Horgen / Samstagern

Gentleman im Motorradsattel

Luigi Taveri, dreifacher Motorrad-Weltmeister und einer der populärsten Schweizer Sportler, ist mit 88 Jahren gestorben.

Motorrad-Legende Luigi Taveri – hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2014 – ist im Alter von 88 Jahren verstorben.

Motorrad-Legende Luigi Taveri – hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2014 – ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Luigi Taveri war 1 Stunde, 15 Minuten und 34,2 Sekunden lang mit seiner 125-cm3-Honda durch die Gegend gerast. Durch Dörfer und Städtchen, bergauf und bergab, vorbei an Schaf-, Kuh- und Pfer­deweiden, an Feldern mit gelben Stechginsterbüschen, über Brücken, Tramschienen und dick aufgetragene Strassenmarkierungen. Oft nur wenige Zentimeter neben Steinmauern, ungeschützten Leitungsmasten und Telefonkabinen.

Nach 3 Runden und 182,163 km hatte der 32-jährige Schweizer aus Horgen das Ziel an der Glen­crutchery Road gegenüber dem Friedhof von Douglas erreicht. Wenig später stand der Fahrer bei der Siegerehrung zuoberst auf dem Podest.

Es war der 6. Juni 1962, und da er nach dem Triumph bei der ­legendären Tourist Trophy auf der Isle of Man noch weitere fünf Rennen der Strassen-WM in Folge gewann, holte sich der Zürcher auch noch den ersten von drei WM-Titeln. 1964 und 1965 feierte er noch weitere Siege bei der TT auf der Isle of Man. 143 Rennen hat Luigi Taveri in der ­Mo­­tor­radstrassen-WM bestritten, 30- mal fuhr er als Sieger durchs Ziel, 89-mal stand er auf dem Podest. Nach dem ersten Titel 1962 folgten noch zwei weitere: 1964 und 1966.

Die Werbung der Gattin

Seine Karriere begann Luigi Taveri als Beifahrer im Seitenwagen seines um 17 Jahre älteren Bruders Hans, mit dem er 1947 als 18-Jähriger beim GP von Europa auf der Rundstrecke im Berner Bremgartenwald sein erstes internationales Rennen bestritt. Ein Jahr ­später fuhr er auf einer 500er-Maschine sein erstes Rennen in einer Soloklasse. Nachdem er einige Jahre mit Maschinen italienischer Hersteller gefahren war, erhielt er 1961 einen Werksvertrag bei ­Honda.

Weil seine Gattin Tilde vernommen hatte, dass das japa­nische Werk in die WM einsteigen wollte und dem Firmengründer Soichiro Honda persönlich per Luftpost einen Brief sandte, in dem sie ihm die Dienste ihres talentierten Gatten anpries. Ende 1966 gab Luigi Taveri seinen Rücktritt aus der WM bekannt.

Danach gründete der nur 1,62 m grosse und 58 kg schwere Taveri in Wädenswil eine Karosserie- und Spritzwerkstatt, die heute noch unter seinem Namen existiert. Mit seiner Frau Tilde, mit der er im Juni 2015 den 60. Hochzeitstag feierte und seit 1968 in Samstagern lebte, reiste Luigi Taveri nach seinem Rücktritt und bis vor wenigen Jahren jährlich an einen GP. Der stets freundliche, zurückhaltende und bescheidene Mann war auf den vielen Rennstrecken immer herzlich willkommen.

Bis ins hohe Alter bestritt er Oldtimer- und Veteranenrennen. Jahrzehntelang träumte der Vater einer Tochter und eines Sohnes, den Jakobsweg mit dem Velo zu befahren. 2006, mit 77, realisierte er dann den langgehegten Wunsch und legte innert zwei Wochen mit dem Mountainbike, begleitet von seiner Frau und Tochter Blanca, 936 km von der französisch-spanischen Grenze nach Santiago de Compostela zurück. «Ausschlaggebend war das Gefühl der Dankbarkeit für das Leben, das ich erfahren durfte», sagte er.

Am 17. Februar musste Luigi Taveri nach einem Gehirnschlag ins Spital eingeliefert werden. Nun ist ist er im Alter von 88 Jahren gestorben. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 02.03.2018, 09:37 Uhr

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