Kloten

Mit Spielwitz und Abwehrstärke

Fabienne Geiger und Anja Licka treten zur Studierenden-WM in München an. Die ZuZu-Beach-Spitzenspielerinnen gehen den Saisonhöhepunkt gelassen an.

Fabienne Geiger (links) und Anja Licka hechten in der Klotener Beachtown nach dem Ball. Die Verteidigung gilt als Pluspunkt der Fünftplatzierten an der Schweizer Meisterschaft 2017.

Fabienne Geiger (links) und Anja Licka hechten in der Klotener Beachtown nach dem Ball. Die Verteidigung gilt als Pluspunkt der Fünftplatzierten an der Schweizer Meisterschaft 2017. Bild: Paco Carrascosa

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«Wichtig, das ist für uns wohl das falsche Wort», antwortet Anja ­Licka auf die Frage nach der Bedeutung der Studierenden-WM, an der sie und Fabienne Geiger übermorgen Montag im Münchner Olympiapark ihr erstes Vorrunden-Gruppenspiel bestreiten werden. «Es ist schon eine Herausforderung und wir freuen uns mega darauf, einmal international zu spielen, gegen ganz andere Teams als sonst», sagt die 22-Jährige, «aber wir haben uns nicht speziell dafür vorbereitet, oder gar unsere Saisonplanung darauf ausgerichtet.» Auf ein resultatmässiges Ziel möchte sie sich denn auch nicht festlegen. «Ein Top-10-Platz wäre sicher gut», meint Licka.

Und Fabienne Geiger, mit der die Jonerin nun schon in der dritten Saison im Beach-Sand gemeinsame Sache macht, ergänzt: «Wir wissen gar nicht so genau, wie das Niveau sein wird. Ich glaube, es gibt ein paar sehr gute Teams aus den Spitzen-Volleyball-Nationen, aber wohl auch ein paar schwächere Gegnerinnen.» Allzu intensiv haben sie sich mit der Konkurrenz wahrlich nicht auseinandergesetzt. Einzig Pleun Ypma aus den Niederlanden, die schon mehrere Turniere der höchsten Schweizer Serie A1 bestritten hat, kennen sie – und natürlich das zweite Schweizer Duo: Esmée Böbner und Zoé Vergé-Dépré. Fabienne Geiger, die an der Universität ihres Wohnorts Basel Psychologie studiert, bringt es auf den Punkt: «Wir gehen jetzt einfach mal dorthin und lassen uns überraschen.»

Eine gute Gelegenheit

Die Lockerheit ist freilich wohlbegründet: Zum einen haben sich Anja Licka und Fabienne Geiger eher kurzfristig für die Studierenden-WM der Sparte Beachvolleyball angemeldet, nachdem sie erst im Mai vom Turnier im nahen München erfahren hatten. Obwohl beide mit Prüfungen und Nebenjobs ausgelastet sind, wollten sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Zum andern wissen die beiden Anfang-20-Jährigen, die während des Foto- und Interviewtermins an ihrem Trainingsort, der Beachtown neben dem Klotener Freibad Schluefweg, so oft so herzlich lachen und kein Spässchen scheuen, ganz genau, was sie sportlich erreichen wollen. Eine Karriere im internationalen Beachvolleyball gehört nicht dazu. «Nein», lautet unisono ihre Antwort auf die Frage danach, ob sie davon träumen. Sie lachen. Und Anja Licka erklärt: «Der Aufwand an Zeit und Geld wäre zu gross. Auf der World Tour müssten wir ganz klein anfangen, an Einsternturnieren spielen, die rund um die Welt verteilt sind. Und an den Turnieren des europäischen Verbands könnten wir vielleicht einmal die Qualifikation überstehen, aber viel weiter würden wir dort kaum kommen.» Doch es gibt noch einen tieferen Grund: Sowohl Fabienne Geiger als auch Anja Licka strebten in jüngeren Jahren nach Höherem, haben dann aber erkannt, dass ein Dasein als Beachvolleyball-Profi nicht das ist, was sie wirklich wollten.

