Zum Hauptinhalt springen

Lauberhorn-Präsident Urs Näpflin«Swiss-Ski will uns den Kopf abschlagen»

Wengens OK-Chef Urs Näpflin geht von einem Sieg vor Gericht aus. Und er sieht eine Möglichkeit, Rennen ohne Unterstützung des Verbandes durchführen zu können.

«Wir wurden auf dem falschen Fuss erwischt»: OK-Präsident Urs Näpflin findet das Verhalten des Verbandes inakzeptabel.
«Wir wurden auf dem falschen Fuss erwischt»: OK-Präsident Urs Näpflin findet das Verhalten des Verbandes inakzeptabel.
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Urs Näpflin, wird es 2022 Rennen am Lauberhorn geben?

So wie es jetzt aussieht: nein! Es ist eine riesige Enttäuschung, ein gewaltiger Affront seitens Swiss-Ski. Das Vorgehen ist absolut unverständlich. Und das nach dem 90-Jahr-Jubiläum, nach dem Sieg von Beat Feuz.

Swiss-Ski hat Wengen aus dem Langzeit-Weltcupkalender des internationalen Skiverbandes FIS streichen lassen. Hatten Sie dieses Szenario für möglich gehalten?

Wir wurden auf dem falschen Fuss erwischt. So geht man doch nicht mit seinen Partnern um. Zum Glück hat uns die FIS vorgewarnt, Swiss-Ski wollte sogar, dass wir nicht informiert werden. Mit den Verantwortlichen haben wir seit Monaten keinen direkten Kontakt. Nun packt Swiss-Ski den Zweihänder aus und will uns den Kopf abschlagen – das ist skandalös.

Ihre Vorwürfe sind happig

... zurecht. Wir haben das Gespräch zuletzt mehrmals gesucht. Vom Internationalen Sportschiedsgericht (TAS) sind die Parteien im Zwischenurteil aufgefordert worden, gemeinsam an einen Tisch zu sitzen. Bis jetzt war das wegen Swiss-Ski nicht möglich. Der Streit ist eskaliert, die Atmosphäre nun vergiftet und die Situation blockiert. So bleibt uns nichts anderes übrig, als den Fall ans TAS zurückzugeben.

«Nach dem inakzeptablen Vorpreschen des Verbandes sind die Fronten nun richtig verhärtet, ich zweifle an einer einvernehmlichen Lösung.»

Urs Näpflin

Experten meinen, Swiss-Ski dürfte den Streit vor Gericht verlieren.

Zum laufenden Verfahren will ich nichts sagen.

Aber hat Swiss-Ski nicht deshalb die Rennen streichen lassen, weil befürchtet wird, dass mehr bezahlt werden muss?

Basierend auf dem Zwischenurteil könnte man zu diesem Schluss kommen, ganz klar. Nach dem inakzeptablen Vorpreschen des Verbandes sind die Fronten nun richtig verhärtet, ich zweifle an einer einvernehmlichen Lösung.

Mit Verlaub, den Schritt vors TAS hat 2018 Wengen eingeleitet.

Sicher, und der war richtig. Wir sind ganz klar der Meinung, dass uns mehr Geld von Swiss-Ski zusteht, vor allem aus den TV-Rechten. Wir sprechen da von einem Betrag in der Grössenordnung von einer Million. Es ist nicht so, dass wir keinerlei Kompromisse eingehen würden. Aber womöglich kommt das TAS gar zum Schluss, dass die Million deutlich zu wenig ist. Wichtig ist, dass der Verteilschlüssel gemeinsam festgelegt wird. Natürlich braucht Swiss-Ski Geld, welches in die Ausbildung der Athleten investiert wird. Das ist alles gut und recht. Aber wir sind nicht mehr im Mittelalter, wo man das Gegenüber einfach einen Kopf kleiner machen kann.

Ein Werbebogen über dem Hundschopf? Die Verantwortlichen der Lauberhornrennen müssen kommerzieller denken.
Ein Werbebogen über dem Hundschopf? Die Verantwortlichen der Lauberhornrennen müssen kommerzieller denken.
Foto: Christian Pfander

Trotz Zuschauerrekord resultierte 2019 ein Minus von 270000 Franken. Mit einem Werbebogen über dem Hundschopf liesse sich eine grössere Summe generieren. Tradition in Ehren, aber müsste sich Wengen nicht endlich der Zeit anpassen?

Ich verstehe diese Sichtweise. Uns wird vorgeworfen, nicht kommerziell zu denken, stets nur die hohle Hand zu machen. Im Zwischenurteil des TAS steht, dass wir uns in dieser Hinsicht bewegen müssen. Es wurde uns quasi als Pflicht in Auftrag gegeben. Also werden wir das tun. Es ist ein Geben und Nehmen.

Immer wieder hörbar ist die Forderung nach zusätzlichen Kantonsgeldern.

Wir dürfen nicht mehr Steuergelder verlangen, wenn wir den Konflikt mit Swiss-Ski nicht lösen können. Der Kanton hat uns klar signalisiert, dass die Einnahmen des Events erst einmal gerecht verteilt werden müssen. Und genau das ist eben nicht der Fall.

«Verliert die Schweiz die Rennen, wäre das der Super-Gau. Dann sage ich nur: gute Nacht!»

Urs Näpflin

Haben Sie die Bedeutung von Wengen überschätzt? Lebten Sie zu lange im Glauben, dass die Lauberhorn-Rennen per se nicht in Frage gestellt würden?

Sicher nicht. Wir haben ja alles dafür unternommen, damit dieser Konflikt so lange wie möglich nicht publik wird. Es war nie unser Ziel, Druck aufzubauen, die Öffentlichkeit auf unsere Seite zu ziehen. Aber jetzt ist die Ausgangslage anders. Jetzt ist es ernst. Jetzt ist es eskaliert.

Was können Sie gegen die Anpassungen im Langzeit-Weltcupkalender tun?

Grundsätzlich wenig. Aber es gibt hin und wieder Events, die nicht wie üblich via Landesverband, sondern direkt von der FIS an einen Ausrichter vergeben werden. Wir werden sicher einen entsprechenden Antrag stellen. Die FIS muss sich dann gut überlegen, ob sie solch eine Veranstaltung aufs Spiel setzen will. Wir werden alles tun und hart kämpfen, um weiterhin Rennen austragen zu können.

Befürchten Sie einen grossen Imageschaden?

Der wird gewaltig sein. Es wird nur Verlierer geben – genau das wollten wir verhindern. Swiss-Ski glaubt, dass die Rennen bestimmt in der Schweiz bleiben werden, wenn im Kalender ein Platzhalter «SUI» versehen wird. Aber das ist nicht garantiert. Verliert die Schweiz die Rennen, wäre das der Super-Gau. Dann sage ich nur: gute Nacht!