Dielsdorf

Jan van Berkels nächster Home Run Hawaii im Hinterkopf

Der 29-jährige Dielsdorfer Jan van Berkel gehört am Ironman Switzerland vom Sonntag rund ums Zürcher Seebecken zum kleinen, feinen Kreis der Favoriten.

Die Startnummer 3 ist am Ironman von kommendem Sonntag in Zürich Jan van Berkels härtester Konkurrent. Die 3 trägt er selbst.

Die Startnummer 3 ist am Ironman von kommendem Sonntag in Zürich Jan van Berkels härtester Konkurrent. Die 3 trägt er selbst. Bild: David Küenzi

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Seit Jan van Berkel vor drei Jahren von der olympischen auf die Langdistanz gewechselt hat, ist in Zürich kein Ironman ohne den 29-jährigen Dielsdorfer gestartet worden. Auf seinen aufsehenerregenden Einstand 2012, als er als Zweiter hinter dem mehrfachen Ironman-Sieger Ronnie Schildknecht ins Ziel lief, folgten zwei Rennen, in denen der studierte Jurist Lehrgeld bezahlte. 2013 kollabierte er auf der Laufstrecke, im vergangenen Jahr wurde er als Führender neun Kilometer vor dem Ziel noch abgefangen. Vor seiner vierten Ironman-Teilnahme in Zürich hat Jan van Berkel zu sechs Stichworten Stellung ­genommen.

Höhenluft. Drei Wochen hat sich Jan van Berkel in Davos auf seinen Saisonhöhepunkt, das Heimrennen in Zürich, vorbereitet. Klassisches Höhentraining sieht anders aus: 400 bis 500 Stunden über 2300 Meter. Davos liegt auf 1600 Metern. Was der Unterländer im weltbekannten Luftkurort gemacht hat, ist Training in der Höhe, nicht Höhentraining. Davos habe er sich auch nicht primär wegen der guten Höhenluft ausgesucht, sondern um in den Bergen zu trainieren. «Ich wollte die Kraft dieser Natur aufsaugen.»

Es sind Extremsituationen, denen sich Van Berkel in den Bergen aussetzen konnte. Die Temperaturen variierten in den drei Trainingswochen zwischen minus 1 und 30 Grad, die steilen Berghänge stellten sich dem Athleten rau und herausfordernd entgegen. Auf den Flüela- oder Berninapass zu radeln, war für ihn nicht nur körperlich, sondern auch mental eine Herausforderung. Den Bernina erklomm Van Berkel mit seiner Trainingsgruppe buchstäblich im Eilzugstempo. «Wir waren schneller oben als der Glacier-Express», erzählt er schmunzelnd.

Hitze. Temperaturen bis über 37 Grad brachten die Schweiz in den vergangenen Wochen ins Schwitzen. «Lustig ist es nicht, bei dieser Hitze zu trainieren», sagt Van Berkel. Lustig nicht, aber effizient. Hitzetrainings als solches bringen dem Langstreckenathleten nämlich einen Fitnessgewinn. Van Berkel ergänzt: «Und das ­unabhängig davon, wie hoch die Temperaturen am Renntag sind.» Für den kommenden Sonntag sind derzeit weniger als 30 Grad vorausgesagt. Aber auch wenn es heisser werden sollte, ist das für Van Berkel kein Problem. «Die Aussenbedingungen sind schliesslich für alle der 1500 Startenden dieselben.» Hitze aber verlangt dem Körper mehr ab, sie kann das Rennen langsamer machen – und gefährlicher. Dass Erholung bei hohen Temperaturen schwieriger wird, weiss Van Berkel aus eigener Erfahrung. 2013, als er auf der Laufstrecke kollabierte, zeigte das Thermometer 37 Grad. «Da habe ich bemerkt, wie tückisch die Hitze sein kann.»

Härteste Konkurrenten. Van Berkels Antwort kommt prompt: «Die Startnummer 3.» Und die 3 ist er selbst. Für ihn ist klar: Bringt er eine Topleistung, kann er das Rennen auf dem Podium beenden. «Darauf will ich mich konzentrieren und nicht darüber nachdenken, wie ich XY im Endspurt bezwinge.» Wer XY sein könnte, lässt Van Berkel sich dann doch noch entlocken: Lokalmatador Ronnie Schildknecht, der in Zürich bereits siebenmal triumphiert hat, und dann Michael Raelert, zweifacher Welt- und Europameister im Half-Ironman. Auch den Schweizer Manuel Küng, Zweiter über die halbe Distanz in Rapperswil, und den Hawaii-Sechsten von 2011, Mike Aigroz, hat Van Berkel auf der Liste. Es sind die üblichen Verdächtigen.

