Winkel

«Vor uns liegt noch ein weiter Weg»

Michael Suter spricht nach dem ersten Zusammenzug mit zwei Länderspielen gegen die Slowakei von einem gelungenen Einstand als Schweizer Männer-Nationaltrainer.

Michael Suter aus Winkel möchte nach den Nachwuchsauswahlen nun auch dem Schweizer Männer-Handball-Nationalteam zu neuem Schwung verhelfen.

Michael Suter aus Winkel möchte nach den Nachwuchsauswahlen nun auch dem Schweizer Männer-Handball-Nationalteam zu neuem Schwung verhelfen. Bild: Keystone

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Anfang März hat Michael Suter die zuvor erwartete, nach seinen vielen Erfolgen als Nachwuchs-Nationaltrainer naheliegende Beförderung erhalten: Der 40-jährige Winkler unterschrieb einen Vierjahresvertrag mit dem Schweizerischen Handballverband als neuer Männer-Nationaltrainer. Bald nach dem offiziellen Arbeitsbeginn am 1. Juni bat Suter die neu formierte und deutlich verjüngte Landesauswahl zu einem zehntägigen Lehrgang, der diese Woche zu Ende ging. Im Interview spricht der 75-fache Nationalspieler über erste Erfahrungen und Perspektiven im neuen Amt.


Michael Suter, Ihr erster Zusammenzug als Trainer der Schweizer A-Nationalmannschaft liegt hinter Ihnen. Haben Ihnen die ersten Eindrücke gefallen?
Michael Suter: Ich bin sehr zufrieden, vor allem mit der Art und Weise, wie das Team im Training und in den beiden Testländerspielen in der Slowakei gearbeitet hat. Die Mentalität stimmt, und wir konnten erste Strukturen auf und neben dem Feld schaffen. Der klare 27:19-Sieg in der ersten Partie gegen die Slowakei war ein Höhepunkt, der so noch nicht zu erwarten war. Die 25:29-Niederlage im zweiten Spiel ändert daran nichts, zeigt aber auch, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.

Tatsächlich hat die A-Nationalmannschaft zuletzt je fünf Welt- und Europameisterschaften ­verpasst. Seit Sie seit 2010 diverse Schweizer Nachwuchsauswahlen nicht nur zu insgesamt acht WM- und EM-Endrunden geführt haben, sondern auch regelmässig zu Top-10-Platzierungen an diesen grossen Turnieren, gelten Sie wiederum als d e r Hoffnungsträger des Schweizer Handballs. Wie schwer wiegt die Last der Verantwortung auf Ihren Schultern?
Ich empfinde keine Last, sondern eine grosse Herausforderung. Es ist ja auch schön, dass man mich so sieht. Ausserdem bin ich es gewohnt, langfristig zu arbeiten, ein Konzept umzusetzen. Denn auch wenn wir in jedes Spiel gehen, um es zu gewinnen, können wir ja nicht erwarten, dass wir schon in der EM-Qualifikation im Herbst plötzlich Weltklassegegner wie Deutschland oder Slowenien vom Platz fegen. Vor uns liegt noch ein weiter Weg.

Ein Weg, auf dem in den vergangenen zehn Jahren drei nam­hafte Trainer gescheitert sind. Warum tun Sie sich diese undankbare Aufgabe an?
Weil sie für mich eine grosse Motivation darstellt. Zum einen trage ich seit 2007 meinen Teil dazu bei, mit jungen Spielern etwas aufzubauen. Viele der jetzigen Nationalspieler kenne ich ja vom Nachwuchs her, darum möchte ich mit ihnen gemeinsam nun die nächsten Schritte schaffen. Zum andern möchte ich dem Handball etwas zurückgeben, nur schon weil ich als Spieler an den Olympischen Spielen 1996 meine Frau kennen gelernt habe. Natürlich habe ich mir auch gut überlegt, ob ich dieses Amt übernehme. Aber die A-Nati zu trainieren, ist für mich als Trainer eine sehr grosse Ehre. Diese Einstellung möchte ich auf die Spieler übertragen.

