Toronto steht kopf – wegen der Basketballer

Die Raptors sind noch einen Sieg vom NBA-Titel entfernt. Da werden sogar eingefleischte Eishockey-Fans nervös.

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Es war wieder einmal ein berauschender Abend für das Team mit dem Dinosaurier-Logo: 105:92 gewannen die Toronto Raptors das vierte Spiel in der Finalserie der NBA. 3:1 führen sie nun. Und das, obwohl der Gegner die Golden State Warriors sind. Das Team, das im fünften Jahr nacheinander in den NBA-Finals steht.

Aber der Titelverteidiger hat Mühe. Womöglich auch, weil mit Kevin Durant ein Schlüsselspieler fehlt. Vor allem aber, weil die Raptors unter der Führung von Starspieler Kawhi Leonard einfach stark spielen. In der Nacht auf Dienstag kann der einzige kanadische Club der Liga den Titel klarmachen. Es wäre eine Premiere.

Einer, der heute zufrieden nach Toronto blickt, ist David Stern, der ehemalige Commissioner der NBA. Als die Raptors vor 24 Jahren in der Stadt ins Leben gerufen wurden, sagte er, dass die Bevölkerung dereinst Gefallen am Basketballsport finden werde. Der Visionär wurde belächelt.

Erst war Toronto ein wenig attraktiver Arbeitgeber für Basketballer in einer Stadt, deren Herz fürs Eishockey schlägt. Zwar gewann die Franchise um die Jahrtausendwende mit dem talentierten Vince Carter an Unterhaltungswert – aber eben keine Titel. Heute ist der Titel näher denn je. Die Stadt ist begeistert, Stern zufrieden.

Der ungläubige Eishockey-Fan

Der «Toronto Star» sprach kürzlich mit Mike Wilson, einem 65-Jährigen, der jedes Spiel der Toronto Maple Leaf im Stadion verfolgt. Inklusive Auswärtsspiele wohlgemerkt. Dieser Mann lebt für Eishockey. Und eben dieser Eishockey-Verrückte sagt nun: «Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals einen Tag erleben würde, an dem ich vor einem Raptors-Spiel nervös wäre.»

Wilson ist ein Beispiel dafür, welchen Stellenwert der Basketballsport im Land mittlerweile geniesst. Gemäss einer jüngst veröffentlichten Studie wählen 45 Prozent der 18- bis 35-jährigen Kanadier ein Finalspiel der Raptors, wenn sie sich für eine Sportart entscheiden müssten. Frei nach dem Motto: Lang lebe der Dinosaurier.

Fans fluten die Stadt

Wer an Spieltagen der Raptors durch Toronto zieht, muss mittlerweile viel Zeit einplanen. Öffentliche Plätze, Strassen, Bars, Hotellobbys – alles voll. Bis zu 250'000 Tickets hätten sie für die Finalspiele absetzen können. Nur 20'000 passen in die Scotiabank Arena.

Drinnen sorgen die Fans für Riesenstimmung, angeführt von Rapper Drake, dem Clubbotschafter, der sich am Spielfeldrand auch schon mit gegnerischen Spielern anlegte. Draussen verfolgen Tausende Fans die Playoff-Partien in einem Public Viewing. Der Maple-Leafs-Platz vor der Arena wurde gar umgetauft: Der Ort, an dem sich die Fans der Dinosaurier treffen, heisst nun Jurassic Park. Die Bilder der Fan-Schar gehen um die Welt.

Als die Raptors die NBA-Finals erreichten, schrieb Kanadas Premierminister Justin Trudeau auf Twitter: «Geschichte wurde geschrieben. Raptors, jetzt ist es an der Zeit, die Meisterschaft nach Kanada zu holen.» Ein Sieg fehlt noch zum Titel. Wird dieser in der Nacht auf Dienstag realisiert, sollte man Toronto besser grossräumig umfahren. Schliesslich gibt es mittlerweile so einige Basketball-Aficionados in der Stadt. (cst)

Erstellt: 08.06.2019, 20:30 Uhr

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