Hawaii. Das Ticket für eine Teilnahme am Ironman Hawaii will hart verdient sein. Um auf der Insel starten zu können, braucht Van Berkel in Zürich wohl zwingend einen Platz auf dem Podest. Steht er daneben, kann er in den folgenden drei Monaten die fehlenden Punkte kaum mehr gewinnen, die Zeit ist zu kurz. Es gäbe für Van Berkel im Hinblick auf Hawaii sicher bessere Rennkalender. Doch zugunsten des ältesten und grössten Ironmans sein Heimrennen zu streichen, kommt für ihn momentan nicht infrage. «In Zürich können mich all die Leute, die mich das ganze Jahr hindurch unterstützen, auch einmal in Aktion sehen.»

Heimpublikum. Anders als in Melbourne oder auf Mallorca kann Van Berkel in Zürich auf persönliche Anfeuerungsrufe zählen – zuvorderst auf jene von Freundin Sarah Meier, die mit der Familie Van Berkel am Streckenrand stehen wird. Seine Schwester, Spitzenschwimmerin Martina van Berkel, wird zudem als Social-Media-Verantwortliche einen kleinen Live­ticker auf Jans öffentlicher Facebook-Seite führen. Und schliesslich erwartet in Kilchberg ein ganz besonderer Fan seine Durchfahrt: «Meine Grossmutter, die dort wohnt, wird von meinem Onkel im Rollstuhl an die Strecke begleitet», verrät Van Berkel. Am Heartbreak Hill, mit seinem steilen Anstieg das spektakulärste Teilstück der Radstrecke, wird der Enkel auch jede Unterstützung brauchen ­können.

Home Run. Im Zielraum anzukommen, sei ein unbeschreibliches Gefühl, sagt Van Berkel, der nicht vorhat, die Landiwiese am Sonntag vorzeitig zu verlassen. Schliesslich möchte er wie jedes Jahr, jene Leute willkommen heissen, die es in der letzten halben Stunde noch über die Zielline schaffen. «Wenn man diese Athleten eintreffen sieht, weiss man, was Ironman bedeutet.»

Erstellt: 15.07.2015, 21:08 Uhr

Hawaii im Hinterkopf

Der 28-jährige Bülacher Stephan Lowiner hat gute Chancen, sich am Ironman Switzerland in seiner Altersklasse für Hawaii zu qualifizieren.

Er sei ein ausdauernder Typ, sagt Stephan Lowiner von sich selbst. Kein Wunder also, ist der einstige Hockeyspieler und Mittelstreckenläufer des LC Regensdorf vor zwei Jahren bei den Ironmans gelandet. «Die Langdistanz ist ideal für mich, weil ich ein schlechter Schwimmer bin», erklärt Lowiner. In einem langen Rennen könne er seinen Rückstand mit dem Rad und später auf der Laufstrecke wieder wettmachen.

Bei seiner Ironman-Premiere im vergangenen Jahr in Zürich ist der 29-jährige Bülacher gleich auf Platz 5 in seiner Alterskategorie gelaufen. Insgesamt reichte seine Zeit von 9:31:23 für den 52. Rang. Ein beachtlicher Einstand. Wäre er einige Minuten schneller gewesen, er hätte drei Monate später auf Hawaii am Start gestanden. Mit einer Platzierung unter den ersten drei könnte Lowiner dies heuer gelingen. Auch wenn er sich jetzt ganz auf Zürich konzentrieren will, gibt er zu: «Hawaii ist im Hinterkopf.» Die Form jedenfalls stimmt. Zuletzt ist Lowiner in Spiez über die olympische Distanz Zweiter geworden. Und er zeigte dabei «die beste Leistung, die ich je als Triathlet abgeliefert habe».

Lowiner kann also in Zürich auf seine schnellen Beine zählen. Und auch sein Fahrrad ist in Topzustand. «Es wurde ja auch von einem Profi gewartet», sagt Lowiner lachend. Er hat es unlängst Jan van Berkel abgekauft.

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