Besser ohne Druck

Anja Licka ging nach zwei Jahren im Nachwuchs-Nationalkader 2014 für ein Studienjahr in die USA, wo sie ein Beachvolleyball-Stipendium an der Florida International University ergattert hatte und intensiv trainierte. «Dort hat ein enormer Konkurrenzkampf geherrscht», erzählt Licka, «da habe ich gemerkt, dass ich dafür nicht ehrgeizig genug bin. Und dass vor allem das Training und die Gemeinschaft hier in der lässigen Gruppe in Kloten für mich den Spass am Beachvolleyball ausmachen.» Zudem, schätzt sie, hätte sie wohl sehr, sehr hart arbeiten müssen, um eine international erfolgreiche Karriere zu absolvieren. «Aber es ist noch lange nicht gesagt, dass es dafür gereicht hätte», fügt sie an. Daher beschloss sie nach der Rückkehr aus den USA 2015, auf Studium und Ausbildung zu setzen. Mit Erfolg: Ihr Bachelorstudium in Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen steht kurz vor dem Abschluss.

Fabienne Geiger machte ähnliche Erfahrungen. An der U-23-EM 2012 erreichte sie als damals 18-Jährige an der Seite der ak­tuellen Elite-Nationalspielerin Tanja Hüberli ihr international bestes Resultat: Platz 9. 2013 gehörte sie während einer Saison dem Schweizer Juniorinnen-Nationalkader an und trainierte regelmässig am nationalen Leistungszentrum in Bern. «Damals habe ich aber auch viel Druck gespürt und mich unter Beobachtung gefühlt», schildert Geiger, «ich habe gemerkt, dass ich mehr Spass habe, wenn ich frei aufspielen kann.»

Hartnäckige Verteidigerinnen

In der Elite-A-Trainingsgruppe von ZuZu-Beach, der Beachvolleyball-Sektion des VBC Züri Unterland, ist dies der Fall. Hier trainieren die beiden, die in der Schweizer Einzelspielerinnen-Rangliste die Positionen 13 und 14 einnehmen, dreimal wöchentlich unter der Leitung des Klotener Erfolgstrainers Kurt Brunner und dessen Assistenten Florian Heidrich in der Klotener Beachtown. «Das Training ist super organisiert, davon profitieren wir enorm», sagt Fabienne Geiger. Dass sie heuer früher zur Form gefunden haben und Erfolge feiern als in den ersten beiden gemeinsamen Saisons, führt sie indes nicht nur auf die Fortschritte im Punktabschluss am Netz zurück, auf welche die Trainer gezielt mit ihnen hingearbeitet hätten.

«Wir sind älter und erfahrener geworden, spielen konstanter und vertrauen darauf, dass wir auch dann gewinnen können, wenn es einmal eng wird», erklärt Geiger. Anja Licka ergänzt: «Am Anfang mussten wir sehr viel im technischen Bereich und an der Abstimmung arbeiten.» Nun aber, da sie gut eingespielt seien, könnten sie sich stärker auf tak­tische Finessen konzentrieren. «Gerade weil wir beide nicht so gross sind, ist das Taktische sehr wichtig für uns», führt die 1,75 Meter grosse Geiger den Gedanken ihrer rund zwei Zentimeter kleineren Mitspielerin weiter. «Zum Blocken sind wir eigentlich beide zu klein», räumt sie ein.

Dafür hätten sie andere Stärken: Kampfgeist, Spielwitz und Schnelligkeit. «Wir sind beide sehr stark in der Verteidigung», verrät Anja Licka. «Die Gegnerinnen sagen, dass sie gegen uns kaum einen Ball auf den Boden bringen, weil wir so schnell sind.» Können sie und Fabienne Geiger diese Qualitäten auch in München zeigen, könnte mehr für sie drinliegen als jener 20. Platz, den sie in der Setzliste der Studierenden-WM einnehmen. Und falls nicht, steht eines bereits fest: Die beiden werden es locker nehmen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 06.07.2018, 20:23 Uhr

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