Steingruber ist wie verwandelt

Sie turnt, joggt, springt und macht so nach ihrer Verletzung täglich Fortschritte. Doch der Weg von Kunstturnerin Giulia Steingruber bleibt steil.

Hat lieber grosse Ambitionen als keine: Kunstturnerin Giulia Steingruber braucht aber noch Geduld bis zu ihrem Comeback.

Hat lieber grosse Ambitionen als keine: Kunstturnerin Giulia Steingruber braucht aber noch Geduld bis zu ihrem Comeback. Bild: Marcel Bieri/Keystone

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Unfreundlich war sie nicht, weil sie nie unfreundlich ist. Oder je unprofessionell wäre. Dennoch war Giulia Steingruber anzumerken, wie wenig ihr dieser Termin behagt. Es war September, fast drei Monate waren vergangen seit ihrem fatalen Sturz, der zum Kreuzbandriss im linken Knie führte. Der Turnverband hatte ein Treffen mit Medien organisiert, weil interessierte, wie es der besten Kunstturnerin des Landes nach der schwersten Verletzung ihrer Karriere geht.

Steingruber hatte den Pflichttermin so lange wie möglich hinausgezögert, sie wirkte nervös und ihr Lächeln gekünstelt. Und blieb vage mit ihrer Kernbotschaft: «Es geht mir recht gut.»

Sieben weitere Wochen später scheint die 24-Jährige wie verwandelt. Sie lacht und scherzt im Gespräch und strahlt echte Freude aus. Inzwischen geht sie schmerzfrei, turnt erste Übungen am Balken und Barren, joggt täglich zehn Minuten und übt Landungen aus 15 Zentimeter Höhe. Das mag wenig sein gegen den Sprungtisch mit seinen 1,25 Metern, «aber es sind die kleinen Schritte, die zählen», sagt Steingruber. In den sechs Wochen an Krücken hat sie gelernt, geduldiger zu sein. Es war – mitten im Hochsommer – die schwierigste Zeit für sie.

«Muss mir Zeit nehmen»

«Ich merke, dass ich schon viel sicherer über den Balken gehe als noch vor einem Monat», erzählt sie, und diese Fortschritte geben ihr Zuversicht für das schwierige Comeback. Im linken Bein hat Steingruber in der ersten Phase der Verletzung mehr als 50 Prozent der Muskelmasse verloren, inzwischen ist der Grossteil davon zurück.

Das grösste Problem wird aber ohnehin ein anderes sein: so weit wieder Vertrauen in ihren Körper zu gewinnen, dass die ganzen Verrücktheiten wieder möglich sind, die sie auf der Turnfläche zeigt. Tschussowitina, Doppel-Tsukahara oder Steingrubersalto. Die Ostschweizerin arbeitet deshalb mit einem Mentaltrainer und sagt: «Ich muss mir die Zeit dafür nehmen.»

Die EM schreibt sie ab

Die Frage beschäftigt nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch Steingruber selbst: Wann wird sie wieder bereit sein, einen ganzen Wettkampf zu turnen? Nationaltrainer Fabien Martin hatte einmal gesagt, sie würde wohl am liebsten die EM im kommenden April bestreiten wollen – «wenn wir sie nicht bremsen».

Dass eine Teilnahme an den Titelkämpfen in Stettin aussichtslos ist, weiss inzwischen aber auch Steingruber. «Ausgeschlossen», sagt sie. Als nächster Fixpunkt steht das Eidgenössische im Juni in Aarau an, aber auch das könnte zu früh sein, denkt Steingruber. Gleichwohl sagt sie: «Ich würde mir gerne ein ambitioniertes Ziel setzen, weil es sonst schwierig ist, über diese lange Zeit die Motivation zu behalten.» Die Wettkampfpause erlaubt es ihr immerhin, die Fernmatur definitiv nächsten Sommer abzuschliessen.

Tatsache könnte das Comeback an den Schweizer Meisterschaften im September werden, die schon Teil der WM-Qualifikation sind. Kurz darauf folgt Anfang Oktober die WM in Stuttgart selbst. Und damit wird die Herausforderung für Steingruber nicht kleiner: Für das Schweizer Team geht es um Olympia 2020.

Erstellt: 21.11.2018, 08:30 Uhr

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