Winterthur

Physisch voll bereit für Olympia

Mit seiner erfolgreichsten Saison und seiner besten Vorbereitung im Rücken steigt der Winterthurer BMX-Pilot David Graf ins Olympiajahr.

Mit Krafttrainings im Winterthurer Skills Park bereitete sich David Graf, der WM-Dritte im BMX, auf die bevorstehende Olympiasaison vor.

Mit Krafttrainings im Winterthurer Skills Park bereitete sich David Graf, der WM-Dritte im BMX, auf die bevorstehende Olympiasaison vor. Bild: Patrick Gutenberg

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Gestern Nacht flogen zwei Wülf­linger ab nach Rio de Janeiro. Biker David Graf und Nationaltrainer Roger Rinderknecht peilen nicht die Copacabana, sondern den Deodoro Olympic Park an. Im nördlichsten der vier Areale der Sommerspiele 2016 steht die BMX-Piste – die eigentlich schon seit Oktober hätte bereit sein sollen.

«Man versuchte etwas Neues und Spezielles», erzählt Graf, der erste Anwärter auf den Schweizer Olympiaplatz im BMX. Allerdings gingen die Experimente mit der steilen Startrampe und den hohen Sprüngen zu weit: «Die Strecke war nicht richtig befahrbar und unnötig gefährlich.» Jetzt wird umgebaut. «Lassen wir uns überraschen», meint Graf. Vor Ort treffen sie Renaud Blanc, den zweiten Schweizer Olympiakandidaten. Der Romand, der im Radsportzentrum des Weltverbandes UCI in Aigle wohnt und trainiert, half bei den Arbeiten an der Strecke mit.

Von Donnerstag bis Samstag wird die Olympiapiste getestet. Anschliessend reisen die Schweizer weiter nach Argentinien: In Santiago del Estero findet über Ostern, im Rahmen der Panamerikanischen Meisterschaft, der erste Weltcup der Olympiasaison statt. Graf hat gute Erinnerungen an den Ort im tiefen Nordwesten des Landes: Das Weltcuprennen im September 2015 schloss er auf dem 4. Platz an.

Die Nummer 10 der Welt

Dieser Vorstoss in den Final könnte für die interne Olympiaqualifikation Gold wert sein. Die besten drei Resultate aus sieben Rennen zwischen August 2015 und Mai 2016 kommen in die Wertung, zu der Finals (3 Punkte), Halbfinals (2) und Viertelfinals (1) zählen. Graf führt gegenüber Blanc 5:4. Das sieht sehr knapp aus.

Doch der grosse Vorteil des Winterthurers ist: Er hat – neben dem Halbfinal am Weltcup in Ängelholm (Schweden) – bereits einen Final (jenen in Santiago del Estero) vorzuweisen. Schafft Graf einen weiteren Halbfinal, muss sich Blanc (auf Platz 22 der Weltrangliste) für einen Final qualifizieren, was ihm bisher noch nicht gelungen ist. Und auch dann wäre erst Gleichstand. «David ist sicher in der Favoritenrolle», denkt Rinderknecht.

«Er hat eine Wahnsinnssaison hinter sich, konstant fuhr er auf höchstem Niveau», sagt der Nationaltrainer über seinen Wülf­linger Nachbarn. Grafs Ausbeute 2015 neben den Spitzenplätzen im Weltcup: Bronze an den Europaspielen in Baku, Bronze an der WM in Belgien und Platz 10 in der Weltrangliste. Alles Erfolge, die vor ihm noch kein Schweizer Elite-Pilot herausgefahren hat. Auch Rinderknecht nicht, der bisher einzige Schweizer Olympiastarter im BMX. 2008 in Peking und 2012 in London hatte er die Halbfinals erreicht.

In London war Graf als Ersatzfahrer dabei. Jetzt lockt das Olympiadebüt. Diesem Ziel hat der 27-Jährige alles untergeordnet. Zwischendurch arbeitet er im kleinen Handelsbetrieb der Eltern. «Aber eigentlich fahre ich nur noch BMX», sagt er. Und trainiert mit vollstem Einsatz.

An Kraft und Explosivität feilt er in Rinderknechts Skills Park auf dem Sulzer-Areal, BMX fährt er häufig im Dättnau auf der Bahn seines Klubs Powerbike Winterthur. «Ich muss mich fürs Training nie motivieren.» Das Ergebnis lässt sich sehen, nicht nur aufgrund seiner enormen Oberschenkel.

Für einmal keine Altlasten

Den Trainingsplan stellt er seit 2013 selber zusammen. «Es funktioniert sehr gut. Dadurch mache ich mir viel mehr Gedanken, was für mich sinnvoll ist», bemerkt Graf. «Seine Testwerte sind hervorragend», betont Rinderknecht, der als Trainingssupervisor hilft. «Physisch bin ich voll bereit», sagt Graf. Er habe an Kraft und Schnelligkeit zugelegt. «Jetzt muss ich das nur noch aufs Velo bringen.

Aber grundsätzlich läufts sehr gut. Zum ersten Mal seit Menschengedenken konnte ich ohne Verletzung in eine Saisonvorbereitung steigen. Ich musste keine Altlasten mitschleppen.» In den letzten Jahren haben ihn Verletzungen zurückgeworfen. Auch jetzt blieb er von einem Zwischenfall nicht verschont: Bei einem Trainingssturz verletzte er sich am Handgelenk.

Aber ein gravierender Rückschlag war es nicht. Und: «Es geht mir inzwischen gut genug, um fahren zu können», erklärt Graf. Der Winterthurer Sportler des Jahres 2015 macht das neuerdings mit einem Helm, auf dessen Rückseite das Stadtwappen prangt.

«Leistungsmässig bin ich seit 2013 konstant besser geworden, aber mit den Resultaten klappte es leider nie ganz.» Bis auf letzte Saison: «2015 hat alles gepasst. Ich hoffe, dass es so weitergeht.» Schafft er die Olympiaqualifikation und bleibt er gesund, scheint im Sommer in Rio alles möglich zu sein. (Landbote)

Erstellt: 16.03.2016, 09:26 Uhr

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