Unihockey

Nico Scalvinonis Schlussstrich

Der Rücken zwang GC-Stürmer Nico Scalvinoni zum vorzeitigen Rücktritt vom Spitzensport. Nun läuft der 72-fache Nationalspieler für seinen Jugendverein Bassersdorf-Nürensdorf in der 1. Liga auf.

«Bei GC in der vierten Linie zu spielen, war für mich keine Option»: Nico Scalvinoni (31) aus Nürensdorf.

«Bei GC in der vierten Linie zu spielen, war für mich keine Option»: Nico Scalvinoni (31) aus Nürensdorf.

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Nico Scalvinoni, im September sind Sie aus der National­mann­schaft zurückgetreten. Am Sonn­tag nun haben Ihre einstigen Teamkollegen an der WMin Prag Bronze gewonnen. Wie haben Sie die Spiele verfolgt?
Nico Scalvinoni: Im Fernseher mit meinem Vater oder meiner Freundin. Nach Prag fahren ­wollte und konnte ich nicht, ich habe mir die Spiele lieber in Ruhe angeschaut.

Mit welchen Gefühlen?
Gemischten. Einige meiner ehemaligen Mitspieler bei GC waren ja dabei, und ich habe ihnen gerne zugeschaut, hätte ihnen den Sieg gegen Schweden gegönnt. Aber da war auch der Gedanke, nicht jetzt, ohne mich. Der Entscheid, aus dem Nationalteam zurück­zutreten, ist mir sehr schwer­gefallen. Ich hätte gerne nochmals etwas mit der Nati gerissen. Mit einem intakten Rücken und einem guten Saisonstart hätte ich wohl auch eine Chance gehabt.

Mit Ihrem Rücktritt vor zehn Ta­gen­ und dem sofortigen Wech­sel zu Bassersdorf-Nürensdorf haben Sie selbst den Sportchef des Erstligisten überrascht. Warum­ gerade jetzt?
Das war kein spontaner Entscheid, sondern der Schlusspunkt eines längeren Prozesses. Seit es mich im August im Trainingslager in Schweden im Rücken wieder gezwickt hat, ist nichts mehr gegan­gen. Die Bandscheibe, die ich Sommer vor einem Jahr operiert habe, ist verrutscht.

Unihockeyspielen war nicht mehr möglich?
Zumindest nicht auf Spitzenniveau. Die Bandscheibenprobleme führen dazu, dass sich meine Muskeln im Beckenbereich verkrampfen, das macht mich steif, und ich habe keine Kraft im Rücken­. An schlimmen Tagen kann ich mir nicht mal richtig die Socken anziehen.

Am Unihockey-Superfinal 2015 war Nico Scalvinoni Studiogast bei SRF. Quelle: Youtube

Ihr Körper hat immer wieder für Brüche in Ihrer Karriere gesorgt. Als 19-Jähriger mussten Sie infolge einer Krebserkrankung auf Ihre erste WM verzichten. 2016 machten Sie Ihren Traum von einem Wechsel nach Schweden wahr. Doch wegen der Bandscheibe kamen Sie nie auf Touren. Denken Sie manchmal, «was wäre gewesen, wenn ...?»
Ja. Mit der Erkrankung 2006 bin ich im Reinen. Rückblickend würde ich sogar sagen, sie hat mir gutgetan. Ich habe dar­aus eine positive Lebenseinstellung gewonnen und weiss heute vieles mehr zu schätzen. Aber die Zeit in Schweden lässt mich noch nicht los. Ich wollte zeigen, dass ich mich auch in der weltbesten Liga durchsetzen kann. Aber genau in Schweden haben meine Probleme mit dem Rücken begonnen und ich war schliesslich mehr Tourist als Unihockey-Profi.

Von 2013 bis ins GC-Meisterjahr 2016 hatten Sie Ihre pro­duk­tivste Zeit. 2014 haben Sie als Liga-Topskorer gleich viele Punkte gesammelt wie der schwe­dische Superstar Kim Nilsson eine Saison später. Welches Tor ist Ihnen aus diesen Jahren in Erinnerung geblieben?
Jenes 2016 im letzten Halbfinalspiel gegen Rychenberg Winterthur. Ich bin während des ganzen Spiels vom Publikum ausgepfiffen worden und habe dann acht Minuten vor Schluss im Powerplay volley zum 3:2 getroffen. Das war die Kehrtwende in dieser Partie und am Ende hat es gereicht, wir sind in den Superfinal eingezogen. Wenn 2000 Leute gegen dich sind, macht das natürlich umso mehr Spass.

Sind es diese grossen ­Emo­tionen, die Sie in Zukunft vermissen werden?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe eigentlich immer gesagt, dass ich nie in einer tieferen Liga mit weniger Tempo und Zuschauer spielen werde.

Und jetzt doch: Der Wechsel zu Bassersdorf-Nürensdorfin die 1. Liga.
Ja, jetzt doch. (lacht) Ich habe lange darüber nachgedacht und gemerkt, dass ich nicht mehr den Biss habe, mich nochmals zurückzu­kämpfen. Bei GC in der vierten Linie zu spielen, war für mich keine Option.

Anfang Dezember hatten Sie ­bereits Ihren ersten Einsatzin der 1. Liga. Wie war es?
Ich habe nicht unbedingt zum Spielen gewechselt, sondern um Trainer Samuele Eberle zu unterstützen und mich fit zu halten. Dass ich gegen die Vipers dann doch zum Einsatz gekommen bin, war unerwartet – und es hat Spass gemacht. Ich konnte vom gerin­geren Tempo profitieren und mir für meinen Rücken die nötigen Freiheiten herausnehmen.

Am Sonntag kommt es zum Unterländer Derby gegen Bülach. Werden Sie spielen?
Nein. Ich habe es vergangene Woche­ im Training etwas übertrieben, der Rücken rebelliert. Und da ich weiterhin auf dem Golf­platz stehen und eines Tages auch mit meinen Kindern noch Unihockey spielen möchte, nehme ich diese Zeichen ernst.

Erstellt: 12.12.2018, 11:58 Uhr

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