Ironman

Zwei Freunde, ein Ziel

Am Ironman Switzerland stehen am Sonntag in Zürich auch zwei Unterländer am Start – Routinier Jan van Berkel bereits zum siebten Mal, für Sven Riederer wird es eine Premiere sein.

Jan van Berkel (rechts) und Sven Riederer starten am Sonntag am Ironman-Triathlon.

Jan van Berkel (rechts) und Sven Riederer starten am Sonntag am Ironman-Triathlon.

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Mein Ironman-Motto ist...
van Berkel: «Vergiss nicht, dass der Start an einem Ironman ein Privileg ist. Geniess es, denn es gibt weit mehr Geburtstage in deinem Leben, als Tage, an denen du am Start eines Ironman stehen wirst.»
Riederer:...kein wirkliches Motto, aber für mich sehr wichtig: Ich verstehe Triathlon nicht nur als eine Sportart, sondern als einen Lebenstil.

Mein Menu am Abend vor dem Wettkampf ist...
van Berkel: Süsskartoffeln mit Poulet.
Riederer: Pasta.

Die Nacht vor dem Wettkampf ist...
van Berkel:...kurz. Ich schlafe nicht ganz so ruhig wie sonst, habe aber über die Jahre hinweg gelernt, mich zu entspannen. Albträume habe ich nie, dafür schlafe ich vor dem Wettkampf wahrscheinlich nicht tief genug.
Riederer: Und ich schlafe meist nicht gut wegen der Anspannung.

Mein Favorit punkto Ernährung auf der Strecke ist...
van Berkel: Red Bull. Zucker wirkt immer, Koffein auch. Die Müdigkeit ist in einem Ironman umfassend, sie schleicht bei einem Ironman nicht nur in Beine und Arme, sondern auch in den Kopf.
Riederer:...nichts Spezifisches. Wichtig ist eine gute und regelmässige Verpflegung. Auf der Langdistanz ist die Ernährung die vierte Disziplin.

Im Kopf ist...
van Berkel:...im Idealfall nur der Gedanke, der mich ins Ziel führt, ohne dass es sich anfühlt, dass überhaupt etwas im Kopf ist. Das nenne ich den kontrollierten Flow.
Riederer:...ein Up and Down. Acht Stunden volle Konzentration geht nicht, da schweifen die Gedanken schon mal ab. Die grosse Kunst dabei ist, positiv zu bleiben. Die mentale Komponente ist auf der Langdistanz weitaus wichtiger als auf der klassischen. Ich versuche den Ironman zu fragmentieren, das heisst in Etappen und gar nie als Ganzes zu denken.

Die Hitze ist...
van Berkel:...etwas, das ich nicht beeinflussen, worauf ich aber gut reagieren kann. Das hat mir unlängst das Rennen in Texas gezeigt, wo ich bei Temperaturen um die 30 Grad erstmals einen Ironman unter acht Stunden absolviert habe. Kurz gesagt: Ich habe in der Unterländer Hitze trainiert, damit bin auf ein heisses Rennen in Zürich bestmöglich vorbereitet.
Riederer:...nicht angenehm. Ich bin kein Hitzeathlet, habe es gerne etwas kühler. In den vergangenen Wochen aber habe ich viel im Kanton Zürich trainiert und zwar bei hohen Temperaturen. Das wird mir im Rennen sicher helfen.

Der Schmerz ist...
van Berkel: Teil des Ironman. Er verhilft den Athleten zu gegenseitigem Respekt. Jeder weiss um die Schmerzen des Anderen.
Riederer:...in der Art wie er dich im Ironman trifft, neu für mich. Es ist ein muskulärer Schmerz, der dann auftaucht, wenn ich physisch an meine Grenzen stosse. Mein Körper ist noch dabei zu lernen, mit diesem Schmerz umzugehen. Über die kürzere olympische Distanz ist vor allem Geschwindigkeit gefragt, im Ironman über die insgesamt 180 Kilometer Kraftausdauer, die bisher nicht meine grosse Stärke war. Hier bekomme ich als Neuling meine Limiten immer mal wieder aufgezeigt.

Die mentale Knacknuss am Ironman Switzerland ist...
van Berkel:...die Vorbereitungsphase, in der ich darauf achten muss, dass der Heimvorteil mich am Ende auch beflügelt und nicht lähmt. Es ist schön, jeden Abend im eigenen Bett legen, statt in einem Hotelzimmer fernab von zu Hause, Familie und Freunde um sich zu haben. Gleichzeitig braucht es mehr Kraft als anderswo mich abzugrenzen und den Fokus auf das Rennen zu behalten.
Riederer:... für mich der abschliessende Marathon. Schwimmen ist kein Problem, auf dem Velo werde ich auch durchkommen. Erst die Laufstrecke wird zeigen, ob ich den ganzen Ironman schon drauf habe, oder ob noch etwas fehlt.

