Trump beleidigen? Klar! China kritisieren? Bloss nicht!

LeBron James wehrt sich gegen soziale Missstände und wird dafür gefeiert. Seine jüngsten Aktionen lassen nun aber Doppelmoral vermuten.

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Ein König darf ja so ziemlich alles. Das findet auch LeBron James, eine Art Überfigur im Basketball. Ungeniert nennt sich der dreifache NBA-Champion «King James». Und er nutzt die Macht sehr gerne, die dieser Titel mit sich bringt. Gerade, wenn es um die sozialen Misstände in den USA geht, den latenten Rassismus, da wird er laut und deutlich. Er schreckt nicht davor zurück, den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump als «Penner» zu bezeichnen. Schliesslich darf ein König ja so ziemlich alles. Dafür wird er von vielen Fans gefeiert. Sie lieben seinen Mut. Und erleben jetzt eine bittere Enttäuschung.

Denn sie bröckelt, LeBrons Unabhängigkeit. Oder besser gesagt, sie hat offenbar ihren Bezwinger gefunden. Jemanden, der mächtiger ist. China. «Schwierig», sei sie gewesen, die Tour seiner LA Lakers im bevölkerungsreichsten Land der Welt. Grund dafür dürfte Daryl Morey gewesen sein, General Manager der Houston Rockets. Der hatte es nämlich gewagt, sich via Twitter mit den Demonstranten in Hongkong zu solidarisieren. «Kämpft für Freiheit. Steht zu Hongkong», twitterte er. Zwar löschte der 47-Jährige seinen Eintrag schnell wieder, doch da war die Maschinerie bereits gestartet. Unaufhaltsam. Der chinesische Basketballverband beendete die Zusammenarbeit mit den Rockets, und chinesische Unternehmen kündigten ihre Geschäftsbeziehungen mit der NBA.

Die negative Seite der freien Meinungsäusserung

Und plötzlich übte sich auch der laute König in Zurückhaltung. «Ich glaube», begann James seine Erklärung über Moreys Tweet, «er war falsch informiert und nicht mit der gegebenen Situation vertraut, als er sprach.» Dann mahnte er: «Natürlich haben wir das Recht auf freie Meinungsäusserung, aber damit kann auch viel Negatives verbunden sein.» Besonders negativ könnten die Folgen sein «wenn man nicht an andere denkt, wenn man nur an sich denkt». Dafür wird er in China jetzt in sozialen Netzwerken als «unabhängig denkender Star» bezeichnet. Obwohl, das mit der Unabhängigkeit ist da so eine Sache.

Für seinen Sponsor, einen Sportartikelgiganten, gehört er zu den wichtigsten Werbeträgern in Asien. Immer wieder reist James zu PR-Zwecken durch China. Ohnehin ist China ein wichtiger Markt für die NBA. Das erklärt, weshalb auch die renommierten Trainer Steve Kerr von den Golden State Warriors und Gregg Popovich von den San Antonio Spurs kleinlaut werden, sobald es um Chinas politische Lage geht. Via Twitter spottete Trump: «Sie sprechen schlecht über die USA, aber wenn es um China geht, wollen sie nichts Schlechtes sagen.» Kerr habe sich «wie ein kleiner Junge» verhalten, als er zur Situation befragt wurde.

Sie, LeBron James und weitere nun schweigende NBA-Stars, haben eines gemeinsam: Sie reklamieren in ihrer Heimat das Recht von freier Meinungsäusserung, Gleichberechtigung und Respekt. Sobald es aber um China geht, sagen sie lieber gar nichts mehr. Wäre schliesslich schlecht fürs Geschäft. (fas)

Erstellt: 16.10.2019, 18:01 Uhr

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