Unihockey

Wüthrichs Ruhe wird im Cupfight gefragt sein

Die Begegnung zwischen Dietlikon und Piranha Chur ist der unbestrittene Klassiker im Schweizer Frauen-Unihockey. Morgen Samstag kommt es in Chur im Cup-Halbfinal zum nächsten Gipfeltreffen.

Janine Wüthrich (Nr. 13): «Ich versuche, sauber zu spielen.»

Janine Wüthrich (Nr. 13): «Ich versuche, sauber zu spielen.» Bild: Urs Brunner

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Seit Jahren ist die nationale Meisterschaft eine Sache zwischen Unterland und Bündnerland. Die Meisterfeier auszurichten, blieb allerdings lange Zeit den Piranhas vorbehalten. Erst im vergangenen Frühjahr gelang es Dietlikon, die eindrückliche Churer Serie von fünf Meister­titeln in Folge zu brechen. Anders präsentiert sich die aktuelle ­Abrechnung im Cup: Mit acht gegenüber drei Titeln fällt das Ergebnis deutlich zugunsten der Glattalerinnen aus, zuletzt verbuchten sie gar drei Cupsiege in Serie, jenen 2017 im Direktduell mit den Churerinnen, die sie gleich mit 7:2 vom Feld putzten. Das allerdings war gestern. Am Samstag steigt die Equipe von Simone Berner nämlich mit einer negativen Saisonbilanz gegen den Erzrivalen in das Cup-Halbfinalduell. Sowohl im Meisterschaftsprolog (Supercup) als auch in der ersten Begegnung der Saison unterlagen die Titelverteidigerinnen knapp.

Chur führt die NLA-Tabelle derzeit souverän an, verfolgt von Dietlikon, Bern Burgdorf und Emmental Zollbrück. Cheftrainerin Berner sagt dazu knapp: «Favoritenrollen interessieren mich nicht.» Lieber sprich sie darüber, was ihr im ersten NLA-Spiel im neuen Jahr gegen Bern Burgdorf gefallen hat: der Kampfgeist, dass ihre Spielerinnen in einem engen Spiel nicht aufgesteckt und in der Verlängerung das Glück erzwungen hätten. Berner sagt aber auch, was sich morgen gegen Chur ändern muss: «Wir haben noch zu viele technische Unsicherheiten in unserem Spiel. Diese müssen wir in den Griff kriegen, sonst wird es hektisch.» Sollte es trotzdem so weit kommen, weiss Berner, wen sie zur Beruhigung aufs Feld schicken kann: Janine Wüthrich.

Ein besonnener Charakter

Die 26-jährige Verteidigerin aus Nänikon, die bereits als Juniorin für den UHC Dietlikon gespielt hat, ist nach einer Saison beim Kantonsrivalen Rychenberg Winterthur und einem Austauschjahr in England an ihre alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Anders als Liga-Topskorerin Michelle Wiki, die nach ihrem Abstecher nach Schweden mit ihren bislang 32 Treffern – das sind im Schnitt rund drei pro Spiel – für Furore sorgt, ist Wüthrich wieder gekommen, ohne aufzufallen.

Und genau das mache sie als Defensivkraft so wertvoll, betont Cheftrainerin Berner. «Janine ist ein besonnener Charakter, sie macht sehr wenig Fehler und bringt Ruhe ins Spiel.» Wüthrich selbst sagt über sich: «Ich versuche, sauber zu spielen, die einfachen Dinge richtig zu machen.» Punkte, erklärt sie gelassen, seien ihr nicht so wichtig. Nicht selten spielt sie zu einem Treffer den dritten Pass, für den es im Unihockey keine Zähler gibt.

Spielerisch war die ehemalige Internationale (42 Spiele, 1 Tor, 9 Assists) nach ihrer Zeit in England schnell wieder auf NLA-Niveau, physisch brauchte sie etwas länger, um mit ihren Mitspielerinnen mitzuhalten – nicht weil Wüthrich in England keinen Ball gesehen hätte, sondern weil die Dietlikerinnen, so ihr Eindruck, «fitter sind als je zuvor». Zudem hat Wüthrich fast das gesamte Sommertraining verpasst. Erst Mitte Juli ist sie aus Reading, einem kleinen Städtchen im Südwesten Englands, zurückgekehrt. 15 Monate hat sie dort bei einer Familie gelebt und sich um deren zwölfjährigen Buben und das achtjährige Mädchen gekümmert. Sie habe eine Pause gebraucht, sagt die Bankangestellte mit BWL-Abschluss, und sich darum als Au-pair «abgesetzt».

Heimgekommen ist Janine Wüthrich übrigens nicht mit ein paar Pfunden mehr, die ihr die englische Küche durchaus hätte anhängen können, sondern als Topskorerin. Die zierliche Verteidigerin kommentiert lachend: «Wenn ich beste Torschützin einer Liga werde, dann sagt das wenig über mich, aber viel über die Liga aus.» Mit ihrem Klub hat sie hauptsächlich auf dem Kleinfeld gespielt – in einem Mixed Team, reine Frauenequipen gebe es in der zweithöchsten englischen Liga nicht. «Technisch war ich den anderen, auch den Männern, hoch überlegen. Aber physisch bin ich durchaus gefordert worden.» Doch auch technisch konnte die 26-Jährige profitieren. Die unebenen Hallenböden liessen die Bälle nämlich springen. Wüthrich musste lernen, sie in der Luft anzunehmen.

Im morgigen Halbfinalspiel in Chur wird es weniger die Beschaffenheit des Bodens denn jene des Gegners sein, die Janine Wüthrich fordern wird. Zurück auf dem Boden der Schweizer Tatsachen, dürfte sie kaum mit vielen Skorerpunkten von sich reden machen, sondern das tun, was sie besonders gut kann: den Ball flach halten. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.01.2018, 09:27 Uhr

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