Kloten

Joana Heidrich erlebt neue Dimensionen

Rio de Janeiro ist Joana Heidrich durchaus vertraut. Doch Olympische Spiele verschaffen der Klotenerin bisher unbekannte Erlebnisse.

Die Klotenerin Joana Heidrich (links) und ihre Spielpartnerin Nadine Zumkehr kennen Brasilien bereits von früheren Turnieren her. Die Gepflogenheiten von Olympischen Spielen sind den beiden aber neu.

Die Klotenerin Joana Heidrich (links) und ihre Spielpartnerin Nadine Zumkehr kennen Brasilien bereits von früheren Turnieren her. Die Gepflogenheiten von Olympischen Spielen sind den beiden aber neu. Bild: Keystone

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Das Beachvolleyball-Stadion, das stattliche Provisorium mit 12 000 Zuschauerplätzen, prägt in diesen Wochen die Copacabana. Am Mittwoch, einen Tag nach ihrer Ankunft und vier Tage vor ihrem ersten Olympiamatch, konnten Joana Heidrich und ihre Berner Partnerin Nadine Zumkehr zum ersten Mal auf dem Centre Court trainieren. Am Abend, so wie an ihren ersten drei Partien. «Der Platz war beleuchtet, aber die oberen Sitzplätze lagen wieder im Dunkeln. Man hat dahinter kaum Häuser gesehen, nur noch den Himmel», beschreibt Joana Heidrich die Dimension der Arena. «In einem grösseren Stadion habe ich noch nie gespielt.»

Es war nicht das Einzige, das ihr Eindruck gemacht hat. Im olympischen Dorf hat sie Spass daran, Athletinnen und Athleten zu beobachten und dabei deren Sportart zu erahnen. «Die Gewichtheber bestehen nur aus Muskeln, sind klein und kompakt. Die Basketballer erkennt man nicht nur wegen ihrer Grösse, sondern tatsächlich auch an der Kleidung.» Dann treffe man Dorfbewohner, denen anhand des Körperbaus nicht anzusehen sei, dass sie tatsächlich Spitzensportler seien. Und dann habe es auch schnelle Begegnungen mit Novak Djokovic und Andy Murray gegeben. Ein Selfie mit den Tennisheroen liess sie jedoch bleiben: «Ich schätze ihre Erfolge sehr. Aber ich bin auch eine Sportlerin, die es verdient hat, hier zu sein.» Ein gewisser Stolz schwingt in der Stimme mit.

Am Morgen ausschlafen

Das Dorfleben ist eine neue Dimension für die 24-Jährige. Auch die Tatsache, eine Stunde im Bus zu Trainings oder Spielen gefahren zu werden – «wenns gut läuft», wie Heidrich erwähnt. Ungewohnt sind die langen Pausen zwischen den Spielen. Auf der World Tour treten die Beachvolleyballerinnen mitunter zweimal täglich an, an Olympia steht in der Gruppenphase nur ein Einsatz in zwei Tagen an.

Heidrich/Zumkehr können, was von Vorteil ist, ihre drei Vorrundenspiele stets am Abend bestreiten – am 7., 9. und 11. August zwischen 18.30 Uhr und Mitternacht. So lässt sich der Spielrhythmus einfacher finden. «Wir gehen später ins Bett und schlafen am Morgen länger aus», nennt Nadine Zumkehr eine Massnahme. Dazu passt durchaus, dass sie selbst am Freitag die Eröffnungsfeier im Maracana miterlebte. Joana Heidrich dagegen liess, obschon das Auftaktspiel erst zwei Tage später stattfindet, dieses Spektakel aus: «Ich stehe nicht so gerne.»

Die Gegebenheiten in Rio an sich sind den vier Schweizer Beachvolleyballerinnen vertraut. «Wir profitieren davon, dass wir schon mehrmals in Brasilien waren», erklärt Zumkehr. «Wir wissen, wie es hier läuft und wie die Leute sind: sehr herzlich, aber auch chaotisch.»

