Kloten

Gemeinsam auf dem Weg nach oben

Der Klotener Adrian Heidrich ist heuer so gut unterwegs wie nie zuvor. In Gstaad und an der EM in den Niederlanden wollen er und Mirco Gerson den Aufwärtstrend fortführen.

Adrian Heidrich (links) und Mirco Gerson unterstützen einander auch zwischen den Ballwechseln, wie hier am World-Tour-Turnier von Luzern.

Adrian Heidrich (links) und Mirco Gerson unterstützen einander auch zwischen den Ballwechseln, wie hier am World-Tour-Turnier von Luzern. Bild: Keystone

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Adrian Heidrich wird übermorgen Mittwoch eine Premiere erleben: Zum ersten Mal im Verlauf seiner Beachvolleyballkarriere wird der 23-jährige Klotener am World-Tour-Turnier der höchsten Stufe (fünf Sterne) im Berner Oberland im Hauptfeld antreten. An seinen bisherigen drei Turnierteilnahmen in Gstaad war jeweils in der Qualifikation Endstation, sodass er noch nie vor vielen Fans in der Beachvolleyballarena mit der einmaligen Bergkulisse spielen konnte. Dass der 2,07 Meter grosse Blockspieler die Qualifikationspartien von morgen Dienstag lediglich als Zuschauer verfolgen darf, liegt vorderhand daran, dass er und Mirco Gerson in den Genuss eines Fixplatzes für den Veranstalterverband kamen. Doch das neu formierte Duo ist im Entry Ranking, das für die Einstufung an Turnieren massgeblich ist, innert wenigen Monaten so weit vorgestossen, dass nur noch wenige Positionen es von einem Startplatz in den Vorrunden-Gruppenspielen trennen.

So waren Heidrich/Gerson zuletzt an den beiden Viersternturnieren in Ostrava (Tschechien) und Warschau jeweils auf Platz 1 der Qualifikation gesetzt. An beiden Orten nutzten sie die Pole­position zum Einzug ins Hauptfeld, überstanden die Gruppenphase und schieden in den Sechzehntelfinals aus, was in der Endabrechnung den geteilten 17. Rang ergab. «Es waren zwei solide Leistungen, mit denen wir das bestätigt haben, was wir davorerreicht hatten», kommentiert Heidrich. Den grossen Sprung nach vorne hatten sie bereits zuvor geschafft. Am Viersternturnier im chinesischen Xiamen gelang ihnen Mitte April erstmals der Einzug in die Achtelfinals, die darauffolgenden Dreistern­events im türkischen Mersin und in Luzern beendeten sie auf den Rängen 4 und 3.

Die richtigen Lehren gezogen

Für Mirco Gerson kommen die Erfolge «nicht überraschend, weil ich gewusst habe, was für ein grosses Potenzial in unserem Team steckt». Dass beide aber nach so kurzer gemeinsamer Zeit schon so konstant gut zusammen agierten, habe aber auch er nicht unbedingt erwartet, meint der 25-jährige Berner. Adrian Heidrich nennt zwei Gründe dafür, dass es ausgerechnet nach dem 4. Platz am Turnier der höchsten Schweizer Serie (A1) im Zürcher Hauptbahnhof von Anfang April zum rapiden Aufschwung kam. «Vor Zürich haben wir ein europäisches Turnier in Göteborg wirklich schlecht gespielt, es danach aber sehr gründlich und gut analysiert», verrät Heidrich, «dabei sind wir zum Schluss gekommen, dass wir vor den Spielen die Gegner besser selbst und mithilfe von Videos analysieren, anstatt nur auf die Analysen unserer Trainer zu bauen.» Die so intensivierte Matchvorbereitung zahlte sich bereits in Zürich aus: In der Bahnhofhalle besiegten sie die holländischen Ex-Weltmeister Alexander Brouwer / Robert Meeuwsen. «Dieser Erfolg hat uns sehr viel Selbstvertrauen gegeben, was uns danach sehr geholfen hat.»

Auf dem Feld hätten sie sich taktisch stetig verbessert, ihr Angriffsspiel mit mehr Variation gestaltet, cleverer agiert und die Schwächen der Gegner ausgenützt. «Ausserdem haben wir uns immer besser eingespielt und aufeinander eingestellt», sagt Heidrich, «wir wissen beide jetzt schon ganz gut, wie wir den anderen zwischen den Ballwechseln unterstützen, damit er seine beste Leistung abrufen kann.» Was das konkret heisst? «Wir schauen, dass wir die Kommunikation hochhalten, jeden Punkt feiern», erklärt er, «so können wir uns gegenseitig pushen. Wir sind zwei emotionale Spieler und passen darum sehr gut zusammen.»

Auch spielerisch harmoniert das Duo. Wenn gegnerische Angriffsbälle Heidrichs Block touchieren oder passieren, vermag der in der Abwehr flinke, beweg­liche Gerson sie häufig zu retten. Im Angriff und vor allem mit ihren Aufschlägen agieren beide druckvoll.

Noch lange nicht genug

«Unsere Entwicklung ist sehr positiv», fasst Mirco Gerson zusammen, «aber wir wissen beide, dass es noch weiter vorwärtsgehen kann und muss.» Um für die beiden Saisonhöhepunkte, das World-Tour-Heimturnier von Gstaad in dieser Woche und die EM in den Niederlanden in der Folgewoche, bereit zu sein, haben sie das Viersternturnier von Espinho (Portugal) ausgelassen. In einer Trainingswoche am nationalen Leistungszentrum in Bern feilten sie weiter an Details und nutzten die freie Zeit im vertrauten Umfeld, um auch «mental wieder aufzuladen», wie esAdrian Heidrich umschreibt.

Vor Gstaad dürfte das besonders wichtig sein. «Dort sind auch immer viele Freunde vor Ort, die Familie, und auch die Sponsoren und Organisatoren haben gewisse Erwartungen», schildert Gerson, «da fällt es nicht immer leicht, auf das Turnier zu fokussieren.» Als Ziel geben beide, die heuer von Verletzungen verschont geblieben sind, den Einzug in die Sechzehntelfinals an, wozu der 3. Platz in der Vorrundengruppe nötig wäre. «Das ist unsere Priorität, alles andere wäre eine Zugabe», meint Gerson. Dasselbe gelte auch für die anschliessende EM in den Niederlanden, obwohl dann die starken US-amerikanischen, kanadischen und brasilianischen Gegner fehlen. Sein Kompagnon äussert sich diesbezüglich etwas konkreter. «Ein Top-10-Platz an der EM wäre schon cool», meint Adrian Heidrich. Allzu sehr habe er sich mit der EM aber noch nicht beschäftigt.

Die Weltnummer 29

Im Vordergrund steht Gstaad, das Heimturnier vor den eigenen Fans, an dem so viele Punkte zu vergeben sind wie sonst nur an den zwei anderen Fünfsternturnieren auf der World Tour. Schliesslich soll jener 29. Platz in der Weltrangliste, auf den beide nach den ersten Monaten ihrer ersten gemeinsamen Saison vorgestossen sind, noch lange nicht die Endstation auf ihrem Weg nach oben sein. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.07.2018, 22:11 Uhr

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