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Wenn nur die Schokolade fehlt

Der Dielsdorfer Langstreckentriathlet Jan van Berkel fühlt sich vor dem Half-Ironman in Rapperswil vom kommenden Sonntag ausgezeichnet in Form. Das hat auch damit zu tun, dass seit diesem Jahr immer Käse und Speck in seinem Kühlschrank liegen.

Die Berge sind für Jan van Berkel Herausforderung und Kraftquelle zugleich. In den vergangenen Wochen hat er im Velosattel sieben Schweizer Pässe überquert und fühlt sich für das 70.3-Rennen in Rapperswil parat.
Die Berge sind für Jan van Berkel Herausforderung und Kraftquelle zugleich. In den vergangenen Wochen hat er im Velosattel sieben Schweizer Pässe überquert und fühlt sich für das 70.3-Rennen in Rapperswil parat.
F. Zuan

Wenn Jan van Berkel am frühen Sonntagmorgen in den rund 22 Grad warmen Obersee springt, dann nicht, weil es in Rapperswil viel zu holen gäbe – zumindest was die Punkte anbelangt, die der Dielsdorfer zur Qualifikation für den Ironman auf Hawaii noch braucht. «Die 500, die der Sieger in Rappi bekommt, reichen ge­rade mal zum Aufrunden», sagt Van Berkel und präsentiert eine einfache Rechnung: «Um am Saisonfinal dabei zu sein, muss ich Ende Juli am Ironman Zürich auf dem Podest stehen.» Dass der 31-Jährige in Rapperswil dennoch an den Start geht, hat also einen anderen Grund als die Punktejagd.

Jan van Berkel will sich den Auftritt vor Heimpublikum nicht entgehen lassen. «Nur in Rappi und Zürich kann ich mich meiner Familien, Freunden und Sponsoren präsentieren», sagt er. Zudem trifft er mit Ronnie Schildknecht, dem Walliseller Sven Riederer, Ruedi Wild und Manuel Küng auf hochkarätige Schweizer Konkurrenz. Wer gegen diese Athleten besteht, muss den internationalen Vergleich nicht scheuen. Der Gradmesser kommt für Van Berkel zum richtigen Zeitpunkt. Er fühlt sich ausgezeichnet in Form, nun sucht er die Bestätigung.

Durchhänger nach Südafrika

Jan van Berkel ist im April aus­gezeichnet in seine fünfte Langstreckensaison gestartet, an den offenen afrikanischen Ironman-Meisterschaften in Port Elizabeth in einem stark besetzten Feld Fünfter geworden. Es folgte ein eher enttäuschender 6. Rang am Ironman 70.3 im franzö­sischen Pays d’Aix. «Nicht schlecht», bemerkt Van Berkel. «Vor zwei Jahren wäre ich damit zufrieden gewesen. Jetzt aber will ich ganz an der Spitze mitmischen.» Rückblickend ist er überzeugt, dass es dieses Resultat ­gebraucht hat, um ihn nach Südafrika und der folgenden mentalen und körperlichen Erschöpfung von Neuem anzutreiben. Nach dem Ironman in Port Elizabeth habe der Kopf in jedem Training gesagt: «Läck, isch das sträng.» Damit war es nach Pays d’Aix Mitte Mai vorbei. Van Berkel suchte in den Schweizer Bergen die Herausforderung, fuhr mit dem Velo über sieben Schweizer Pässe, dar­unter den Gotthard, Oberalp- und Furkapass und überquerte die Vorder Höhi in Amden, den Voralpenübergang mit dem belang­losen Namen und dem attrak­tiven Anstieg. «Es war unglaublich belebend. Ich bin sieben Stunden im Sattel gesessen und trotzdem mit einem breiten Lachen vom Velo gestiegen», ­erzählt Van Berkel, fasziniert von der kargen Schönheit der Landschaft. Sein Schwimm- und Lauftraining absolvierte er mit Trainingskollegen, dar­unter auch Sven Riederer, im Flachland. Der Greifensee wurde dabei nicht nur einmal überquert, und im Gebiet zwischen Regensdorf und Baden kennt Van Berkel mittlerweile jeden Zentimeter Boden. «Wir sind die Lägern hindersi und fürsi gelaufen», bemerkt er lachend. Es waren gute Trainingswochen für Van Berkel. Dementsprechend zufrieden äussert er sich: «Ich kann jetzt am Morgen aufstehen und nur mit einem Kaffee im Magen fünf Stunden Velo fahren.» Und das ist auch der Verdienst seines neuen Trainers Dan Plews.

Brot und Pasta verbannt

Seit anfangs dieses Jahres arbeitet Van Berkel, der sich seit ­seinem Wechsel von der klassischen auf die Langdistanz 2012 selbst gecoacht hat, mit dem ­36-jährigen Neuseeländer zusammen. «Dan ist mir aufge­fallen, weil er erfolgreich die neusee­ländischen Ruderer ­gecoacht hat.» Als Ernährungswissenschaftler spricht Plews die Sprache Van Berkels. «Ich will Fakten sehen, Wissen vermittelt bekom­men, nicht Glauben», erklärt der studierte Jurist. Der Austausch mit Plews erfolgt auf einer virtuellen Trainingsplattform. Van Berkel lädt seine Trainingsdaten hoch; Plews ­analysiert sie und steuert so Van Berkels Training.

Schnell hat Plews erkannt, dass der Fettstoffwechsel des Dielsdorfers verbesserungs­­würdig ist und hat seine Ernährung grundlegend umgestellt. Van Berkel hält sich neu an eine ketogene Diät, die kohlen­hydrat­limitiert, dafür aber sehr fett- und proteinreich ist. Seine Kohlen­hydratzufuhr hat Van Berkel von einem 70-Prozent-Anteil am täglichen Nahrungs­bedarf auf 5 Prozent hinuntergeschraubt. Dafür beträgt die Fettzufuhr jetzt 80 Prozent, 10 bis 15 Prozent sind Proteine. Süss­getränke, Brot, Pasta, Reis hat Van Berkel aus seiner Küche verbannt, dafür liegt jetzt jede ­­Menge Avocado, Käse, Speck und Kokosmilch in seinem Kühlschrank in Dielsdorf. «Ich esse vielseitiger und variations­reicher», findet Van Berkel und schmunzelt. «Am Morgen ein feines Stück Appenzeller mit Speck auf dem Teller zu haben, ist nicht schlecht.» Er vermisse nichts, sagt er, mit einer zart schmel­zenden Ausnahme: «Ab und an würde ich gerne mehr Schoko­lade essen.» Die Trainings­erfolge aber machen ihm das Verzichten leichter. Seit seiner Ernährungsumstellung kann Van Berkel merklich länger als früher ohne externe Nahrungszufuhr auskommen – für einen Athleten, der gut achtstündige Wett­kämpfe bestreitet, ein Plus von grundlegender Bedeutung.

Vor dem Rennen in Rapperswil setzt Jan van Berkel übrigens auf mehr als eine Tasse Kaffee. Und so werden am Sonntag frühmorgens ein paar Protein-Pancakes in der Pfanne brutzeln.

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