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6 Gründe, warum die Leichtathletik-WM ein Ärgernis ist

Extreme Bedingungen, leere Ränge, verärgerte Athleten: Der Saison-Höhepunkt in Doha ist alles andere als ein Sportfest.

Die klimatischen Bedingungen in Katar setzen den Athletinnen und Athleten zu. Die Finnin Anne-Mari Hyryläinen wird nach dem Marathon völlig erschöpft in einem Rollstuhl weggefahren.
Die klimatischen Bedingungen in Katar setzen den Athletinnen und Athleten zu. Die Finnin Anne-Mari Hyryläinen wird nach dem Marathon völlig erschöpft in einem Rollstuhl weggefahren.
Ali Haider, Keystone
Die chinesische Marathonläuferin Rui Liang kämpft mit einem nassen Handtuch um den Hals gegen die Hitze.
Die chinesische Marathonläuferin Rui Liang kämpft mit einem nassen Handtuch um den Hals gegen die Hitze.
Noushad Thekkayil, Keystone
Die Linie auf dem Bild von Kambundjis Zieleinlauf müsste gemäss dem Schweizer Verband weiter vorne sein. Die IAAF ist aber anderer Meinung und deshalb scheidet die Bernerin wegen fünf Tausendstelsekunden aus.
Die Linie auf dem Bild von Kambundjis Zieleinlauf müsste gemäss dem Schweizer Verband weiter vorne sein. Die IAAF ist aber anderer Meinung und deshalb scheidet die Bernerin wegen fünf Tausendstelsekunden aus.
Screenshot SRF
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Viele Bedenken wurden im Vorfeld der Leichtathletik-WM in Katar geäussert – zu Recht, wie sich in den ersten Tagen herausgestellt hat. Organisatorisch läuft längst nicht alles wie geplant, und auch sportlich gab es schon manchen Aufreger.

1. Hitzekollapse und Erkältungsgefahr

In der Wüstenstadt Doha steigen die Temperaturen tagsüber auf bis zu über 40 Grad. Dies veranlasste die Organisatoren der WM dazu, einige Wettbewerbe in die Nacht zu verlegen. Das Problem dabei ist nur, dass das Thermometer auch dann nur selten auf unter 30 Grad fällt. So herrschten während des Nachtmarathons der Frauen noch etwa 33 Grad. Zudem macht auch die hohe Luftfeuchtigkeit den Athletinnen und Athleten zu schaffen.

Die ungewöhnlichen klimatischen Bedingungen fordern ihren Zoll: Mehr als ein Drittel der 68 Marathonläuferinnen konnte das Rennen nicht beenden, bei den Gehern sogar mehr als die Hälfte. Und auch viele von denen, die ins Ziel kamen, konnten sich nicht mehr auf den Beinen halten und mussten in einem Rollstuhl medizinisch betreut werden oder kollabierten sogar. Die Athletinnen und Athleten versuchten alles, um zumindest einigermassen kühl zu bleiben: mit Eis gefüllte Wüstenmützen, Hitzepillen, Kältewesten oder nasse Handtücher. Allen Massnahmen zum Trotz wähnte sich der kanadische Geher Evan Dunfee während des Rennens in «der Tiefe der Hölle».

Während einge gegen die Hitze kämpften, hatten andere im Khalifa-Stadion genau das gegenteilige Problem. Die Arena ist mit über 500 Düsen ausgestattet, die konstant kalte Luft reinblasen. Dadurch wird die Temperatur auf 26 Grad gesenkt. Viele Athletinnen und Athleten beklagten sich denn auch, dass sie frieren mussten und sich der Weg vom Aufwärmplatz ins Stadion wie ein Gang «durch verschiedene Klimazonen» anfühlte.

2. Unwürdige Stimmung

Das Khalifa-Stadion, das Nationalstadion Katars, fasst seit der Renovation 2017 40’000 Zuschauer. Da die Organisatoren der WM aber nicht annähernd mit so vielen Leichtathletikinteressierten rechneten, deckten sie etwa die Hälfte der Plätze ab. Dennoch blieben selbst am Samstagabend beim Final über 100 Meter, normalerweise ein Publikumsmagnet, zahlreiche Plätze leer. Auch beim nächtlichen Marathon und dem Gehen-Wettbewerb über 50 km säumten nur eine Handvoll Zuschauer die Strandpromenade Dohas.

