Embrach

Wettkampfpause als Handicap

Der sehbehinderte Sprinter Philipp Handler scheitert an der WM in Dubai über 100 m bereits im Vorlauf.

Der Embracher Sprinter Philipp Handler (Mitte, mit der Nummer 7) schied an der Para-WM in Dubai als Vierter des 100-m-Vorlaufs vorzeitig aus.

Der Embracher Sprinter Philipp Handler (Mitte, mit der Nummer 7) schied an der Para-WM in Dubai als Vierter des 100-m-Vorlaufs vorzeitig aus. Bild: Swissparalympic

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Enttäuscht und gefrustet sei er, sagte der – wie an den Paralympics 2016 in Rio – neuntklassierte Philipp Handler aus Embrach eine Stunde nach der verpassten Qualifikation für den 100-m-WM-Final in Dubai. Acht schafften den Einzug, 13 Hundertstel fehlten dem WM-Vierten von 2015. «Mir war im Vorfeld klar, dass ich an die persönliche Bestleistung heranlaufen muss, um eine Finalchance zu haben. Was ich mir zugetraut habe», erklärte der 28-jährige Zürcher Unterländer. 11,17 Sekunden lief er Mitte Saison, zu 11,28 reichte es am Persischen Golf. «Die Zeit ist weder gut noch schlecht», fügte er an. Also Schulnote 4,5. Eine 5,0 hätte es indes sein sollen.

«Ich muss lockerer werden. Im Training war ich auch vor Dubai schnell, doch im Wettkampf fand ich den Rhythmus nie, blieb verkrampft.»Der Embracher Sprinter Philipp Handler, nachdem er an der Para-WM in Dubai als Vierter des 100-m-Vorlaufs vorzeitig ausgeschieden ist.

Das frühe Out kommt nicht völlig überraschend, nachdem Philipp Handler wegen des späten WM-Termins eine zweieinhalbmonatige Pause hat einschieben müssen. «Es gab um diese Jahreszeit keine Rennen mehr, doch dies war für alle Starter gleich», suchte er nicht nach Ausreden. Allerdings bringt Athlet X nicht die gleichen körperlichen und mentalen Voraussetzungen mit wie Rivale Y. Der schnellste sehbehinderte Schweizer braucht aus Erfahrung nicht zuletzt wegen des Starts viele Wettkämpfe, um das Selbstvertrauen und die Sicherheit aufbauen zu können.

Potenzial für Finalteilnahme

Im Frühling kam er langsam auf Touren, wurde anschliessend von Rennen zu Rennen schneller, und die Automatismen begannen sich auf den ersten Metern einzuspielen. «Für mich kam die WM zum falschen Zeitpunkt. Trotzdem», meinte der Micarna-Teamkollege von Triathletin Nicola Spirig, Turner Pablo Brägger oder Radprofi Stefan Küng, «ich muss lockerer werden. Im Training war ich auch vor Dubai schnell, doch im Wettkampf fand ich den Rhythmus nie, blieb verkrampft.» Das nerve, weil er vom Potenzial unter die Besten laufen könnte. Allerdings gibt es kaum eine andere Para-Leichtathletik-Kategorie, in der so oft neue Leute an der Spitze auftauchen. Der Grund ist für den ehemaligen Embracher Fussballjunior naheliegend: «Ein gelernter Sprinter kann auch schnell sein, wenn er weniger sieht. Er muss sich nicht zuerst an eine Prothese oder an einen Rollstuhl gewöhnen.» An der WM mischten drei «Neue» vorne mit.

200 m nicht im Programm

Zehn Monate vor den Paralympics in Tokio steht für Philipp Handler fest: Er bleibt beim LC Zürich und trainiert weiterhin unter Leitung von Andreas Baumann. «Ich bin zuversichtlich, dass ich mich in den kommenden Wochen und Monaten zu steigern vermag. 2018 war ein schlechtes Jahr, 2019 ging es wieder aufwärts, und insgesamt verlief die Saison nicht schlecht. Ich bleibe trotz der verpatzten WM zuversichtlich.» Einen 200-m-Start gab es für den EM-Dritten nicht, weil diese Distanz nicht im WM-Programm figurierte.

Erstellt: 14.11.2019, 20:02 Uhr

Paid Post

Die Erfolgsgeschichte hinter den bunten Recycling-Säcken

Recycling-Abos gehören in Trendzeiten der Nachhaltigkeit und sozialen Bewusstseins für viele Schweizerinnen und Schweizer zum Alltag. Wer steckt dahinter?

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben