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«Ich finde, ich habe es verdient»

EM-Gold, Diamond-League-Sieg und morgen im Letzigrund im Fokus: Lea Sprunger über die erfolgreichste Zeit ihrer Karriere.

Die schönsten Momente von Weltklasse Zürich.(Video: Tamedia)

Es ist bereits viel Leben im Letzigrund-Stadion, zwei Tage vor «Weltklasse Zürich». Rund 600 Kinder sind gekommen, um mit ihren Vorbildern zu laufen, werfen und springen. Europameisterin Lea Sprunger hat für eine zappelige Schar Hürden aufgestellt und schickt sie dann darüber. Vorher äusserte sie sich über die vergangenen ereignisreichen Wochen.

Sind Sie stolz oder verlegen, wenn Sie überall als Europameisterin angekündigt werden?

Stolz! Es ist zwar ein komisches Gefühl, weil ich es nicht gewohnt bin. Es ist neu, aber ich habe sehr viel dafür gearbeitet. Ich finde, ich habe es verdient.

Hat sich etwas verändert?

Ja, die Leute kennen mich nun überall, im Zug, in der Metro, wenn ich durch Lausanne laufe. Aber man merkt schon, dass wir hier in der Schweiz sind. Die meisten sind scheu, nur die wenigsten sprechen mich an. Aber es gibt schon solche, die mir ­gratulieren und mir sagen, sie hätten mitgefiebert. Das ist cool. Dann merke ich, welche Auswirkung diese Medaille hat.

Sie haben den Goldgewinn als «immense Erleichterung» bezeichnet. Was kann diese Erleichterung bewirken?

Es war eine Erleichterung, weil ich angekündigt hatte, dass ich Gold will, weil ich so viel investiert hatte. Und ich habe mein Ziel erreicht. Aber es macht keinen Unterschied. Wenn ich jetzt auf der Bahn stehe, ist der Druck noch immer genau gleich gross.

Wird der Titel Sie von den Zweifeln und Ängsten befreien, die Sie lange gebremst haben?

Das ist schwer zu sagen. Ich glaube nicht, dass sie einfach weg sind. Ich bin eine Athletin, die ein wenig Angst hat vor den 400 m. Vor dem EM-Titel meinte ich immer, alle Gegnerinnen seien besser. Weltmeisterinnen, Europameisterinnen . . . jetzt aber bin ich die Europameisterin. Das ändert aber nichts daran, dass ich im Startblock noch immer weiss, wo es gefährlich ist, dass ich den Rhythmus finden muss. Die Belastung verschwindet mit dem Titel nicht, ich bin nur erfahrener. Und ich weiss jetzt, dass ich zu den Besten gehöre.

In der Woche nach dem EM-Sieg feierten Sie in Birmingham auch Ihren ersten Sieg in der Diamond League. Was war anders dort?

Dass die Europameister ein Einzelzimmer bekommen (lacht), das ist ein Privileg. Sonst bin ich immer mit irgendjemandem im Zimmer. Ich machte nicht viel zwischen EM und dem Meeting, aber ich wusste, dass die Form nicht einfach weg ist. Ich erinnere mich, dass meine Augen extrem müde waren, ich hätte gerne immer geschlafen – meine Beine aber fühlten sich fit an.

Sie sagen, Sie hätten noch immer nicht das Rennen gezeigt, das in Ihren Beinen steckt. Zeigen Sie es im Letzigrund?

Ach! Ja, das möchte ich wirklich, aber es wird schwierig. Es war eine lange Saison, und letzte Woche hatte ich noch Magenbeschwerden und konnte drei Tage nicht trainieren. Aber mit dem Heim­publikum . . . wer weiss?

Wie schwierig ist es, noch einmal Spannung aufzubauen?

Wir haben ja gewusst, dass es nach der EM noch weitergeht. Aber es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, es sei nicht schwierig gewesen. Denn die letzten Wochen waren anstrengend. Ich wusste nicht, dass es in der Schweiz so viele Medien gibt. Ich glaube, ich war bei allen Fernsehstationen, dann die Printmedien, ein Empfang in meinem Heimatort, ein Kinderanlass, es war viel los, und es war sehr schön.

Was erwarten Sie in Zürich?

Für ein paar meiner Gegnerinnen ist dieser Final der Diamond League das Hauptziel der Saison, sie hatten keine Kontinentaltitelkämpfe. Deshalb glaube ich, dass Janieve Russell, Shamier Little und Dalilah Muhammad meine grössten Konkurrentinnen sind.

Und Ihnen schwebt der Schweizer Rekord vor?

Ja, der kommt noch! (lacht) Das beste Rennen behalte ich für nächste Saison.

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