Ganz anders war dies vor zwei Jahren, als die WM in London stattfand. Von einer «rauschenden Leichtathletik-Party» war damals die Rede und der deutsche Diskuswerfer Robert Harting bezeichnete die Stimmung im immer ausverkauften Stadion als «atemberaubend».

3. Umstrittene Startblock-Kamera

An dieser WM werden erstmals Kameras in den Startblöcken verwendet. Diese filmen die Athletinnen und Athleten von unten und haben zum Ziel, die Gesichtsausdrücke der Sprinterinnen und Sprinter zu zeigen. Mehrere Athletinnen beschwerten sich aber beim IAAF darüber, dass diese Kameras zu intime Einblicke erlauben, vor allem während sie sich im Startblock platzieren. Die deutsche Sprinterin Gina Lückenkemper kritisierte die neuen Kameras als «sehr fragwürdig». Die IAAF reagierte auf die Beschwerden und zeigt nur noch Bilder von den Athletinnen und Athleten in der «finalen Blockstellung».

4. Hygieneprobleme in den Hotels

Nicht nur während der Wettkämpfe, sondern auch in den Hotels haben die Athletinnen und Athleten mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Die Schweizer Sprinterin Sarah Atcho beklagte sich gegenüber «Le Matin» über das Hotel, in dem die Schweizer und auch andere Delegationen untergebracht sind. Auf den Vorhängen und auf ihrem Bett befänden sich Flecken und an den Wänden schimmle es. Ausserdem sei das Essen so schlecht, dass sie auswärts essen gehen müsse.

Atcho ist nicht die Einzige, die sich beklagt. Die niederländische Sprinterin Dafne Schippers vergleicht auf ihrem Instagramprofil, wie ihr Hotel im Internet angepriesen worden war und wie es in Wirklichkeit aussieht. Zudem sagt sie, dass sie ihr Zimmer mit einer Kakerlake teilen muss. Die norwegische Delegation beklagt sich nicht nur über ihre Unterkunft, sondern wechselte kurzerhand in ein anderes Hotel.

5. Fragwürdiger 100-Meter-Weltmeister

Auch sportlich ereignete sich in Doha Fragwürdiges: Der Gewinner des 100-Meter-Sprints der Männer ist Christian Coleman. Im August wurde bekannt, dass der 23-jährige Amerikaner innerhalb von zwölf Monaten drei Dopingkontrollen verpasst hatte, weil er am angegebenen Ort nicht auffindbar war. Im Normalfall wird ein solches Vergehen mit einer Sperre von einem Jahr bestraft. Damit hätte Coleman die WM und auch die Olympischen Spiele im nächsten Jahr verpasst. Doch sein Anwalt fand einen Verfahrensfehler – Coleman kam um die Sperre herum und holte Gold.

Coleman sprintet zu Gold. (Video: SRF)

6. Tausendsteldrama um Kambundji

Auch vom 100-Meter-Sprint der Frauen gibt es nicht nur Erfreuliches zu berichten, vor allem aus Schweizer Sicht. Mujinga Kambundji benötigte 11,10 Sekunden, genau gleich lang wie die Amerikanerin Teahna Daniels. Nach der Abklärung durch die IAAF stand fest, dass die Schweizerin fünf Tausendstelsekunden langsamer war. Der Schweizer Verband legte wegen des so knappen Unterschieds Rekurs ein, blieb aber erfolglos. Auch der Einwand, dass die auf dem Fotofinish eingezeichnete Linie nicht präzise sei, fand beim IAAF kein Gehör.

Swiss Athletics setzte sich vergeblich für Kambundji ein. (Video: SRF)

Ein letzter Hoffnungsschimmer kam dennoch auf, als die Nachricht kam, dass die für den Final qualifizierte Niederländerin Dafne Schippers aufgrund einer Verletzung nicht teilnehmen kann. Doch das Reglement zerschmetterte auch diese letzte Hoffnung, denn es sieht nicht vor, dass eine verletzte Läuferin ersetzt wird. Somit wurde der 100-Meter-Final der Frauen mit nur sieben Athletinnen ausgetragen.

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