Winkel

Kümin klettert mit klarem Plan

Am Weltcup in der Sparte Bouldern eröffnet die Winklerin Andrea Kümin heute Freitag in Meiringen die Saison. Ihr zweites Jahr in der Elite-Altersklasse steht ganz im Zeichen ihres grossen Ziels: der Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele von Tokio 2020.

Andrea Kümin am Boulder-Weltcup 2016 in Meiringen, wo sie heute zur Qualifikation antritt.

Andrea Kümin am Boulder-Weltcup 2016 in Meiringen, wo sie heute zur Qualifikation antritt. Bild: Davidschweizer.ch

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Wie bereits vor zwölf Monaten bildet Meiringen die erste Station auf Andrea Kümins Wettkampftour. Auch damals stand im Haslital die Sparte Bouldern, das Klettern in Absprunghöhe ohne Seil, auf dem Programm. Die Winklerin bewältigte die jeweils vier bis acht Züge der diversen Routen, im Bouldern Probleme genannt, so erfolgreich, dass sie den Wettkampf auf Platz 10 beendete. Ein verheissungsvoller Auftakt ihrer ersten kompletten Saison in der Altersstufe Elite – dem weitere gute Resultate, aber auch ein Tiefpunkt folgten. Doch die Jugend-Europameisterin und Vizeweltmeisterin des Jahres 2016 in der Kombinationswertung aller drei Disziplinen reagierte auf den Taucher an der EM der Sparten Speed- und Leadklettern. Fortan setzte sie auf Bouldern und Kraftaufbau – und schloss die Saison mit einem 10. Rang an der Boulder-EM in München und dem 12. Platz in der Kombinations-EM-Wertung versöhnlich ab.

«Insgesamt war es ein gutes Jahr», sagt Andrea Kümin im Rückblick, «und eines, aus dem ich sehr viele wertvolle Erfahrungen mitnehmen kann.» Den Entscheid, die Saison 2017 bereits Ende August zu beenden, wertet sie auch im Nachhinein als «sehr gut, denn so habe ich schon im Oktober mit dem Aufbautraining anfangen können und viele Fortschritte gemacht, vor allem im physischen Bereich». Namentlich punkto Kraft habe sie zugelegt. Zudem ging sie häufig felsklettern und meisterte dort mehrere Probleme der hohen Schwierigkeitsgrade 8A und 8A+. Nun, nachdem die lange Vorbereitungszeit, abgesehen von einer erst kürzlich abgeklungenen, langwierigen Erkältung, reibungslos verlaufen ist, fühlt sich die 20-Jährige bereit.

Die Form stimmt

Spätestens an einem Testwettkampf im deutschen Pfungstadt vor Ostern erhielt Andrea Kümin die Bestätigung für ihr gutes Gefühl. «Dort ist es wirklich sehr gut gelaufen, und ich habe gesehen: Ich bin fit», meint sie. Ob das in Meiringen zur Wiederholung des guten Vorjahresresultats reichen wird oder gar zu mehr – diesbezüglich möchte sie sich nicht festlegen: «Das ist immer schwierig zu sagen, so viele Faktoren spielen eine Rolle, und die Leistungsdichte ist auch enorm gross.» Die Qualifikation, die im Berner Oberland heute Freitag auf dem Programm steht, zu überstehen und in den Halbfinal einzuziehen, sei im Weltcup freilich stets ihr Ziel, «das ist immer möglich». In der Sparte Bouldern bedeutet dies: einen Rang unter den besten 20 zu erreichen.

Doch wie auch immer sie in Meiringen und an den weiteren Wettkämpfen abschneiden wird – 2018 stehen die Resultate für Andrea Kümin noch nicht ganz im Vordergrund. Die aktuelle Saison gilt im Hinblick auf die Olympiapremiere des Sportkletterns an den Sommerspielen von Tokio 2020 als eine Art Vorbereitungsjahr. Denn die 20 Startplätze in Japan, wo lediglich in der Kombinationswertung Medaillen und Diplome zu gewinnen sind, werden nächstes Jahr vergeben. Und zwar an der WM, die 2019 ebenfalls in Tokio über die Kletterwände gehen wird, sowie voraussichtlich an einem separaten Qualifikationswettkampf. Für heuer hat Kümin daher das Motto gewählt: «Weniger ist mehr. Ich werde dieses Jahr weniger an Wettkämpfe reisen und dafür mehr trainieren, um 2019 so richtig fit und parat zu sein.»

Die WM als Höhepunkt

An ausgewählten Anlässen möchte sich Andrea Kümin freilich auch dieses Jahr schon von ihrer besten Seite zeigen. Nach den Heimweltcups ab heute in Meiringen sowie Anfang Juli in Villars-sur-Ollon sowie dem Boulder-Weltcup in München im August soll die WM im September in Innsbruck den Höhepunkt bilden. An der Elite-WM, an der alle drei Disziplinen am selben Ort und unmittelbar hintereinander zur Austragung kommen, möchte sie ihre Topform erreichen, kündigt sie an.

Erstellt: 12.04.2018, 21:29 Uhr

Infobox

Neues Leistungszentrum - zum Training nach Biel

Im Umfeld der 20-jährigen Andrea Kümin ist es im Vergleich zum Vorjahr zu zwei grossen Veränderungen gekommen.
Nachdem sie während ihrer erste Elite-Saison ein sportliches Zwischenjahr als Profi absolviert hatte, hat die Maturandin der Kantonsschule Zürcher Unterland im Herbstsemester 2017 ein Bachelorstudium in Psychologie an der Fernuni Schweiz aufgenommen. «Es macht mir mega Spass, läuft gut und lässt sich gut mit dem Sport verein­baren», berichtet Kümin erfreut. Und von Winkel aus, wo sie nach wie vor bei ihren Eltern wohnt, pendelt sie seit Januar 2018 zwei- bis dreimal pro Woche nach Biel.
Dort trainieren Kümin und fünf weibliche sowie drei männliche Kollegen aus dem Olympiateam des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) in einem eigens für das Nationalkader geschaffenen Leistungszentrum. Die Schweizer Kandidatinnen für die Olympiapremiere ihres Sports können darin im Beisein zweier Trainer klettern. Kümin begrüsst dies sehr. «Wir können viel gezielter als vorher spezifische Wettkampfboulder und Bewegungen trainieren», erklärt sie.pew

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