Verfügung stellt. «Es gibt durchaus noch Platz für Sponsoren, und ich hoffe, weiter mit guten Leistungen noch interessanter für sie zu werden», sagt Iten. pew

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