Bülach

Torschluss ohne Panik

Der 20-jährige Dielsdorfer Victor Ivanov lässt sich weder vom fehlenden Schnee noch von der Tatsache, dass er heuer im Halfpipe-Weltcup Spitzenresultate liefern muss, aus der Ruhe bringen.

Die Lehrjahre sind vorbei. Um im Weltcup zu punkten, muss Victor Ivanov in der Pipe präziser werden.

Die Lehrjahre sind vorbei. Um im Weltcup zu punkten, muss Victor Ivanov in der Pipe präziser werden. Bild: Keystone

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Victor Ivanov ist gerade in Davos, hier besucht er die Handelsmittelschule und wartet darauf, dass die Farben wechseln. Anfang November dominierte im Luftkurort auf 1560 Meter Höhe nämlich noch immer Grün, Grün bis hoch hinauf zu den Pisten und Pipes. Damit der in Davos stationierte Schweizer Snowboard- und Freeskinachwuchs aber ausrücken kann, braucht es Schnee. Doch die weisse Pracht hält sich noch prächtig zurück.

«Es ist ganz gut so, nun kann ich mit einem vollen Energiespeicher in die Saison starten.»Der Dielsdorfer Snowboarder Victor Ivanov stört sich nicht daran, dass er in dieser Saison noch nicht ausgiebig auf Schnee trainieren konnte.

Schlimm? Für Victor Ivanov keineswegs. «Jetzt mache ich eben mehr Krafttraining und arbeite im mentalen Bereich», sagt der Dielsdorfer. Er ist einer von jener Sorte Mensch, die immer ein halb volles Glas vor sich stehen hat. Darum betont er lieber, wie viel Energie es braucht, bereits im Herbst auf dem Schnee zu stehen, wie sehr auch ein Training auf dem Gletscher in 3000 Meter Höhe an den Kräften zehrt. Er sagt gelassen: «Es ist ganz gut so, nun kann ich mit einem vollen Energiespeicher in die Saison starten.»

Mit den Besten auf Tour

Richtig los geht es für die weltbesten Halfpipe-Snowboarder am 12. Dezember mit dem Weltcup in Cooper Mountain (USA). Und für Victor Ivanov bedeutet «richtig los» auch, dass er heuer liefern muss, saubere Tricks und am besten Top-Ten-Plätze. 2017 war sein Schnupperjahr im Weltcup, 2018 seine Rookie-Saison. Jetzt ist Ivanov gerade mal 20 Jahre alt, und doch herrscht für ihn in seinem Sport bereits so etwas wie Torschluss, einfach ohne Panik, weil sie nicht zu ihm passt. Natürlich spürt auch er den Druck. Für seine Generation heisse es nun: «Hey, Kleiner, jetzt musst du bei den Grossen mitmischen.» Er lacht, zuversichtlich, dass er es schaffen wird. Und wieso auch nicht? Er hat 2017 den Europacup gewonnen und sich in der vergangenen Saison im Weltcup dreimal in den Top-20 klassiert. Und er ist auf Tour mit Schweizer Weltklasse-Snowboardern wie Iouri Podladtchikov, Pat Burgener oder Jan Scherrer, von denen er profitieren kann.

«Pipe bleibt Pipe»

Doch die Uhr tickt. Und in der Halfpipe tut sie das schneller als anderswo. Bereits vor einem Jahr sagte Cheftrainer Peppe Regazzi, dass es für Victor Ivanov an der Zeit sei, sich im Weltcup zu etablieren. Dass die Altersschwelle in seiner Sportart so tief angesetzt ist, führt Ivanov auf die Akrobatik zurück, die, je früher gelernt, umso besser beherrscht wird. Zudem gebe es anders als im Skisport keinen Unterschied im Schwierigkeitsgrad der Pisten. Die jungen Fahrer brauchen keine lange Gewöhnungszeit zwischen Europa- und Weltcup. «Pipe bleibt Pipe», sagt er.

Was Victor Ivanov noch fehlt, ist die Konstanz. In seinen Europacup-Jahren nahm er viele neue Tricks in sein Repertoire auf, was dazu führte, dass der Kette seiner Kunststücke letzte Saison die Präzision fehlte, oft nur «es bitzeli». Aber das reicht in der Pipe, um unsanft auf die Kante zu knallen, wie es Ivanov im Januar am Heim-Weltcup in Laax passiert ist. Mit einer Schulterluxation und einer Prellung des Brustkastens kam er noch glimpflich davon und nahm es mit Humor: Mit «Glad I didn’t die today» meldet er sich nach dem Sturz auf seinem Instagram-Account.

Sein unverkrampfter Auftritt vor heimischem Publikum hat Victor Ivanov bestimmt ein paar Sympathiepunkte eingebracht, doch würde er die Aufmerksamkeit seiner Coachs in der anstehenden Saison doch lieber als gestandener Athlet gewinnen. Dies bereits auch mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Der Countdown läuft – und Victor Ivanov ist heuer definitiv kein Greenhorn mehr.

Erstellt: 07.11.2019, 20:33 Uhr

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