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«Wir haben noch Luft nach oben»

Die Klotenerin Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré starten heute zur EM im lettischen Jurmala. In ihrer ersten gemeinsamen Saison stehen sie besser da, als sie selbst erwartet hatten.

Joana Heidrich, hier während der WM in Wien, peilt an der EM in Lettland die Viertelfinals an.
Joana Heidrich, hier während der WM in Wien, peilt an der EM in Lettland die Viertelfinals an.
Keystone

In der eigens für diese Europameisterschaften erstellten Beachvolleyball-Arena von Jurmala betreten Joana Heidrich und und ihre Berner Mitspielerin Anouk Vergé-Dépré heute Mittwoch, wenn sie um 14.10 Uhr Ortszeit zum ersten Vorrunden-Gruppenspiel antreten, in mehrerer Hinsicht Neuland. Der Austragungsort, Lettlands beliebtestes Ostseebad nahe der Hauptstadt Riga, zählt nicht zu den Fixpunkten auf der Beachvolleyball-Landkarte. Joana Heidrich, die ihre bereits fünfte komplette Saison auf der World-Tour absolviert, kann sich nicht daran erinnern, jemals ein Turnier im Baltikum bestritten zu haben.

Gegen ihre russischen Auftaktgegnerinnen Yulia Abkalina / Ksenia Dabizha tritt die 25-jährige Klotenerin genauso zum ersten Mal an wie gegen die Norwegerinnen Victoria Kjølberg / Ane Guro Hjortland, auf die sie und Anouk Vergé-Dépré im zweiten Gruppenspiel tags darauf treffen werden.Einzig die dritten und letzten Widersacherinnen in der Gruppe C, Jolien Sinnema / Joy Stubbe aus den Niederlanden, sind Joana Heidrich bekannt. «Das ist ein junges Team, das sehr gut spielen kann», erklärt Heidrich, «bei ihnen weiss man nie, was kommt. Umso mehr müssen wir zu 100 Prozent parat sein und unsere Leistung bringen.» Das gelte auch gegen die tiefer eingestuften Norwegerinnen und Russinnen. Um das erste Etappenziel, den Gruppensieg, zu erreichen, dürfen sich die Schweizerinnen keine Blösse geben.

Dass gerade einmal zehn Tage zwischen dem Final der WM in Wien und dem Start der EM in Jurmala liegen, ist für Joana Heidrich «schon speziell, normalerweise wird die EM viel früher in der Saison gespielt». Einen besonderen Nachteil macht sie in der engen zeitlichen Abfolge indes nicht aus: «Wir konnten dazwischen eine Woche lang in Ruhe trainieren, und vor allem geht es den anderen Teams ja genau gleich.»

Starke Konkurrenz

Eine Medaille als Ziel für die kontinentalen Titelkämpfe anzugeben, in die sie und Anouk Vergé-Dépré als Nummer 3 der Setzliste gehen, so weit möchte Joana Heidrich dennoch nicht gehen. «Wir wollen so weit wie möglich, mindestens aber in den Viertelfinal kommen – alles Weitere wäre umso schöner.» Das mag fürmanch Aussenstehende zwar nach taktischer Zurückhaltung tönen, hat jedoch gute Gründe. So verweist die Klotenerin zum einen darauf, dass die EM auch ohne die starken Brasilianerinnen, Kanadierinnen und US-Amerikanerinnen hochkarätig besetzt ist.

Allen voran die deutschen Olympiasiegerinnen von Rio de Janeiro 2016 und frischgebackenen Weltmeisterinnen, Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, die top gesetzten Gstaad-Siegerinnen Chantal Laboureur / Julia Sude (De) oder die Tschechinnen Hermannova/Slukova stellen eine starke Konkurrenz.

Zum andern gibt die Klotenerin zu bedenken: «Es ist unsere erste gemeinsame EM, wir spielen noch kein ganzes Jahr zusammen – da wäre es doch vermessen, vom Finaleinzug als Ziel zu reden.» In der Tat könnte angesichts ihrer bisherigen Erfolge beinahe vergessen gehen, dass Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré in dieser Spielzeit erstmals zusammenspannen. Zum an sich schon langwierigen Prozess, den ein neu formiertes Duo benötigt, bis die Abstimmung – auch und gerade auf Weltklasseniveau – funktioniert, kam bei ihnen erschwerend dazu, dass Vergé-Dépré auf die Verteidigungsposition umlernen musste.

Die Weltnummer 7

«Wenn uns am Anfang der Saison jemand angeboten hätte, dass wir Anfang August schon dort stehen, wo wir jetzt sind, hätten wir das sofort unterschrieben», sagt Joana Heidrich denn auch. «Ich habe gewusst, dass wir ein grosses Potenzial haben, aber dass wir so bald schon so weit vorne mitspielen würden, hätte ich nicht erwartet.» Einzig in den ersten beiden World-Tour-Turnieren der Saison bekundete das Duo mit zweimal Rang 17 Anpassungsschwierigkeiten. Doch schon an der dritten Station, dem Dreisternturnier von Den Haag, sorgten Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré mit ihrem Finaleinzug für Furore. Mit dem 4. Platz am Fünfstern-Heimturnier von Gstaad und zwei Viertelfinal-Qualifikationen gelang ihnen die Bestätigung gleich mehrfach. Der 7. Platz in der aktuellen Weltrangliste und die vorzeitige Qualifikation für das World-Tour-Finalturnier von Hamburg in der kommenden Woche spiegeln die überraschende Erfolgsbilanz.

Kein Geheimrezept

Dabei stellt Joana Heidrich klar: «Wir haben noch Luft nach oben, in unserem Spiel stimmt noch immer ganz vieles nicht, und wir stehen noch lange nicht dort, wo wir hinwollen.»Vor allem das World-Tour-Turnier in Den Haag, wo sie nacheinander die aktuellen brasilianischen Weltranglisten-Leaderinnen Larissa/Talita, die Olympiasiegerinnen Laura Ludwig / Kira Walkenhorst und die damalige Weltnummer 1, Agatha/Duda aus Brasilien, schlugen, habe ihnen jedoch «sehr viel Selbstvertrauen gegeben, weil wir gesehen haben, dass wir auf diesem Level mithalten können».

Ein Geheimnis verberge sich hinter dem unerwartet schnellen Erfolg indes nicht. «Wir haben lange gut und konsequent trainiert und an sehr vielen technischen und taktischen Details gefeilt», schildert Heidrich, «vor Den Haag haben wir uns aber vorgenommen, einfach zu spielen, Punkt für Punkt dranzubleiben und zu kämpfen.» Dazu kam, dass sie den ursprünglichen Plan, die Seiten zu wechseln, verworfen haben. Die Klotenerin verrät: «Seit dem A1-Turnier von Zürich spielt Anouk links und ich rechts – uns beiden kommen die Bewegungen so viel natürlicher vor, sodass unser Spiel gut funktionieren kann.» Ob es auch am unbekannten lettischen Ostseesandstrand so gut funktioniert, dass das neu formierte Duo einen weiteren Exploit schafft?

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