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Tödlicher Unfall 2019 in BadenSust sieht weiterhin ein Restrisiko bei SBB-Türen

Im August 2019 kam ein Zugchef ums Leben, nachdem er in einer Türe eingeklemmt und mitgeschleift wurde. Jetzt liegt der Schlussbericht der Unfalluntersuchung vor.

Seit dem tödlichen Unfall im August 2019 haben die SBB eine Reihe von Massnahmen umgesetzt.
Seit dem tödlichen Unfall im August 2019 haben die SBB eine Reihe von Massnahmen umgesetzt.
Foto: Ennio Leanza/Keystone

Nach dem tödlichen Arbeitsunfall eines Zugchefs im August 2019 in Baden haben die SBB die Empfehlungen der Behörden umgesetzt und den Abfahrtsprozess angepasst. Gemäss der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) besteht in einem Fall weiterhin ein «Sicherheitsdefizit».

Die Sust sieht das Restrisiko in ihrem am Dienstag veröffentlichen Schlussbericht zum tödlichen Arbeitsunfall in Bahnhöfen, bei denen die Abfahrtserlaubnis für Pendelzugskompositionen mit dem Einheitswagen IV noch mittels Abfertigungsskasten erteilt wird. In diesen Bahnhöfen erteilt der Zugchef die Abfahrtserlaubnis, bevor er in den Zug einsteigt und seine Türe schliesst.

Wenn ein technischer Defekt bei der Türe vorliege, werde die Türe beim Lokführer als geschlossen rückgemeldet, obwohl diese noch nicht geschlossen sei, heisst es im Sust-Bericht: «So besteht das Risiko, dass der Zug abfährt, bevor der Zugchef eingestiegen ist, weiterhin.» Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Sust den SBB zu prüfen, ob das Risiko für das Zugspersonal tragbar sei.

Soviel Zeit wie nötig für geforderte Qualität

Die SBB beurteilten nach eigenen Angaben dieses Restrisiko bei der Einführung des neuen Abfertigungsprozesses, der ab Ende September 2019 angepasst wurde. Mit dem neuen Türblattkontrollschalter werde eine zusätzliche technische Sicherheitsbarriere eingebaut, damit die Türen beim Lokpersonal zuverlässig als «geschlossen» rückgemeldet würden, halten die SBB in einer Medienmitteilung fest.

Die Sust schreibt in ihrem Schlussbericht auch, dass beim für die Türkontrolle vorgesehenen und alle fünf Tage fälligen Instandhaltungsmodul die Zeit nicht ausreiche, um alles Notwendige zu kontrollieren. Die SBB weisen darauf hin, dass es sich dabei um Erfahrungswerte handle und nicht um zeitliche Vorgaben.

Die Mitarbeitenden seien angehalten, soviel Zeit wie nötig aufzuwenden, um die Arbeit in der geforderten Qualität ausführen zu können. Die Erkenntnis der Sust seien inzwischen für die Festlegung der Planungswerte dieser Instandhaltungsmodule berücksichtigt worden, halten die SBB fest.

Sicherheit erhöht

Die SBB weisen zudem darauf hin, nach dem tödlichen Arbeitsunfall seien eine Reihe von Massnahmen eingeleitet worden, um die Sicherheit für Mitarbeitende und Reisende weiter zu erhöhen. Man habe «umfassende Lehren» aus dem Unfall gezogen. Die Sust bestätigt in ihrem Schlussbericht, dass die zwei vom Bundesamt für Verkehr (BAV) verfügten Empfehlungen umgesetzt wurden.

Beim Unfall in Baden am 4. August 2019 war der 54-jährige Zugchef des Interregio Basel-Zürich beim Abfahrtsprozess im Bahnhof während des Schliessens der Türe eingeklemmt und mitgeschleift worden. Er zog sich tödliche Verletzungen zu.

Der Einklemmschutz funktionierte nicht, wie Sust in ihren Zwischenbericht wenige Wochen nach dem Unfall festhielt. Das Kontrollsystem könne dem Lokführer falsche Informationen anzeigen.

oli/sda