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Nothilfe auf der KippeSwiss-Chefs zittern vor Lufthansa-Entscheid

Weil das Lufthansa-Rettungspaket an der Aktionärsversammlung kommenden Donnerstag abzustürzen droht, haben die Manager schlaflose Nächte. Und arbeiten bereits an einem Plan B.

Die Swiss durchlebt unruhige Zeiten.
Die Swiss durchlebt unruhige Zeiten.
Foto: Reuters

In den letzten Wochen schien eine Rettung der Swiss durch Bund und Banken nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Doch seit diese Woche der Lufthansa-Grossaktionär Heinz Hermann Thiele das geplante Rettungspaket durch den deutschen Staat kritisiert hat, zittern Manager und Belegschaft der Swiss. Thiele könnte mit einem Nein fast im Alleingang dafür sorgen, dass der Vorschlag von Konzernführung und deutscher Regierung an der ausserordentlichen Hauptversammlung der Lufthansa am kommenden Donnerstag abgelehnt wird.

In diesem Fall würde vorerst auch die Swiss keine staatliche Hilfe erhalten. Das würde für sie zu einem grossen Problem, denn sie steckt wie ihre Muttergesellschaft in finanziellen Nöten. Der Luftverkehr war während des Höhepunkts der ersten Corona-Welle fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Aus Swiss-Kreisen heisst es gegenüber dieser Zeitung, dass das höhere Management der Airline «extrem nervös» sei und schlaflose Nächte habe. Man habe einen Plan B für den Fall eines abschlägigen Entscheids der Lufthansa-Aktionäre erarbeitet. Was dieser beinhaltet, will die Swiss-Medienstelle nicht preisgeben. Sie richtet bloss aus, dass sich ihr Management selbstverständlich auf verschiedene Szenarien vorbereite.

Arbeiten am Plan B

Denkbar wären sogenannte Sale-and-Leaseback-Manöver, um Liquidität zu bilden: Die Swiss würde Teile der Flotte verkaufen und gleich wieder zurückmieten. Möglich ist auch, dass mit dem Bund eine neue Lösung ausgehandelt wird. Die Finanzverwaltung, deren Direktor Serge Gaillard der Luftfahrt-Taskforce des Bundesrates vorsteht, schreibt: «Wir bereiten uns intensiv auf verschiedene Optionen vor.» Man hoffe aber nach wie vor, dass in Deutschland bald «eine gute Lösung» gefunden werde.

Die bisherige Lösung für die Swiss und ihre Schwester Edelweiss sieht günstig verzinste Bankkredite über maximal 1,5 Milliarden Franken vor, die der Bund zu 85 Prozent garantiert. Allerdings ist noch kein Franken auf den Konten der Swiss gelandet. Noch Anfang Mai hatte Swiss-CEO Thomas Klühr gesagt, dass die Auszahlung nicht von den Verhandlungen in Deutschland abhängig sei. Er erwartete die erste Tranche über 300 Millionen Franken auf Ende Mai oder Anfang Juni. Offensichtlich waren diese Annahmen falsch. Ob er sie wider besseren Wissens vorbrachte, ist nicht bekannt. Die Swiss äusserte sich auf Anfrage nicht dazu.

Bei der Rettung der Lufthansa geht es um 9 Milliarden Euro. Zudem soll der Staat 20 Prozent des Aktienkapitals an der Lufthansa halten. Mit dieser Beteiligung ist der grösste Einzelaktionär der Lufthansa, der Multimilliardär Heinz Hermann Thiele, nicht einverstanden. Denn durch die Kapitalerhöhung, die dazu nötig wäre, würde sein Aktienanteil von 15 Prozent auf einen Schlag deutlich an Wert verlieren. Ob er der vorgeschlagenen Lösung am Donnerstag zustimmen wird, liess er offen.

Wie weiter bei einem Nein?

Lehnt er sie ab, ist die Rettung des Konzerns in Gefahr. Bei einer Präsenz von weniger als 50 Prozent der Aktionäre an der Versammlung schreibt das Gesetz zur Annahme des Rettungspakets nämlich eine Zweidrittelmehrheit vor. Thiele würde das zur Ablehnung nötige Drittel schon fast alleine aufbringen. Aufgescheucht durch dieses Szenario, rief die Lufthansa am Mittwoch ihre Aktionäre zur Teilnahme auf. Bei einer Präsenz von über 50 Prozent wäre bloss eine einfache Mehrheit für eine Annahme erforderlich.

Im Fall eines Neins würde die Airline eilig Neuverhandlungen mit der Bundesregierung aufnehmen. Sollten diese keinen Erfolg haben, geht der Lufthansa in wenigen Wochen das Geld aus. Dann müsste sie das sogenannte Schutzschirmverfahren beantragen: Dabei würde das Unternehmen unter der Aufsicht eines Sachwalters weiter operieren, sich dabei alter Schulden entledigen und die teuren Tarifverträge neu verhandeln. Auf diese Weise würden die Aktionäre wahrscheinlich alles verlieren. Was das für die Swiss bedeuten würde, ist unklar. Vor diesem Hintergrund scheint es nur sinnvoll, dass der Bund der Swiss die Auszahlung der Kredite verweigert, solange die Situation in Deutschland nicht geregelt ist.