Mein grösster Fan am Strassenrand ist...
van Berkel:...meine Grossmutter. Sie wohnt in Kilchberg. Seit ich als Schuljunge erstmals in Zürich am Ironkids gestartet bin, ist sie in jedem meiner Rennen am Heartbreak Hill gestanden, um mich anzufeuern. Früher ist sie noch selbst hingelaufen, jetzt wird sie von meinem Onkel im Rollstuhl hingeschoben. Das wird auch heuer wieder so sein.
Riederer:...meine Eltern und mein Bruder. Sie freuen sich darauf, mich zusagen vor ihrer Haustüre starten zu sehen. Alle drei wohnen in der Stadt und sind ab und zu auch in der Badi am Mythenquai anzutreffen, wo am Sonntagmorgen der Schwimmstart stattfindet. Meine beiden Söhne und meine Frau werden hingegen nicht vor Ort sein, sie sind gerade in den Ferien in Kroatien.

Das Saisonfinale auf Hawaii ist...
van Berkel:...für mich mit Rang 6 oder besser gebucht.
Riederer:... für mich ein Thema, ziemlich sicher aber erst im nächsten Jahr. Nur ein Sieg in Zürich würde mir schon heuer das Ticket für Hawaii bringen.

Sven Riederer / Jan van Berkel ist...
van Berkel:...ein guter Freund, der nur gerade vom Startschuss bis zum Zielband zum Konkurrenten wird. Das schätze ich sehr. Und einer der wie ich am 27. März Geburtstag feiert. Ich traue Sven in Zürich alles zu. Wer ihn unterschätzt macht einen grossen Fehler. Er ist übrigens, egal wie wir beide beim Ironman abschneiden, an meinem Polterabend dabei.
Riederer:...ein sehr guter Freund. Wir haben viel zusammen erlebt, schon früher, auf der olympischen Distanz. Ich würde ihm einen Sieg in Zürich genauso sehr gönnen wie mir selbst.

Das schönste im Ziel wird sein...
van Berkel:...auf der Landiwiese anzukommen. Das Wissen es geschafft und sich der Herausforderung gestellt zu haben, macht einen Ironman glücklich, ganz unabhängig vom Resultat.
Riederer:...mit einer guten Zeit anzukommen und mich hinzusetzen.

Erstellt: 27.07.2018, 14:47 Uhr

Riederer und van Berkel

Der 32-jährige Jan van Berkel ist als Langstrecken-Triathlet inzwischen das, was man einen alten Hasen nennt, gewieft und erfahren auf den 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen. Zwar kann ein Ironman auch für einen Routinier nie reine Routine werden – zu gross sind die Unwägbarkeiten dieses gut acht Stunden dauernden Wettkampfs – doch Van Berkel hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert und befindet sich gerade in der besten Saison seiner Karriere. In seinem Heimrennen gehört der Dielsdorfer heuer zum engsten Favoritenkreis, auch der Sieg ist ihm zuzutrauen.

Es wäre nach zwei zweiten und zwei dritten Plätzen sein erster in Zürich. «Falls ich am Ende nicht zuoberst auf dem Treppchen stehe, wird sicher ein bisschen Enttäuschung dabei sein», gibt er offen zu. Zu was er fähig ist, hat Van Berkel Ende April in Texas bewiesen, als er nicht nur die Achtstunden-Marke geknackt, sondern auch noch die schnellste Schweizer Zeit über die Ironman-Distanz aufgestellt hat. «Es war der perfekte Tag. In Zürich will ich daran anknüpfen», sagt er.

Apropos perfekter Tag: Im August heiratet Van Berkel seine langjährige Freundin, die ehemalige Eiskunstläuferin Sarah Meier. Und das soll dann im November mit einem Fest in den Bergen gebührend gefeiert werden. Das Preisgeld für den Sieger über 3000 US-Dollar könnte Van Berkel also gut gebrauchen. «Eine Bratwurst pro Person hätten wir mit dem Geld aus Zürich schon mal finanziert», meint er scherzend dazu. Mit dem Siegen aber ist es ihm ernst.

Riederer ist wieder fit

Wäre Jan van Berkels Sieg am diesjährigen Ironman Switzerland sowas wie der logische einstweilige Höhepunkt seiner Karriere, so käme sein Erfolg überraschend: Sven Riederer aus Wallisellen, erstmals überhaupt am Ironman Switzerland dabei und noch Neuling auf der Langdistanz. Der 37-jährige Triathlon-Altmeister, bestückt mit olympischer Bronze von 2004 aus Athen, wechselte erst vor knapp einem Jahr von der klassischen olympischen auf die Ironman-Distanz und nimmt in Zürich erst seinen dritten Ironman in Angriff. Sein zweiter Start liegt noch nicht lange zurück: An der Challenge im deutschen Roth musste Riederer anfangs Juli seine Podestpläne, die er selbst im Vorfeld als verwegen bezeichnet hatte, schnell begraben. Bereits auf der Velostrecke entschied er sich, das Rennen zu Trainingszwecken zu nutzen und am Ende nur noch einen Halbmarathon anzuhängen als Vorbereitung auf Zürich. «Die Zeit vor Roth war wegen meines Umfalls eben doch zu knapp», bemerkt er.

Im Mai war Riederer während eines Trainingslagers in Spanien mit dem Velo gestürzt und hatte sich neben dem Schlüsselbein auch zwei Rippen gebrochen und die Lunge gequetscht. Inzwischen ist aber alles gut verheilt und Sven Riederer für Zürich gerüstet. In seiner Geburtsstadt möchte er irgendwann noch zuoberst auf dem Podest stehen – «wenn nicht in diesem, dann eben im nächsten Jahr.»

Marisa Kuny

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