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Dieser Schweizer stürzt sich mit 85 km/h ins Wasser

Am Wochenende springen die weltbesten Cliff Diver von 27 Meter Höhe in den Vierwaldstättersee.

Matthias Appenzeller vor dem grossen Sprung: Das sagt der Schweizer vor dem Cliff Diving in Sisikon. Video: Fabian Sangines, Tim Ehrensperger

Matthias Appenzeller sagt: «Das Gefühl nach einem gelungenen Sprung ist einfach geil.» Matthias Appenzeller weiss: Dafür muss auch er zuerst starkes Herzklopfen ertragen. Furchtlos sein. Durchatmen. Und dann voller Adrenalin 27 Meter in die Tiefe fliegen.

Der 24-Jährige aus Uitikon ist Jurastudent ohne Höhenangst. Am Wochenende, mitten in seinen Semesterferien, springt er im Rahmen des Red Bull Cliff Divings in Sisikon als einziger Schweizer in den Vierwaldstättersee. Innert 2,6 Sekunden beschleunigt er ähnlich schnell wie die teuersten Sportautos: Mit 85 km/h erreicht er mit den Füssen voran die Wasseroberfläche – und hat bis dahin drei Saltos und zweieinhalb Schrauben hingelegt.

Tattoos, Pferdeschwanz, Sixpack: Matthias Appenzeller passt perfekt ins Schema des Red Bull Cliff Divings.
Tattoos, Pferdeschwanz, Sixpack: Matthias Appenzeller passt perfekt ins Schema des Red Bull Cliff Divings.
Romina Amato (Red Bull)
Der 24-Jährige freut sich auf seinen ersten Auftritt auf der Serie.
Der 24-Jährige freut sich auf seinen ersten Auftritt auf der Serie.
Romina Amato (Red Bull)
Ein 10-Meter-Brett, hier im Freibad Dübendorf, macht Appenzeller schon lange keine Angst mehr.
Ein 10-Meter-Brett, hier im Freibad Dübendorf, macht Appenzeller schon lange keine Angst mehr.
Romina Amato (Red Bull)
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Für Appenzeller ist es der erste Auftritt in der weltbesten Serie und der Höhepunkt seiner Karriere. Als Junior war er mehrfacher Schweizermeister im Kunst- und Turmspringen. Von mehr als 10 Metern Höhe wird dort jedoch nicht gesprungen. Nach einem Kreuzbandriss endete sein Traum von Olympia.

Ganz aufhören mit dem Springen kam aber nicht in Frage. Und so kletterte er immer höher. Per Video und einem Sprung aus 27 Metern bewarb sich Appenzeller für das Red Bull Cliff Diving. Und war überrascht, dass er prompt eine Wildcard erhielt.

«Schlaflose Nächte»

«Danach hatte ich schlaflose Nächte», sagt er. Denn so genau wusste er nicht, worauf er sich eingelassen hatte. Die unterschiedlichen Dimensionen zeigen sich für Appenzeller nun innert sieben Tagen. Letztes Wochenende gewann er im Tessin den Wettkampf der World High Diving Federation von 20 Metern. Mediales Interesse und Weltklasse-Konkurrenz? Fehlanzeige. Ganz anders ist dies am Event, der nun bevorsteht. Die 27 Meter sind die Königsdisziplin des Klippenspringens. Mit jedem Meter wird die Kontrolle schwieriger und der Aufprall exponentiell härter.

Gemäss der Schweizer Cliff-Diving-Pionier Peter Rüedi (74), Gründer des Vereins Zürcher Wasserspringer vor über 35 Jahren, beherrschen nur 40 bis 50 Personen weltweit einen sicheren Sprung aus dieser Höhe. Die Schwierigkeit bestehe auch darin, dass ein Salto einfacher als ein gerader Sprung auf die Füsse sei, weil die Flugbahn bei einer Rotation besser kontrollierbar. Ein misslungener Sprung ist allerdings lebensgefährlich. Trotzdem haben sowohl Appenzeller als auch Rüedi noch nie etwas Schlimmes erlebt.

Die Königsdisziplin über 27 Meter: So sah es 2010 in Sisikon aus.
Die Königsdisziplin über 27 Meter: So sah es 2010 in Sisikon aus.
Dean Treml (Red Bull)
Bereits am Donnerstag ist im Kanton Uri alles bereit, es fehlen noch die Springer und die Zuschauer.
Bereits am Donnerstag ist im Kanton Uri alles bereit, es fehlen noch die Springer und die Zuschauer.
Raphaël Surmont (Red Bull)
Von der oberen Plattform springen die Männer (27 Meter), von der unteren die Frauen (21 Meter).
Von der oberen Plattform springen die Männer (27 Meter), von der unteren die Frauen (21 Meter).
Raphaël Surmont (Red Bull)
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Und Angst? Kennt Appenzeller nicht mehr. «Man wächst da hinein. Was ich mache, ist also keineswegs verrückt. Schlaflose Nächte sind Vergangenheit. Jetzt freue ich mich darauf, saubere Sprünge zeigen zu dürfen.»

Student gegen Profis

Für Appenzeller geht es in Sisikon darum, sich neben 10 Profis und 3 weiteren Wildcard-Teilnehmern zu beweisen und für weitere Auftritte zu empfehlen. Dafür verbrachte er im Winter viele Stunden im Kraftraum. Im Hallenbad trainierte er aus 10 Metern Teilelemente. Als es wärmer wurde, setzte er diese am Urnersee nahe der Wettkampfstätte auf einer 24-Meter-Plattform zusammen.

Unten im Boot sass dann meistens eben dieser Peter Rüedi – zur Sicherheit, falls etwas schief gehen sollte. Der 74-Jährige ist begeistert: «Matthias’ Fortschritte sind erstaunlich. Er ist zum mit Abstand besten Springer der Schweiz geworden.»

In den letzten drei Monaten intensivierte Appenzeller sein Training nochmals, ging nach Österreich, wo es den einzigen 27-Meter-Turm in der Nähe gibt. Mehr als drei Mal täglich in die Tiefe stürzen, das lag aber nicht drin. Mental und körperlich bleibt ein solcher Sprung auch für Geübte ein riesiger Verschleiss.

Volle Konzentration: Das gilt für Appenzeller auch am Wochenende. Quelle: Instagram

Der Absprung, die Rotationen und vor allem das Eintauchen, all dies setzt absolute Muskelspannung voraus. Aber auch mental hat sich Appenzeller auf den Wettkampf vorbereitet. Er freue sich darauf, von der Plattform aus den Zuschauern zuzuwinken. Die Show, sie gefällt ihm. Appenzeller weiss bereits jetzt, wo sich die Fans befinden werden, welche Musik spielt, was der Moderator sagt. Nichts soll ihn überraschen. Und dann, wenn ihm die Jury das Zeichen zum Absprung gibt? «Ich werde bestimmt nicht zurücklaufen.»

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