Haben Sie denn gar keine Zweifel oder Angst vor dem Scheitern?
Nach dem leider sehr klaren Aus in der EM-Qualifikation im Januar haben alle gesehen, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, wenn man irgendwann wieder an einem grossen Turnier mitspielen möchte. Wir Trainer, die Verantwortlichen im Verband und in den Spitzenklubs setzen darum nun alles daran, auf verschiedenen Ebenen besser und professioneller zu arbeiten. Weil die meisten anderen Nationen das aber schon seit Jahren tun, gibt es keine Garantie für sportliche Erfolge. Es braucht darum auch viel Geduld. In diesem Sinne sehe ich es als einen grossen Vertrauensbeweis, dass mein Vertrag über vier Jahre läuft.

Es gibt aber auch einiges aufzuholen. Mit Manuel Liniger und Andy Schmid üben nur zwei ­Mitglieder des aktuellen Nati-Kaders ihren Sport als Vollprofis aus. Ist es für Schweizer Talente einfach nicht attraktiv genug, voll auf Handball zu setzen?
Für einige war das bislang so. Darum haben viele Talente den Sprung an die internationale Spitze nicht geschafft. Mit 20, 21 Jahren haben sich viele von ihnen, überspitzt formuliert, damit zufriedengegeben, in der NLA Stammspieler zu sein, mit dem Sport neben dem Studium etwas dazuzuverdienen und zu den Länderspielen anzutreten, wenn es neben den übrigen Verpflichtungen gerade passt. Dabei zeigt gerade das Beispiel Andy Schmid, was alles mit einer professionellen Mentalität möglich ist. Er hat ja auch einmal in der Schweiz ­angefangen – und zu seiner Zeit nicht einmal als Toptalent gegolten. Im Ausland musste er sich zuerst zwei Jahre lang durchbeissen, bevor er zu dem Superstar gereift ist, der er als Deutscher Meister und dreifacher Most Valuable Player der Bundesliga heutzutage ist. Neben ihm ist unser Nati-Captain Manuel Liniger zu erwähnen, der mit seinem Einsatz und seiner internationalen Erfahrung ein Vorbild für die vielen Jungen ist.

Welchen Spielern aus Ihrem Nati-Kader trauen Sie eine ­ähnliche Karriere zu?
Andy Schmid ist natürlich ein Ausnahmekönner, sein Erfolg wird schwer zu wiederholen sein. Aber in unserer Mannschaft gibt es einige mit internationalem Potenzial, auf jeder Position einen oder zwei. Und zum jetzigen Team gehören viele Spieler, die das wirklich wollen, die ihr Leben nach dem Handball richten. Ich habe die Mannschaft aber auch bewusst dementsprechend zusammengestellt.

Der Bülacher Cédrie Tynowski gehört zur Nationalmannschaft, Stefan Freivogel, sein Mitspieler bei Pfadi Winterthur aus Niederhasli, nicht mehr. Warum?
Cédrie Tynowski ist auf dem rechten Flügel ein Ausnahmetalent. Das hat er jetzt wieder einmal gezeigt: In den beiden Spielen in der Slowakei ist er aufgetreten wie ein 25-Jähriger, obwohl er erst 19 Jahre jung ist. Stefan Freivogel ist ein sehr wertvoller Allrounder, wie ihn jeder Trainer gerne in seiner Mannschaft hat. Einem erweiterten 24-Mann-Kader in meinem Kopf gehört er an, und ich weiss, dass er immer parat wäre, wenn man ihn ruft.

Zur Person

Der 40-jährige Michael Suter hat das Handballspielen einst im HC Bülach erlernt. Mit Pfadi Winterthur und Kadetten Schaffhausen holte der Winkler insgesamt vier Schweizer-Meister-Titel und einmal den Cup. Neben mehr als 50 Europacup-Partien für die beiden Spitzenklubs absolvierte er auch 75 Länderspiele für die Schweiz. Als Cheftrainer der U19- und U21-Nationalteams führte er die Schweizer Nachwuchsequipen zwischen 2010 und 2016 an zehn WM- und EM-Endrunden und dort dreimal auf den 6. Platz. Daneben trainierte er die zweite Mannschaft des Schweizer Serienmeisters, die SG Kadetten ­ Espoirs / GS Schaffhausen in der NLB. Mit der Übernahme des Postens als Männer-Nationaltrainer gibt der verheiratete ­Vater von drei Kindern dieses Amt ab, bleibt aber Leiter und Cheftrainer der Swiss Handball Academy in Schaffhausen.

Erstellt: 16.06.2016, 21:50 Uhr

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