«Wissen, was wir können»

Beide Schweizer Frauenteams geben sich zuversichtlich. Selbstvertrauen hatten sich Heidrich/Zumkehr zuletzt mit dem 2. Platz in Klagenfurt geholt. «Aber das hat nichts an unseren Erwartungen für Rio geändert. Genauso wenig, wie dies die weniger guten Resultate vorher getan haben», erklärt Zumkehr. «Wir wissen, was wir können. Und wir wissen, dass die Teams eng beieinander liegen und dass fast jeder jeden schlagen kann.»

Zunächst will man die Gruppenphase überstehen. Dann folgen weitere Vorhaben, beispielsweise ein Rang in den Top 8. Schritt für Schritt. Oder, wie Joana Heidrich sagt: «In der Vorrunde ist von Platz 1 bis 4 alles möglich. Alles, was wir jeweils holen können, nehmen wir gerne.»

Der perfekte Rahmen

In Rio de Janeiro fand 1987 das erste Männerturnier der World Tour statt. Ab heute Samstag kommt die Copacabana nun – endlich – auch zu olympischen Ehren. Nur Bondi Beach in Sydney 2000 konnte dem Sport Beachvolleyball einen ähnlich passenden Rahmen verschaffen wie jetzt der Weltstrand in Rio. Aus brasilianischer Sicht steht Beachvolleyball unter besonderer Beobachtung. Das macht den Druck für die vier Duos, die nach der Qualifikationsphase bei den Frauen die Ränge 1 (Larissa/ Talita) und 2 (Agatha/Barbara) respektive bei den Männern 1 (Alison/Bruno Schmidt) und 4 (Evandro/Pedro Solberg) belegten, nicht kleiner. Hinzu kommt die Vergangenheit: Brasilien hat erst je einmal den Sieger gestellt: 1996 bei der Olympiapremiere mit Jackie Silva/Sandra Pires bei den Frauen sowie 2004 mit Ricardo/Emanuel bei den Männern. Im Frauentableau könnte eine Amerikanerin in eine neue Dimension vorstossen. An den letzten drei Olympiaturnieren war der Ablauf eigentlich immer der gleiche: Am Ende stand Kerri Walsh mit ihrer langjährigen Partnerin Misty May zuoberst auf dem Podium. Nun strebt Walsh Jennings an der Seite von April Ross die vierte Olympia-Goldmedaille in Serie an. Gelingt es, dann würde sie in einen erlauchten Kreis von bislang sieben Personen vorstossen, die dieses Kunststück in der stets gleichen Disziplin ebenfalls geschafft hatten. Die letzte unter ihnen war die US-Basketballerin Lisa Leslie (1996 bis 2008). Bei der sechsten Austragung sind erstmals zwei weibliche Schweizer Duos vertreten: Isabelle Forrer/Anouk Vergé-Dépré und die Klotenerin Joana Heid­rich zusammen mit Nadine Zumkehr. Beide Duos haben die Chance, die Vorrunde zu überstehen. Dafür fehlen erst zum zweiten Mal nach Atlanta 1996 die Schweizer Männer. sda/ust

Turniermodus bei Olympia in Rio

Vorrunde. Gruppe C: Isabelle Forrer/Anouk Vergé-Dépré (SUI), Kerri Walsh Jennings/April Ross (USA), Wang Fan/Yue Yuan (CHN), Mariafe Artacho/Nicole Laird (AUS). – Gruppe E: Joana Heidrich/Nadine Zumkehr (SUI), Heather Bansley/Sarah Pavan (CAN), Karla Borger/Britta Büthe (GER), Jantine van der Vliest/Sophie van Gestel (NED). Modus: Pro Geschlecht sechs Gruppen à vier Teams. Alle Gruppensieger und -zweiten sowie die besten zwei Dritten qualifizieren sich direkt für die Achtelfinals. Die restlichen vier Drittklassierten ermitteln in einer Barrage die letzten zwei Achtelfinalisten. Bei Punktgleichheit zweier Teams entscheidet die Direktbegegnung, bei drei Teams das Punkteverhältnis aus den Direktbegegnungen.sda

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.08.2016, 20:59 Uhr

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