Kloten

Vorfreude und Ambitionen im Sand

Für Mara Betschart und Céline Baumann geht eine bereits erfolgreiche Saison in die Verlängerung. Am Sonntag beginnt für die ZuZu-Beacherinnen die Gruppenphase an den Olympischen Jugend-Sommerspielen in Buenos Aires.

Mara Betschart (vorne) und Céline Baumann, hier an der U-19-WM im Juli, glänzen heuer auch international.

Mara Betschart (vorne) und Céline Baumann, hier an der U-19-WM im Juli, glänzen heuer auch international. Bild: PD

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Es ist leer geworden in der Beach-Town­ neben dem Freibad Schluef­weg in Kloten. Die Sonne färbt sich früh am Abend schon rötlich; auf dem Sand liegen verein­zelt Blätter, die der erste Herbststurm von den nahen Bäumen her geweht hat. Einzig auf dem vordersten Spielfeld, gleich am Eingangstor, ist noch ein Netz ge­spannt – über das wuchtig geschlagene oder punktgenau platzierte Beachvolleybälle fliegen. Mara Betschart und Céline Baumann feilen zum Abschluss ihrer abendlichen Trainingseinheit an ihren Aufschlägen. Kurt Brunner, ihr Klotener Trainer, gibt den beiden Steinhauserinnen von ZuZu-Beach­, der Beachvolleyball-Sektion des VBC Züri Unterland, am Ende genaue Rückmeldungen, in Form von ausführ­lichen Worten und lebhaften Arm­bewegungen, mit denen er die Technik demonstriert.Von den anderen Spielerinnen aus Brunners Elite-Trainingsgruppe, mit denen Betschart/Baumann während der Sommermonate trainiert hatten, ist keine zu sehen. Während das derzeit er­folg­reichste Nachwuchsduo des Vereins sich auf die Olympischen Sommerspiele der Jugend im fernen Buenos Aires vorbereitet, haben­ die meisten ihrer Sand-Kolleginnen bereits die Vorbereitung auf die Hallen-Volleyball­sai­son aufgenommen. «Wir hätten trotzdem Sparringpartnerinnen organisieren können», erklärt Brun­ner, «haben es aber bewusst vorgezogen, nach den Schweizer Elite-Meisterschaften Anfang Sep­tem­ber in Bern zuerst eine kleine Pause, danach eine kurze Phase für den physischen Aufbau einzuplanen und zum Schluss noch einmal gezielt an den technischen Elementen zu arbeiten.» In der fünfwöchigen Wettkampfpause zwischen Bern und Buenos Aires sieht der Erfolgscoach kein Problem, ebenso wenig wie in den fehlenden Gegenübern für Trainingspartien. Schliesslich reisen die beiden ZuZu-Beacherinnen gemeinsam mit den anderen 37 jungen Schweizer Sportlerinnen und Sportlern frühzeitig nach Buenos Aires und werden vor Ort genügend Gelegenheiten bekommen, um mit den Beachvolleyball-Duos aus anderen Nationen zu trainieren.

Erlebnis und Erfolgschance

Während des Gesprächs nach einem der letzten Trainings vor dem Abflug nach Argentinien steht Céline Baumann und Mara Betschart die Vorfreude ins Gesicht geschrieben. Baumann, die zwei Tage nach dem Ende der Olympischen Jugend-Sommerspiele ihren 18. Geburtstag feiert, strahlt bis über beide Ohren, noch bevor sie die erste Frage gestellt bekommt. «Ich freue mich mega fest, es ist eine einmalige Chance, die wir wahrnehmen dürfen.» Ihre zwei Monate ältere Mitspielerin nimmt den verbalen Pass auf: «Diese Spiele werden ein Erlebnis, an das wir uns ein Leben­ lang erinnern werden.» Zwar sind internationale Turniere nach ihren erfolgreichen Teilnahmen an je einer Nachwuchs-Welt- und -Europameisterschaft heuer in Russland und im fernen China kein Neuland mehr für das Duo. «Aber in Buenos Aires wird alles noch professioneller sein, nur schon der Staff mit einer Dele­gationsleitung, Ärzten und Physiotherapeuten», führt Mara Betschart aus, «und wir gehören einem grossen Schweizer Team an, tragen Kleider mit dem Swiss-Olympic-Logo.» Lachend fügt sie an: «Da fühlt man sich schon ein bisschen mehr wie ein Star.»

