Embrach

Innert zwölf Monaten zum Favoriten

Jonathan ­Brunschweiler tritt am Samstag zu den Schweizer Amateur-Meisterschaften in der Sporthalle Breiti in Embrach an.

Jonathan Brunschweiler während seines Trainings im Box-Center Glattbrugg, wo er in Rekordzeit zur nationalen Spitze aufgeschlossen hat.

Jonathan Brunschweiler während seines Trainings im Box-Center Glattbrugg, wo er in Rekordzeit zur nationalen Spitze aufgeschlossen hat. Bild: Sibylle Meier

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Im Weltergewicht steigt er als Favorit in den Ring – nach nur einem Jahr Training im Box-Center Glattbrugg.

Das Zürcher Unterland scheint sich als gutes Pflaster für Jonathan Brunschweiler zu entpuppen. Vor genau einem Jahr erst nahm der schweizerisch-argentinische Doppelbürger, der in Genf zur Welt kam und aufwuchs, nahe bei seinem Vater und einer seiner Schwestern in Wallisellen Wohnsitz – und begann im nahe gele­genen Box-Center Glattbrugg zu trainieren. Mit durchschlagendem Erfolg: Ganze drei Monate dauerte es, bis sein Trainer und Box-Center-Inhaber Rajko Bojanic ihn fragte, ob er eine Lizenz lösen und bald seinen ersten Kampf bestreiten wolle.

Brunschweiler musste nicht lange überlegen. Er wollte, trat an – und siegte auf Anhieb. Wie in seinen folgenden acht Kämpfen des Jahres 2017. Dazu gehörten notabene die Deutschschweizer und Tessiner Meisterschaften im Mai in Frenkendorf BL, wo er den Titel im Mittelgewicht (bis 75 Kilogramm) gewann. Und ein späterer Kampf an einem Turnier, in dem er den Meister der Romandie im Weltergewicht (bis 69 Kilogramm) schlug. In dieser Gewichtsklasse wird Brunschweiler, der im Alltag 71 Kilogramm wiegt, denn auch in Embrach starten. Um seine physischen ­Voraussetzungen optimal zu nutzen, hat er die tiefere Kategorie gewählt.

An den Schweizer Meisterschaften der Amateure, die übermorgen Samstag um 13 Uhr in der Sporthalle Breiti beginnen und eine Woche später in St. Gallen mit den Halbfinals und den Finals ihren Abschluss finden werden, gilt er auch darum als Toptitelanwärter.

«Mehr, härter und besser»

Auf die Frage, ob der schnelle ­Erfolg für ihn selbst auch über­raschend komme, antwortet der selbstständige Heizungsinstallateur ausweichend: «Ja, es war ein gutes Jahr, aber es hat auch viele Anstrengungen und Opfer gebraucht. Und es gibt immer noch vieles zu verbessern.» Für seine ersten neun Karrieresiege überhaupt – 2012 hatte er in Genf zwei Kämpfe bestritten und verloren – hat Jonathan Brunschweiler dafür umso bessere Erklärungen. «Ich trainiere sicher mehr, härter und besser als früher.» Fünf- bis sechsmal übe er wöchentlich je anderthalb Stunden im Box-Center Glattbrugg unter der Leitung von Rajko Bojanic.

«Er ist ziemlich streng und fordert sehr viel», sagt Brunschweiler über den Coach, «aber ich denke, dank ihm habe ich so grosse Fortschritte gemacht, vor allem in Sachen Kraft, Druck und Härte in meinen Schlägen.» Trainer ­Bojanic erkennt in Letzterem die grosse Stärke seines Kämpfers: «Er boxt im Mittelgewicht, schlägt aber so hart wie ein 90-Kilo-Mann, wirklich enorm.» Ein deutlicher Beleg dafür: Gut die Hälfte seiner neun Siege errang der Wahl-Walliseller durch ein K. o. des Gegners. Doch nicht nur in den Armen, sondern auch im Kopf verfügt ­Jonathan Brunschweiler gemäss seinem Coach über Qualitäten. «Er ist taktisch schon sehr gut: Während des Kampfs kann er sich schnell auf den Gegner einstellen und dessen Schwächen ausnutzen», lobt Rajko Bojanic. Ganz aus dem Nichts erfolgte der Aufstieg des derzeit stabilsten Kämpfers seines Klubs, wie Bojanic ihn nennt, freilich nicht.

Der Profi-Traum lebt

Bevor Jonathan Brunschweiler sich Anfang November 2016 dem BC Glattbrugg anschloss, hatte er zwar drei Jahre lang pausiert und sich lediglich mit Marathon-Lauftraining fitgehalten. Doch mit dem Boxen hatte er bereits im Alter von 17 Jahren begonnen – in Argentinien, der Heimat seiner Mutter. «Mein Onkel, mit dem zusammen ich damals bei meinen Grosseltern gelebt habe, war selbst ein erfolgreicher Boxer. Dank ihm habe ich angefangen», erzählt Brunschweiler, «aber schon als kleiner Junge habe ich Boxfilme angeschaut und war fasziniert davon.» Dass der Sport so anstrengend sei und viel fordere, mache für ihn den Reiz aus, das Adrenalin, das er im Training und im Wettkampf spüre – er möchte es bis heute nicht missen. Und strebt nach mehr.

Um seinen Traum von einer Karriere als Boxprofi zu realisieren, sei es noch nicht zu spät, glaubt Jonathan Brunschweiler. «Als Boxer erreicht man zwar mit 28, 29 Jahren seinen leistungsmässigen Höhepunkt, aber mit einer gesunden Lebensweise und konsequentem Training kann man bis 40 auf hohem Niveau mithalten.» Länderkämpfe mit der Schweizer Amateur-Auswahl und internationale Turniere wären nächste Schritte auf dem steilen Weg nach oben.

Doch zuallererst fokussiert der 29-Jährige auf den unmittelbar vor ihm liegenden: den Gewinn seines ersten Schweizer-Meister-Titels im Weltergewicht – und auf dem Weg dahin auf den ersten Teil der Landesmeisterschaft, möglicherweise mit zwei Kämpfen an einem Tag in der Sport­halle Breiti in Embrach.

Erstellt: 15.11.2017, 21:20 Uhr

Auftakt in Embrach

Das Box-Center Glattbrugg ­erwartet als Gastgeberklub zwischen 70 und 100 Boxerinnen und Boxer, die zum ersten Teil der Schweizer Meisterschaften der Elite übermorgen Samstag in Embrach antreten werden. Je nach Anzahl der Teilnehmer in den einzelnen Gewichtsklassen kommen ab 13 Uhr und bis circa 19 Uhr die Achtelfinal- oder ­direkt die Viertelfinal-Kämpfe in der Sporthalle Breiti zur Austragung. Die Titel werden erst am darauffolgenden Wochenende in St. Gallen vergeben. Im Athletikzentrum stehen am Samstag, 25. November, die Halbfinals und tags darauf die Finals auf dem Programm. Neben Jonathan Brunschweiler steigen vom BC Glattbrugg auch Collis Ojal im Super-Schwergewicht, Abdullah Mahfood (Leichtgewicht) und Alex Sträuli im Weltergewicht in den Ring – alle laut den Klubverantwortlichen mit valablen Siegchancen.pew

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