Oberglatt

«Wir sind Menschen, keine Maschinen»

Die Oberglatterin Silvana Tirinzoni reflektiert als Skip des Schweizer Bronzeteams die EM im schwedischen Helsingborg und wagt einen Blick voraus.

Volle Konzentration: Skip Silvana Tirinzoni blickt nach dem Gewinn der EM-Bronzemedaille schon wieder nach vorne, auf die Mission WM-Titelverteidigung

Volle Konzentration: Skip Silvana Tirinzoni blickt nach dem Gewinn der EM-Bronzemedaille schon wieder nach vorne, auf die Mission WM-Titelverteidigung Bild: Reuters

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Silvana Tirinzoni, wie sehr hallt die EM von letzter Woche mit dem Bronzemedaillengewinn für Ihr Team in Ihnen nach?
Silvana Tirinzoni: Zuerst bleibt ein solches Turnier noch sehr präsent. Wir brauchen einige Tage, bis wir das Ganze realisiert und eingeordnet haben: die überzeugende Vorrunde als Round-Robin-Siegerteam, die Halbfinalniederlage, der Sieg im Bronzespiel. Eine solche EM-Woche ist enorm intensiv und mit den verschiedensten Emotionen verbunden. Und immer wieder zu reden geben wird in diesem Fall ein Fauxpas.

Wovon reden Sie?
Einmal sind wir im Stau stecken geblieben und dadurch zu spät zum Spiel gekommen. Hätte der Schiedsrichter kein Auge zugedrückt, hätten wir eine Forfait-Niederlage hinnehmen müssen.

Und was bleibt vom Sportlichen her?
Wir sind aktuelle Weltmeisterinnen, haben letztes Jahr an der EM den 2. Platz belegt. Und doch sage ich: Diese Bronzemedaille freut uns enorm.

Ist das nicht etwas schöngeredet?
Nein. Für uns ist es so. Demgegenüber steht die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit. Aber, Gold abzuholen, ist nicht so einfach, passiert nicht jeden Tag. Und der Bronzegewinn ist wichtig. Er steht in krassem Kontrast zum 4. Platz. Wir haben etwas gewonnen, haben das Turnier mit einem Sieg beendet.

Was würden Sie zurückwünschen, wenn Sie das könnten?
2 bis 3 Steine vom Halbfinal (2:3-Niederlage gegen Schottland), die nicht perfekt gespielt waren – von insgesamt 80. Jene Niederlage ist sehr schmerzhaft gewesen, und unsere spielerischen Fehler haben sich gerächt. Aber wir sind Menschen, keine Maschinen. Perfektion ist eine Illusion.

Wie haben Sie und Ihr Team diese Halbfinalniederlage verarbeitet?
Das war in der Tat schwierig. Wir sind nach dem Halbfinal in der Garderobe gesessen und haben versucht, zu verarbeiten. Jede für sich. Jede braucht in solchen Augenblicken etwas anderes. Jede hat die eigene Strategie. Und sowieso unterscheiden sich die Zeitpunkte möglicher Inputs. Gegenseitig konnten wir einander nicht trösten. Jede musste das für sich selber übernehmen.

Was aber für alle galt: Die Zeit war kurz bemessen.
Ja, sehr kurz. Es musste schnell gehen. Die Partie um Bronze ist ja angestanden. Nach 30 Minuten durfte der Blick nur noch vorwärts gerichtet sein, auf das Essen, das Aufwärmen, die Fokussierung aufs folgende Spiel. Ab diesem Zeitpunkt hatte das Selbstmitleid keinen Platz mehr. Die Regel ist eine solch kurze Pause zwischen Halbfinal und Bronzespiel nicht. Aber bei uns war sofort eine Erinnerung präsent. An der Heim-EM in St. Gallen 2017 sind wir vor der identischen Situation gestanden. Und dort haben wir den Kampf um die letzte Medaille verloren. Das war wirklich schlimm gewesen.

Was braucht es, damit Sie an der WM gegen Ende dieser Saison in Schottland wieder ganz oben stehen können?
Wenn wir so weiterarbeiten, sehe ich intakte Chancen, um Ende März / Anfang April 2020 in Glasgow wieder um die Medaillen zu spielen. Und wir nehmen uns vor: noch etwas konstanter zu spielen.

Wie geht es vorerst weiter?
Wir gönnen uns zwei Wochen Pause, sprich Training ohne Turniere. Noch vor Weihnachten bestreiten wir ein Grand-Slam-Turnier in Kanada. Im Januar beginnt nach einer weiteren Erholungswoche die unmittelbare WM-Vorbereitung.

Erstellt: 26.11.2019, 17:14 Uhr

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