Zur Freude auf die Zeit im Areal der Spiele, in dem die Athleten aller Sparten und Nationen wie in einem olympischen Dorf gemeinsam untergebracht sind, kommen die blendenden sport­lichen Aussichten. Denn die Jugend-Som­merspiele, die im olympischen Rhythmus alle vier Jahre zur Austragung kommen, stehen für unter 19-jährige Athletinnen offen. Und «wir haben das Glück, zum ältesten noch zugelassenen Jahrgang zu gehören», erklärt Betschart, «das ist sicher ein Vorteil.» Was am Ende dabei resultieren könnte, haben sie heuer an der Weltmeisterschaft der exakt gleichen Altersstufe ­gezeigt: Im Juli beendeten sie die U-19-WM­ im chinesischen Nanjing auf Rang 5. Da in Buenos Aires­ mehr oder weniger dieselben Teams im Sand stehen werden, erscheint eine Medaille in Griff­weite. Céline Baumann hält dennoch den Ball flach. «Ich bin kein Fan davon zu sagen, dass mein Ziel ein Podestplatz ist», meint die Blockspielerin, «wir müs­sen dort einfach unsere Leistung abrufen und das zeigen, was wir trainiert haben, so spielen, dass wir am Ende mit uns zufrieden sein können. Dann kommt es gut.» Mara Betschart lässt sich etwas­ mehr entlocken. «Wir haben an allen drei internationalen Turnieren in dieser Saison die Viertelfinals erreicht, also muss unser Ziel sein, mindestens das wieder zu schaffen.»

Coaching aus der Ferne

Mit ihrem Abschneiden im bisherigen Saisonverlauf sind ­Céline Bau­mann und ­Mara Bet­schart denn auch zu Recht zufrieden. Neben den Erfolgen auf inter­natio­nalem Sand gewannen sie an den Schweizer Nachwuchs-Meisterschaften zum dritten Mal in Serie eine Goldmedaille, als unter 19-Jährige in der U-21-Kategorie. Ihr Coach Kurt Brunner lobt besonders die Art und Weise, wie der Titelgewinn zustande kam. «Sie haben ein modernes, athletisches Beachvolleyball gespielt, mit dem sie auf internationaler Ebene langfristig weiterkommen», erklärt er, «es war aber mit hohem Risiko verbunden, damit an der Schweizer Meisterschaft gegen ältere Gegnerinnen, die mehr auf Sicherheit spielen, zu verlieren. Dass sie ihr Spiel trotzdem voll durchgezogen und gewonnen haben, hat mich doppelt gefreut.»

Weil Brunner nicht wie von den Swiss-Olympic-Verantwortlichen gefordert, drei Wochen in Buenos Aires mit von der Partie sein kann, wird er die jungen Spielerinnen nur aus der Ferne unterstützen, mit taktischen Vor- und Nachbesprechungen der einzelnen Partien. Nach ihrer Rückkehr aus Argentinien wird der Klotener dann wieder direkt mit ihnen arbeiten. Denn Baumann und Betschart werden erstmals auf die kommende Hallenvolleyball-Saison verzichten, um unter Brunners Ägide gezielt ihre Athletik weiter zu verbessern und in einer Beachvolleyball-Halle durchgehend am Ball zu trainieren. «Um langfristig vorwärtszukommen, ist das der notwendige nächste Schritt», erklärt Brunner. Schliesslich haben sie noch einiges vor, hegen sie doch beide den Traum, als Nationalspielerinnen dereinst einmal auf der World Tour erfolgreich im Sand zu stehen. Ein Erfolg in Buenos Aires könnte die Vorfreude dar­auf weiter steigern.

Erstellt: 04.10.2018, 21:55 Uhr

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