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In sieben Jahren an die Weltspitze

Zum Höhepunkt der Fight Night im Bachenbülacher Modern Martial Arts Center geht es übermorgen Samstag um einen Schweizer-Meister- Titel – und um viel Kampf­erfahrung. Beides vor den Augen eines Weltmeisters.

Lernen von einem Vorbild – der 14-jährige Winkler Mike Maier (links) trainiert beim ehemaligen Weltmeister und Vizeweltmeister Daniel Pticek.
Lernen von einem Vorbild – der 14-jährige Winkler Mike Maier (links) trainiert beim ehemaligen Weltmeister und Vizeweltmeister Daniel Pticek.
Leo Wyden

Daniel Pticek wird am Samstagabend, wenn ab 17 Uhr im Modern Martial Arts Center im Bachenbülacher Gewerbegebiet rund zehn Kämpfe auf dem Programm stehen, persönlich nicht in den Boxring steigen. Doch auch ohne das Schleudertrauma, das er unlängst bei einem Verkehrsunfall erlitten hat, würde sich der ehemalige Weltmeister und Vizeweltmeister am Rande des Rings auf seine Rolle als Coach konzentrieren. Denn unmittelbar nach dem Karrierehöhepunkt, dem Titelgewinn im Vollkontakt der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm an der WM 2014 des Internationalen Sport-Kickbox-Verbands (ISKA), gab Pticek seinen Rücktritt. «Wenn ich etwas mache, dann richtig, und im Moment fehlt mir neben meiner schulischen Weiterbildung zum technischen Kaufmann und meiner Arbeit als Schreiner die Zeit zum Trainieren», erklärt der heute 35-Jährige.

Ein ambitionierter Schüler

Die kompromisslose Einstellung bildete die Basis für Pticeks ungewöhnliche Karriere. Zum Kickboxen fand er erst im Alter von 26 Jahren. Bis dato hatte er in seiner Heimatstadt Frauenfeld Handball gespielt. Weil er etwas anderes ausprobieren wollte, fand er damals dank eines Kollegen zu René Maiers Modern Martial Arts Center (MMAC), das damals noch in Winkel-Rüti beheimatet war. «Mir hat es vom ersten Training an gefallen und mich bald so richtig gepackt.» Tatsächlich trat Pticek gerade mal drei Monate später zu seinem ersten Kampf an, pendelte drei Jahre lang täglich zum Training ins Unterland, bevor er in die Region zog.

Dabei stieg der heutige Bachenbülacher am Anfang meist als Verlierer aus dem Ring. «Man darf einfach nie aufgeben und muss immer weitermachen», sagt Pticek, «wenn ich einen Kampf verloren habe, habe ich das darum nicht als Niederlage hingenommen, sondern als neue Erfahrung gesehen. Man muss immer an sich glauben, immer einen Schritt mehr machen und alles mit einem Lächeln im Gesicht tun.» Weil Pticek das nicht nur so sage, sondern auch lebe, seien seine grossen Erfolge erst möglich geworden, sagt René Maier, von allem Anfang an Pticeks Coach.

«Die Wahrscheinlichkeit, mit 26 mit dem Kickboxen anzufangen und sieben Jahre später Weltmeister zu werden, ist normalerweise sehr gering», meint René Maier. Die konditionelle Basis, die Daniel Pticek vom Handball her mitbrachte, habe zu Beginn sicherlich geholfen. «Vor allem aber hat er einen unbändigen Willen und ist der lebende Beweis dafür, was alles möglich ist, wenn man ganz fest an sich glaubt und wirklich alles für den Erfolg unternimmt», sagt Maier über seinen bislang erfolgreichsten Schüler. «Er hat allen vorgemacht, wie das funktioniert.» Als Zeugnis dafür dienen die vielen Pokale, die Pticek im Laufe seiner Karriere gewonnen hat und von denen nun einige auf einem Regalbrett mitten im Trainingsraum des MMAC für alle Schülerinnen und Schüler gut sichtbar angebracht sind.

Vieles in Einklang bringen

Neben der WM-Goldmedaille im Vollkontakt und WM-Silber im Kickboxen, die er 2014 am selben Tag im spanischen Lloret de Mar gewonnen hatte, sind zwei Schweizer-Meister-Titel und drei EM-Silbermedaillen die wichtigsten Trophäen in Pticeks Sammlung. Doch mehr noch als die Jagd nach Titeln und Triumphen habe ihn etwas anderes angetrieben. «Kickboxen ist so ein umfassender Sport, für den man Hände und Beine, Kraft, Kondition und Koordination benötigt», führt Pticek aus, «das in jedem Moment in Einklang zu bringen, auch im Kampf jederzeit den Körper zu beherrschen – das macht für mich den Reiz aus.»

Bei einem von jenen, denen Daniel Pticek mittlerweile als Trainer Kickbox-Technik, -Taktik und -Einstellung vermittelt, handelt es sich um den Sohn seines eigenen Meisters: den 14-jährigen Mike Maier. Der Winkler hat vor drei Jahren mit der Kickbox-Variante K1 light angefangen, bei der die jungen Kämpfer mit Helm, Handschuhen und Schienbeinschonern antreten und Kopf-K.-o.s verboten sind. Ihm gefällt am Kickboxen die grössere Freiheit in Sachen Technik im Vergleich zur koreanischen Kampfkunst Hapkido, mit der er im zarten Alter von fünf Jahren begonnen hatte. Was er sich von seinem Coach Daniel Pticek vor allem abschaue? «Seine Zähigkeit», verrät Mike Maier. «Dani hat nie aufgegeben, keiner hat es jemals geschafft, ihn K. o. zu schlagen.» Eine Qualität, die auch ihm helfen könnte, schliesslich verfolgt er hohe Ziele.

Dereinst eine WM zu gewinnen wie Daniel Pticek oder Europameister zu werden wie sein Vater René, «das wäre schon was», meint Mike Maier. Doch er müsse schauen, wie viel Zeit ihm ab August 2018 neben der Lehre bleibe, gibt der Sekundarschüler zu bedenken. Zunächst aber gilt sein Fokus der Fight Night vom Samstag. Sieben Kämpfe hat er bereits bestritten, die letzten vier davon in Folge für sich entschieden. Und übermorgen Samstag soll die positive Serie weitergehen.

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