Kloten

«Ich schaue mir die Ranglisten wirklich nicht an»

Die Klotenerin Joana Heidrich hat gemeinsam mit Anouk Vergé-Dépré in Moskau erstmals ein Turnier auf der World Tour gewonnen. Der Erfolg ist Entschädigung und Ansporn zugleich.

Joana Heidrich hat derzeit allen Grund zur Freude.

Joana Heidrich hat derzeit allen Grund zur Freude. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Joana Heidrich, Gratulation zum ersten gemeinsamen Triumph auf der World Tour mit Anouk Vergé-Dépré, und das an einem Turnier der zweithöchsten Stufe. Wie haben Sie es nach dem so knapp und unglücklich verlorenen Spiel um Platz 3 an der EM am selben Ort genau eine Woche vorher geschafft, sich wieder neu aufzubauen und die Enttäuschung zu überwinden?

Joana Heidrich: Zuerst einmal muss man dazu sagen, dass wir im EM-Bronzespiel zwar fünf Matchbälle hatten, diese aber allesamt beim eigenen Aufschlag. Das sind in unserem Sport keineswegs zwingende Punkte, sondern eher wie Breakbälle im Tennis. Trotzdem war die Niederlage unglücklich und hat im ersten Moment auch ganz schön wehgetan. Gleichzeitig war uns aber sehr wohl bewusst, dass wir an der EM schon sehr gutes Beachvolleyball gespielt hatten. So haben wir uns zwei Tage Zeit genommen, um uns zu erholen, uns Gedanken zu machen und danach gemeinsam mit dem Betreuerteam zu besprechen, was alles gut war. Aber auch, warum es am Ende doch knapp nicht für die Medaille gereicht hat.

Das scheint alles sehr gut geklappt zu haben.

Ja, absolut. Jede hat sich etwas Zeit für sich genommen, dann haben wir gemeinsam trainiert und haben uns wieder in Form gebracht. Wir haben dann vor allem viel Positives aus der EM mitgenommen, weil es dort schon im Vergleich zu den Turnieren davor definitiv bergauf gegangen war. Darum haben wir grosse Lust bekommen, daran anzuknüpfen. Dass wir am Schluss mit dem ersten gemeinsamen Turniersieg auf der World Tour belohnt worden sind, ist natürlich umso schöner.

Weil dieser Sieg ohnehin höher einzustufen ist, als es die Bronzemedaille an der EM gewesen wäre, was sich nicht zuletzt in der höheren Punktzahl für die Weltrangliste widerspiegelt?

Nicht unbedingt deswegen. Jede Sportlerin, jeder Sportler träumt davon, einen EM-Titel oder eine Medaille zu gewinnen. Das ist etwas, das einem persönlich bleibt. Auch wenn ein Top-Platz an einem Viersternturnier wertvolle Punkte für die Weltrangliste und die Olympiaqualifikation bringt, bedeutet er darum nicht automatisch mehr. Der Turniersieg in Moskau war vor allem deswegen so schön, weil wir dort konstant auf einem guten Niveau gespielt und uns gegen starke Gegnerinnen durchgesetzt haben. In Moskau haben nur drei Topteams gefehlt, alle anderen waren dabei.

In diesem starken Feld zu gewinnen, muss eine enorme Bestätigung sein und Ihnen zeigen, dass Sie nach dem Bandscheibenvorfall vor wenig mehr als einem Jahr, der Operation und langer Verletzungspause so richtig zurück sind.

Ja, das ist sicher ein Zeichen dafür, dass wir zurück und auf einem sehr guten Weg sind. Und mehr als das – vor meiner Verletzung hatten wir ja kein World-Tour-Turnier zusammen gewonnen. Dass uns das jetzt gelungen ist, zeigt, dass wir gegen alle Gegnerinnen bestehen können, wenn wir unser bestes Beachvolleyball spielen und bei uns alles zusammenpasst – auch die kleinen Details, die davor vielleicht nicht zu 100 Prozent gestimmt haben. Ausserdem denke ich, dass gerade die letzten Monate nach meiner Rückkehr, die nicht einfach waren, uns als Team weitergebracht haben.

Schmerzt Ihr Rücken Sie denn noch immer und hemmt Sie das im Training und im Match?

Gerade in den letzten drei Wochen ist es auch mit dem Rücken noch mal einen grossen Schritt vorwärts gegangen. Davor hat es immer wieder einmal hier und da gezwickt, sodass ich mich nach dem Training oft fragen musste, ob es jetzt vielleicht eine zu grosse Belastung war. Das Vertrauen in meinen Körper war darum lange nicht 100-prozentig da. Auch wenn ich einen sehr guten Genesungsverlauf hatte, war mein Rücken noch nicht ganz der alte. Aber das braucht wohl einfach seine Zeit, meine Operation ist ja erst ein Jahr her. Wenn es aber so bleibt, wie es jetzt ist, bin ich happy.

Die jüngsten Erfolge haben auch Ihre Position in der Weltrangliste und im provisorischen Olympiaqualifikations-Ranking stark verbessert. Mit den Plätzen 19 und 8 stehen Sie und Anouk Vergé-Dépré aktuell wieder sehr gut da.

Ich schaue mir die Ranglisten wirklich nicht an. Wenn wir gut spielen und an den Turnieren weit kommen, ergibt sich der Rest von alleine. Darum konzentriere ich mich auf meine Leistungen, das ist das Wichtigste. Uns für Tokio 2020 zu qualifizieren, ist unser grosses Ziel, dafür spielen wir ja jetzt gerade an so vielen Turnieren. Aber wir müssen es Schritt für Schritt nehmen und wissen, dass der Weg noch weit ist.

Umso mehr ist es schade, dass die aktuelle Saison bald zu Ende geht. Ausgerechnet jetzt, da es Ihnen am besten läuft.

Ganz vorbei ist sie ja noch nicht. Nach den Schweizer Meisterschaften nächste Woche in Bern und den World Tour Finals in der Woche darauf in Rom werden wir sicherlich noch ein Olympia-Qualifikationsturnier in China spielen, eventuell auch ein Dreisternturnier dort. Was danach kommt, wann wir eine Pause einlegen und wann mit dem Aufbau für die neue Saison anfangen, ist noch offen. Fest steht einzig schon, dass wir im November am Viersternturnier in Mexiko antreten.

Erstellt: 21.08.2019, 23:26 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben