Leichtathletik

In der «Knautschzone» zum grössten Erfolg

Jonas Raess vom LC Regensdorf gewinnt in Neapel sensationell die Goldmedaille an der Universiade.

Jonas Raess erreicht auf der Zielgeraden den Topspeed – das Rennen in Neapel in der Zusammenfassung.
Video: Fisu.TV

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Jonas Raess, Goldmedaillengewinner über 5000 m an der Universiade – wie klingt das in ihren Ohren?
Unglaublich – und es ist schwierig zu begreifen. Dieses Gold ist das absolut Bestmögliche.

Was bedeutet dieser Titel für Sie?
Mein grösster Erfolg. Und er kommt überraschend – mit Gold. Ich reiste an diese Universiade in Neapel in der Überzeugung, dass eine Medaille Realität werden könnte: bei idealem Rennverlauf. Gold aber schien mir ausser Reichweite. Generell gilt: Was bleibt und somit zählt sind Medaillen und nicht schnelle Zeiten.

Wieso?
Robin Hendrix weist eine Bestmarke von 13:19 Minuten auf. 20 Sekunden schneller ist der Belgier damit als ich. Meine Konzentration richtete sich weit mehr auf Konkurrenten in meinem Bereich. Und auch davon hatte es etliche. Meine Überzeugung deshalb vor dem Start: Wenn alles passt, gewinne ich eine Medaille, Silber oder Bronze.

«Vielleicht ist die WM-Limite doch plötzlich in Reichweite.»Jonas Raess, Langstreckenläufer aus Langnau am Albis.

Und wie wurde aus dieser Medaille die Goldene?
Im Hinterkopf setzte ich mir keine Grenzen. Ich sagte mir: Wenn alles, alles, alles passt. Überzeugt war ich davon, dass Form und Aufbau stimmten. Im Rennen konzentrierte ich mich darauf, besser zu laufen als im Vorlauf. Dort hatte ich mich von der Unruhe anstecken lassen, war viel auf den Bahnen 2 und 3 unterwegs. Jetzt sagte ich mir: Diesen Final läufst du cleverer.

Sie liefen cleverer?
Das war die Basis, ja. Robin Hendrix zeigte sich sogleich als Chef im Feld. Einige zogen mit, ich auch. Wir waren eine kleine Spitzengruppe. Ein sehr ruhiges Rennen entwickelte sich so: ohne Positionskämpfe, ohne Rempeleien. Ich konnte Kraft sparen.

Was Sie zu nutzen vermochten?
Genau. Die Energie war auf den letzten 80 m entscheidend. Im Endspurt konnte ich mich voll in die Knautschzone hineinwerfen, alles aus mir herauspressen. Das war wichtig, der entscheidende Pluspunkt für meinen Triumph. Ich erreichte einen Topspeed.

Schweizer Jubel in Neapel mit Sieger Jonas Raess (links) und dem ebenfalls im Final gelaufenen Luca Noti. Bilder: Swiss University Sports/Mirjam Leutwiler

Wie feierten Sie?
Eigentlich hätte ich dies gern im kleinen Kreis getan. Schliesslich gab’s aber eine Feier des ganzen Leichtathletik-Teams und eine Doppelgoldfeier. Zu meiner kam jene über 4x100 m der Frauen hinzu. Das Familiäre liess sich aber integrieren: meine Freundin Michelle Wieland, meine Mutter und Coach Gian Marco Meier waren auch vor Ort.

Wie geht es nun weiter?
Nach der Schlussfeier am Sonntag reiste ich am Montag direkt ins Engadin weiter. Dort werde ich nicht wie im Juni mit meinem britischen Team laufen, sondern mit meiner Freundin und für mich. Am 30. Juli komme ich zurück ins Unterland und fliege nach Belfast. In der nordirischen Hauptstadt laufe ich meinen nächsten 5000-er.

Ist die WM nun doch das nächste Ziel?
Stand jetzt, nein. Dazu müsste so viel passen. Aber was sicher ist: Mein Selbstvertrauen ist stark angewachsen. Vielleicht sind die 13:22 Minuten und damit die WM-Limite doch plötzlich in Reichweite.

Erstellt: 15.07.2019, 13:11 Uhr

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