Die 9 abgefahrensten Rennen der Welt

Laufen ist im Trend – auch dank findiger Schweizer. Wir zeigen die speziellsten Strecken rund um den Globus.

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Ein Museum ist ein Ausstellungsort – oder schlicht eine Unterlage für einen Lauf. Heute rennen nämlich die weltbesten Crossläufer für einmal keineswegs nur über Wiesen und durch Schlamm, sondern über das grosse, begrünte Dach des Prähistorischen Museums von Aarhus. Die Veranstalter haben damit vom Rest der Lauffamilie, die noch die kleinste Nische erobert, gelernt. Auch das wahre «Dach der Welt» ist darum bereits in ein Rennen integriert. Man kann vom Basislager des Mount Everest auf 5365 m zum Marathon starten. Das jüngste Spezialrennen ist darum eines unter vielen. Hier eine Auswahl an besonderen Events.

Parklauf:In 23 Ländern rennen

Als sich 13 Briten im Oktober 2004 im Bushy Park in Teddington (London) zu einem Parklauf verabredeten, wollten sie das Zusammensein läuferisch zelebrieren. Mittlerweile finden diese Parkruns in 23 Ländern jedes Wochenende statt. Teilnehmen kann jeder gratis, die Streckenlänge beträgt 5 km. Seither laufen sie in A wie Australien über F wie Finnland bis S wie Singapur in 1787 Parks das ganze Jahr über. 46 Millionen Läufer waren seit dem Pionierrennen dabei, allein im letzten Jahr 706 229. Die Schweiz, eigentlich ein Laufland, hat diese magische Serie noch nicht entdeckt.

Neujahrsmarathon:Die smarten Zürcher

Dieses Rennen an der Peripherie von Zürich lebt von der Idee: Weil stets um 0:00 Uhr im neuen Jahr zum Marathon gestartet wird, stellt der Schnellste bzw. die Schnellste garantiert die Jahresweltbestzeit auf. Wer also seine läuferischen 15 Minuten Berühmtheit anstrebt, sollte am Neujahrsmarathon teilnehmen. Da sich der Clou herumgesprochen hat, nahmen in diesem Jahr gleich Läufer aus 33 Nationen teil.

Barkley Marathon:Origineller gehts kaum

Dieser Ultramarathon ist legendär und so skurril, dass sich jeder Freund von Trudy-Müller-Bosshard-Rätseln in den Barkley Marathon verliebt. Seit 1986 findet dieses Rennen über circa 160 km und 16 500 Höhenmeter im Frozen Head State Park in Tennessee statt. Zeitlimit: 60 Stunden. Wobei: Meist schafft es ohnehin keiner der 40 Erwählten ins Ziel. Dass man für den Barkley gern knobeln muss, liegt am Anmeldemodus. Man muss selber herausfinden, wie man teilnehmen kann.

Eine offizielle Anmeldung existiert nicht. Was gesichert zum Prozess gehört: ein Motivationsschreiben, ein Geschenk an Gründer Lazarus Lake (zurzeit ein weisses T-Shirt), ein Autoschild aus der Heimat und ein Startgeld von 1.60 Dollar. Die Startnummer 1 erhält derjenige bzw. diejenige, welche(r) das Ziel gemäss Organisator Lake mit Sicherheit nie erreicht. Wer aufgibt und danach natürlich an den Start zurück muss, wird mit einem Trompetengedudel verabschiedet. Es soll allen Verbliebenen verdeutlichen, dass der Nächste vom Barkley Marathon abgeworfen wurde.

Seit dem ersten Rennen vor 32 Jahren schafften es 15 Läufer ins Ziel. Der nächste Barkley lockt irgendwann in den nächsten Tagen. Wann genau, wissen nur die Auserwählten. Für alle anderen: Auf Netflix gibt es eine tolle Doku zum Barkley.

Trailer: The Barkley Marathons: The Race That Eats Its Young Die Dokumentation aus dem Jahr 2015 gibts auf Netflix. (Video: YouTube)

Verkehrtes London:Marathon von Z nach A

Wer es gern speziell, aber weitaus weniger abenteuerlich als beim Barkley mag, sollte sich am 28. April bei «The Mall» in der Londoner Innenstadt einfinden. Das Rennen heisst nohtaraM nodnoL ehT – The London Marathon rückwärts geschrieben. Der Grund: Am Tag des London Marathon absolvieren diese Teilnehmer zwar die Originalstrecke, der Start ist jedoch das Ziel des Originals, das Ziel der Start.

Erfunden haben den Event frustrierte Läufer, die es nie ans wahre Rennen schafften, weil sich jährlich viel mehr Möchtegern-Teilnehmer für den Londoner bewerben, als er Platz aufweist. Um knapp vor den Auserwählten im Ziel einzulaufen – also an deren Start im Greenwich Park –, rennen die nohtaraM-nodnoL-ehT-Teilnehmer in Wellen um 2, 3 und 4 Uhr morgens los.

