Kloten

Nach «Refresh» zu neuen Höhen

Die Kloten-Bülach Jets befinden sich seit Mai in der Vorbereitung auf die Saison 2017/2018. Mit neuen, vielversprechenden Gesichtern, vier neuen Söldnern – sowie einem grossen Abwesenden.

Jets-Leitwolf Yannick Jaunin (57), hier gegen Köniz-Goalie Samuel Thut, wechselt nach Finnland.

Jets-Leitwolf Yannick Jaunin (57), hier gegen Köniz-Goalie Samuel Thut, wechselt nach Finnland. Bild: Leo Wyden

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Kaum wurden im vergangenen April im Schweizer Unihockey die neuen Meister bei den Herren und Damen erkoren, schwitzten keine zwei Kilometer nordwärts in der Sporthalle Ruebisbach die Spieler der ersten Mannschaft während vier wöchentlichen Einheiten. In der Flughafenstadt wird der achten Saison seit dem NLA-Wiederaufstieg besonders entgegengeeifert. Letzten März und einen Tag nach dem Playoff-Out gegen den späteren Schweizer Meister SV Wiler-Ersigen wurde die Vertragsverlängerung von Trainer Arto Riihimäki unter Dach und Fach gebracht.

Auch danach ging es Schlag auf Schlag: Nach zahlreichen Vertragsverlängerungen mit arrivierten Kräften gab es aus Kloten im gefühlten Wochentakt neue Meldungen zu verkünden – Meldungen über die neue fünfköpfige Söldnerfraktion, über die Heimkehr eines verlorenen Sohnes und über den Transfer dreier Zukunftsspieler von Stadtrivale GC.

Bereits beim Trainingsauftakt im Mai bestand Klarheit über die Jets-Ausgabe 17/18. So früh wie noch nie zuvor. Aufwärts soll es gehen, die Playoff-Qualifikation sei das Minimalziel, lautet es aus Kloten. Einzig eine Meldung drückt auf die positive Klotener Stimmung: Jets-Leitwolf Yannick Jaunin wechselt für eine Saison nach Finnland.

Jetzt oder nie

Lange wurde über die Zukunft von Jaunin gemunkelt, ein Verbleiben bei den Jets war eine Option. «Der Verein ist für mich eine Herzensangelegenheit. Klar war das eine Option», bestätigt er. Jetzt zieht es den Klotener, der seit Beginn seiner Unihockey-Karriere als Zehnjähriger für keinen anderen Verein gespielt hatte und dessen Vater und Onkel für die Jets respektive den Vorgängerverein Giants Kloten auf Torjagd gingen, in den Süden Finnlands zum Spitzenverein TPS Turku. «Für mich ist es wahrscheinlich die einzige und letzte Möglichkeit, im Ausland zu spielen», erklärt Jaunin.

Der Verein legte ihm keine Steine in den Weg ­– im Gegenteil. Ausgerechnet Riihimäki, der Jaunin weiterhin so gerne in seinem Team gehabt hätte, stellte den Kontakt nach Finnland her: «Es war sein Traum, klar helfe ich ihm dabei», findet Riihimäki. Für die Jets ist der Abgang von Jaunin ein herber Verlust – menschlich wie sportlich. «Jaunin war nicht nur auf dem Feld ein Leader und Vorbild, sondern auch in der Garderobe und bei unseren Fans», findet Sportchef Roman Reichen. Dazu verkörperte er die in der Unihockeyszene bekannte Klotener Resilienz wie kein Zweiter. Reichen denkt dabei an jene dramatischen Szenen im zweitletzten Qualifikationsspiel gegen Waldkirch-St. Gallen, welche die letztjährige Saison für die Jets in eine komplett andere Richtung lenkten: Zuerst verschuldete Jaunin mit einem Ballverlust einen Gegentreffer, welcher höchstwahrscheinlich den Fall in die Playouts bedeutet hätte, wenige Augenblicke später schoss der Pechvogel die Jets kurz vor Spielschluss in die Playoffs. Umfallen, aufstehen, weitermachen – das passt zu Yannick Jaunin, das passt zu den Jets. Wird es trotz Abstecher nach Finnland zu einer Rückkehr zur alten Liebe kommen? «Die Chance ist gross, ja. Es ist mein Wunsch, eines Tages meine Karriere bei den Jets zu beenden.»

