Bülach/Kloten

Tschechische Stabilität nicht nur für die Abwehr der Jets

Die Kloten-Bülach Jets haben mit einem Neuzuzug für Furore gesorgt: Mit dem tschechischen Internationalen Milan Garcar wollen sie ihre Abwehr verstärken.

Milan Gar?ar an seinem neuen sportlichen Lebensmittelpunkt, der Klotener Ruebicbachhalle.

Milan Gar?ar an seinem neuen sportlichen Lebensmittelpunkt, der Klotener Ruebicbachhalle. Bild: David Küenzi

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Er hat im Team des schwedischen Serienmeisters Falun sowie mit Helsingborg in der schwedischen Superligan, der stärksten Unihockey-Liga der Welt, gespielt. Mit Tatran Stresvice, dem Spitzenteam seines Heimatlandes Tschechien, gewann er jeweils fünfmal die Meisterschaft und den Cup. Mit der Landesauswahl hat Milan Gar?ar vier WM-Endrunden bestritten und 2010 als ihr Stamm- und Führungsspieler die Bronzemedaille gewonnen. In der vergangenen Spielzeit schliesslich kam er in Finnlands höchster Liga mit Nokian KrP auf 18 Skorerpunkte in 26 Partien – als Verteidiger. Angesichts dieses Palmarès fragt sich: Warum landet ein Spieler seines Formats ausgerechnet bei den Kloten-Bülach Jets? Bei jenen Jets also, die in ihrer jüngeren Vergangenheit stets in den Kampf um den Playoff-Strich involviert gewesen waren.

Bei der Antwort auf die Frage sprudelt es in fliessendem Englisch, nur so aus Milan Gar?ar heraus. «Die Möglichkeit, in der Schweiz zu spielen, ist eine grossartige Herausforderung für mich», sagt er mit freudig funkelnden Augen, «vor mir haben erst zwei Tschechen in den höchsten Ligen aller vier Unihockey-Topnationen gespielt. Nach der Saison in Finnland hat mir einzig die Schweiz noch gefehlt.» Ursprünglich, räumt der 32-Jährige offen ein, habe er zwar vorgehabt, zwei Jahre für den Nokian KrP zu verteidigen. Doch wegen veränderter Rahmenbedingungen, wie etwa weniger Trainingslektionen, die der studierte Sportlehrer dem Unihockey-Nachwuchs des Klubs hätte erteilen können, habe er mit den Verantwortlichen neu verhandelt. Dabei brachte Nokians Trainer Heiki Luukkonen die Idee eines Wechsels zu den Jets ins Spiel. Als deren ehemaliger Coach war Luukkonen mit den Unterländern in Kontakt geblieben.

Intensive Bemühungen

«Zwei Tage später hat mich schon Roman Reichen angerufen», berichtet Milan Gar?ar. Der Jets-Sportchef, aber auch viele Andere aus dem Umfeld des Klubs, hätten sich danach sehr um ihn bemüht. «Wenn immer es um ein Detail ging, das noch zu klären war, hat sich jemand bei mir gemeldet, um mir weiterzuhelfen», erzählt der Tscheche, «alle haben mir gezeigt, dass sie mich wirklich wollen.» Die Vertragsdauer von zwei Jahren, die ihm nach den nur jeweils einjährigen Engagements in Schweden und Finnland am Herzen gelegen sei, sowie die relative Nähe zur Heimat waren weitere Argumente, die für Kloten-Bülach und gegen die Angebote anderer Klubs in der Schweiz, Schweden und Finnland sprachen. Die Entscheidung, betont er, habe er gemeinsam mit seiner Ehefrau Veronika getroffen. Dass sie und die beiden dreieinhalb und eineinhalb Jahre jungen Töchter mit ihm zusammen leben sollten, stand von Vornherein fest. «Meine Familie ist das Wichtigste für mich.

Ein Vorbild für die Jungen

Als sein Wechsel ins Zürcher Unterland feststand, kündgten die Kloten-Bülach Jets Milan Gar?ar auf ihrer Vereins-Homepage als «Transfer-Bombe» an, und die Unterländer erhoffen sich von ihm, dass er die mit 148 Gegentreffern in der vergangenen Qualifikation wenig sattelfeste Jets-Abwehr stabilisiert. Besonders unter Druck gesetzt fühle er sich durch all das nicht. «Mit meiner Arbeit im Training und im Match will ich den jungen Mitspielern als Vorbild dienen», sagt er selbst, «und dass man mich in meinem Alter so genannt hat, macht mich glücklich.»