Das Ewigrennen:4989 km um den Block

Zu den meistgenannten Gründen, warum Läufer laufen, zählt: den Kopf durchlüften. Nirgends geht das besser als am Self-Transcendence 3100 Mile Race. Nennen wir ihn auf Deutsch: 4989 km bis gaga. Schliesslich führt dieser längste offizielle Lauf stets um denselben Häuserblock in Queens (New York). 883 m beträgt die Rundstrecke, welche die Schnellsten in knapp sechs Wochen schaffen.

Weil dieses gefühlte Ewigrennen jeweils im Sommer stattfindet, empfängt der Big Apple auch noch oft mit hohen bis sehr hohen Temperaturen. Das Zeitlimit beträgt 51 Tage. Rekordhalter war lange ein Deutscher mit einer Vita für ein Dutzend (Berufs-)Leben. Er war Kaufmann, Opernsänger, Bauer, Zimmermann, Geflügelzüchter oder Hausmann. 2006 lief er nach 41 Tagen ein und stellte dabei 74 Weltrekorde auf. Sein Motto: «Es gibt kein Limit, solange der Geist stärker ist als der Körper.»

Trailer: 3100 – Run and Become Auch über das Self-Transcendence 3100 Mile Race wurde eine Dokumentation gedreht. (Video: YouTube)

Der Vater aller Läufe:Ich gegen mich

Trotzdem lässt sich der Self-Transcendence übertreffen: im (Dauer-)Lauf gegen sich selber. Streak Running heisst der Spass und bedeutet: Täglich muss mindestens eine zusammenhängende Meile, also 1,6 km, ohne technische Hilfsmittel gerannt werden. Mit 19 032 Tagen – das sind rund 52 Jahre – führt der Brite Ron Hill diesen Vater aller Läufe an. Am 21. Dezember 1964 trabte Hill los, am 28. Januar 2017 kam der frühere Weltklasseläufer aus Krankheitsgründen zum Stillstand. Gejagt wird Hill nun vom Amerikaner Jon Sutherland. Der 68-Jährige läuft seit dem 26. Mai 1969 ununterbrochen täglich.

Hoch die Treppe:Die 11 674 Niesen-Stufen

Der Niesen, weiss Wikipedia, fällt durch seine markante kegel- oder pyramidenartige Form auf. Den Läufern, die ins Berner Oberland reisen, ist viel wichtiger: Auf die 2362 Meter führt eine Treppe mit 11 674 Stufen, was sie zur längsten der Welt macht – und den Niesenlauf mit seinen 1670 Höhenmetern Kult. Darum sind alle Einzelplätze für die nächste Austragung am 15. Juni über die 3,5 km mit bis zu 68-prozentiger Steigung verkauft. Wer will, kann sich auf die Warteliste setzen lassen.

Der Niesenlauf ist so etwas wie ein Vorläufer moderner «running events», in denen an den «most exotic places» viel geschwitzt und noch mehr gelitten werden kann. Ans Schweizer Original aber kommt kaum einer der neumödigen Kreationen ran.

Video: Niesenlauf 2017 Eindrücke zum Niesenlauf. (Video: YouTube)

Tierischer Spass:Vier- vs. Zweibeiner

Diese Bieridee endete tierisch: Zwei Freunde fragten sich in einem walisischen Kaff anno 1980, wer im hügeligen Terrain rund um Llanwrtyd Wells wohl schneller vorankomme: Ross (mit Reiter) oder Läufer. Daraus entstand: Man v Horse, ein 35-km-Rennen durch das hügelige Hinterland. Erst 2004 hatte Huw Lobb (Mensch) den Fuss vor Kay Bee Jay (Pferd) – um zwei Minuten. Er holte sich also als erster Homo sapiens den Sieg sowie den Jackpot von 25 000 Pfund. Um die Frage also zu beantworten, die sich die Freunde stellten: Die Vierbeiner bezwingen im Normalfall die Zweibeiner.

Bunkerfeeling:Wege im Kalten Krieg

Der Arzt Christian Hottas sagt: «Jeder Lauf ist ein Geschenk.» Darum schenkt sich der Dauerläufer mit mehr als 2000 absolvierten Marathons halt Läufe. Sein Neuster führt im Oktober durch das grösste unterirdische Hilfskrankenhaus von Deutschland. Es wurde zwischen 1964 und 1976 in Wedel (Schleswig-Holstein) für den Fall eines Atomangriffs gebaut. 1694 Patienten hätten darin versorgt werden können. Dank Hottas wird dieser Tiefenbunker zum Treffpunkt für 50 Marathonläufer.

Wers unterirdisch mag, aber nicht nach Wedel kann, sollte Merkers in Thüringen ansteuern. Dort kann man 500 m unter Erde in einem Schaubergwerk seine (Marathon-)Runden drehen. Aber Achtung: Es gilt Helmtragepflicht, und die Temperatur liegt irgendwo zwischen 21 und 28 Grad. Rauchen ist absolut verboten, aber das dürften die Teilnehmer verschmerzen können.

Erstellt: 30.03.2019, 10:07 Uhr

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