Patrick Kapp zurück

Ein Nachfolger, um die von Jaunin hinterlassene Lücke zu schliessen, steht bereit. Und wie Jaunin erlernte er das Unihockey-Abc bei den Jets, trägt die gleiche «Jets-DNA» in sich. Die Rede ist von Patrick Kapp. Als Jungspund ist Kapp aus seinem «Wohnzimmer» Ruebisbach ausgezogen, um sich beim Kantonsrivalen HC Rychenberg als Spieler weiterzuentwickeln. Gereift und nach vier Jahren in der Ferne kehrt er auf die neue Saison zu seinen Wurzeln zurück. «Kapp ist ein Spieler, der mit seiner Spielintelligenz und Technik für uns eine absolute Bereicherung darstellt», findet Reichen. Und ähnlich wie Jaunin ist Kapp ein Spieler für das Überraschungsmoment, «ein schlauer Fuchs», wie ihn Reichen bezeichnet. Die Schweizer Offensivfraktion um Kapp und das wiedergenesene Eigengewächs Sandro Fischer soll in der neuen Saison zusammen mit dem finnischen Söldner-Trio Markus Kulmala, Miikka Sokka und Mikko Immonen für die offensive Musik sorgen. Keine leichte Aufgabe, denn nach den namhaften Abgängen von Yannick Jaunin, Benjamin Reusser, Hans Sturzenegger, den beiden Finnen Johannes Jokinen und Matias Kaartinen sowie dem zurückgetretenen Severin Bran­denberger haben Kapp und Co. über 170 Skorerpunkte wettzumachen.

Designierter Nachfolger des ehemaligen Topskorers Jokinen soll sein 23-jähriger Landsmann Immonen werden. Mit 16 Jahren debütierte er in der höchsten Liga Finnlands und wurde in seiner ersten Saison auf Anhieb teaminterner Topskorer. Sein damaliger Mentor und Trainer? Arto Riihimäki. «Wenn er fit ist, wird er die Marke von Jokinen übertreffen», verspricht Riihimäki und verweist dabei auf den bemerkenswerten Schnitt von zwei Punkten pro Spiel in den vergangenen zwei Saisons in der Liga des amtierenden Weltmeisters Finnland.

Aufwertung der Verteidigung

«Wir möchten uns neu aufstellen, nicht nur bei den Ausländern», erklärte Reichen noch bei der Vertragsverlängerung von Arto Riihimäki. In Zukunft soll noch vermehrter auf junge Spieler mit Entwicklungspotenzial gesetzt werden. Entsprechend wurde der Vertrag mit dem international erfahrenen tschechischen Altmeister Milan Garcar nicht mehr verlängert. Gekommen ist hingegen mit dem 21-jährigen Yannick Kindler von GC ein vielversprechendes Verteidigertalent. «Kindler hat eine unheimliche Qualität, ist enorm ehrgeizig. Ich bin mir sicher, dass er bei uns eine wichtige Rolle einnehmen wird.»

Bereits vor der abgelaufenen Saison standen die Jets kurz vor einer Verpflichtung Kindlers, ehe er doch bei Stadtklub GC blieb, in seiner NLA-Debütsaison 24 ­Spiele absolvierte und gar den Cup­pokal in die Höhe stemmen konnte. Im Gepäck mitgenommen hat er mit den beiden 20-jährigen Stürmern Nicklas Rothe und Fabrice Gärtner gleich zwei ehemalige Mitspieler aus GC-Zeiten. Jetzt soll Kindler zusammen mit arrivierten Kräften wie Jürg Graf, Tobias Heller, dem Letten Janis Rajeckis oder dem neuverpflichteten Finnen Juuso Alin das Herzstück der neuen, spielstarken Klotener Defensive bilden.

Was hält Jaunin von der neuen Jets-Ausgabe? »Die Abgänge wurden gut kompensiert, das Team ist jung und hungrig und wird einen weiteren Schritt nach vorne machen. Ein Platz in den Top sechs liegt drin.»Sämi Kuhn (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 07.08.2017, 21:55 Uhr

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