Dass seine neuen Mitspieler bislang nicht eben um den Schweizer Meistertitel gespielt haben, ist ihm weder entgangen, noch stört es ihn. «Ich will immer gewinnen, ohne Wenn und Aber.» Doch es gebe verschiedene Wege, die zum Erfolg führten. «Man kann Spieler verpflichten und den schnellen Erfolg erwarten, oder man kann ein neues Siegerteam mit jüngeren Gesichtern aufbauen. Dann braucht es mehr Geduld und Ruhe, und man härter arbeiten.» Wenn es gelinge, neben dem «fantastischen spielerischen Potenzial», das seiner Mitspieler aufwiesen, auch die Siegermentalität in ihnen zu wecken, lasse sich einiges bewegen. Als Leader möchte er seinen Teil dazu beizutragen. Eine schöne Herausforderung auch für einen vierfachen WM-Teilnehmer.

Erstellt: 18.09.2015, 14:21 Uhr

Daniel Meier, Trainer Kloten-Bülach Jets (Bild: pd)

Dani Meier, wen haben Sie zu Ihrem neuen Captain ernannt?
Dani Meier: Yannick Jaunin und Daniel Dürst. Die beiden werden sich das Amt teilen.

Ein Doppelmandat. Warum?
Weil aktuell kein Spieler des Kaders alle Eigenschaften verkörpert, die mir für einen Captain wichtig sind. In der Verbindung von Yannick Jaunin und Daniel Dürst habe ich aber meinen perfekten Captain gefunden. Jaunin ist der Führungsspieler auf dem Feld, extrovertiert, ein Motivator. Daniel Dürst ist der Besonnene, der im Hintergrund gute Teamarbeit leistet.

Als sich der langjährige Jets-Captain Patrik Künzli mitten in der Saisonvorbereitung im August Richtung Malans verabschiedete, kam das für Aussenstehende überraschend. Auch für Sie?
Ja, der Wechsel war auch für uns eine Überraschung. Ich wünsche ihm viel Glück.

Mit Künzli verlieren die Jets eine wichtige Stütze und Stabilität in der Defensive. Für das ansonsten schon schmale Kader ist er ein gewichtiger Verlust, Ersatz konnte auf die Schnelle wohl nicht mehr gefunden werden...
Nein, Ersatz gibt es so kurz vor Saisonstart definitiv nicht. Unsere Lage ist mehr als schwierig, sie ist ein Desaster. Die Meisterschaft hat noch nicht mal begonnen und unsere Verletztenliste ist jetzt schon sehr lang. Routinier Severin Brandenberger wird mit Hüftproblemen wohl die ganze Saison ausfallen. Dann fehlen uns zum Saisonstart neben Stürmer Fabian Zolliker auch noch die zwei besten Skorer der vergangenen Saison. Sandro Fischer hat einen Knorpelschaden im Knie und wird noch länger fehlen. Yannick Jaunin, der mit Miniskusproblemen kämpft, ist frühestens im November zurück.

Einen Lichtblick gibt es: Mit Milan Garcar ist immerhin ein Verteidiger mit internationalem Renommee in die Flughafenstadt gelandet. Was haben Sie für einen Eindruck von ihm?
Er ist ein Spieler, auf den man sich verlassen kann. Er will Bestandteil in eines Teams sein, das merkt man. Seine Präsenz auf dem Feld tut uns gut.

Die Jets haben in diesem Sommer gerade mal drei Transfers getätigt: Neu zum Team gestossen sind neben Gar?ar die beiden Rückkehrer Pietro Luraschi und Corado Bühler. Sind die Jets eine so schlechte Adresse?
Ich bin der falsche Mann um diese Frage zu beantworten. Nur so viel: Die Spieler, die wir holen konnten, sind eine ideale Besetzung für uns. Und das ist schon mal gut.

Ihr Team wird auch in dieser Saison als Playoutkandidat gehandelt. Haben Sie Argumente dagegen?
Nein, keins. Wir werden realistisch von Spiel zu Spiel schauen. (mak)

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