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Coronavirus in der Schweiz+++ Wirtschaft warnt vor Mini-Lockdown +++ Schwyzer Jodler wehren sich

Betroffene Personen werden im Wallis «wahrscheinlich einige Tage später» vom Contact-Tracing informiert. Nationale Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach einer kurzen Verschnaufpause Ende September steigt die Zahl der Corona-Ansteckungen in der Schweiz explosionsartig an.

  • Der Bundesrat empfiehlt deshalb Homeoffice für die ganze Schweiz soweit möglich.

  • Zusätzlich erliess er eine Maskenpflicht für Innenräume.

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Schwyzer Jodler wehren sich gegen Schuldzuweisungen

In Schwyz steigen die Neuinfektionen so rasant wie in kaum einem anderen Kanton in der Schweiz. Als Treiber der Ansteckungen gilt unter anderem ein Jodelmusical von Ende September, an welchem knapp 600 Menschen teilgenommen hatten. Der Veranstalter und Darsteller des Musicals, Erwin «Buba» Bertschy, wehrte sich im «Blick» nun gegen Schuldzuweisungen.

«Dass uns der Schwarze Peter von allen Seiten zugeschoben wird, ist total unfair. Wir haben nichts falsch gemacht und die Vorschriften des BAG eingehalten», meinte Bertschy am Mittwoch gegenüber der Zeitung. Zu Ansteckungen habe es auch an der Beizen-Freinacht kommen können, welche am selben Abend wie das Musical stattgefunden habe, so Bertschy.

Schwyzer Behörden bestätigten dies gegenüber dem «Blick». «Es ist uns bekannt, dass verschiedene Anlässe stattgefunden haben, welche das Potenzial hatten, dass sich das Covid-19-Virus weiter ausbreitet. Es gibt Mutmassungen, aber keine Beweise, dass ein Anlass zu vermehrten Ansteckungen geführt hat», sagte Roland Wespi, Vorsteher des Amtes für Gesundheit und Soziales des Kantons Schwyz.

Noch immer gilt also das Jodelmusical in Schwyz als Epizentrum des starken Anstiegs der Fallzahlen im Kanton. Die Mischung aus tanzenden und singenden Menschen, einem besonders virenlastigen Jodlers (einem sogenannten Superspreader) und einer unvorteilhaften Lüftung haben laut dem Aerosolexperten Michael Riediker dazu beigetragen, dass sich das Virus besonders einfach ausbreiten konnte.

Eidgenössisches Jodlerfest 2017 in Brig VS.
Eidgenössisches Jodlerfest 2017 in Brig VS.
Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

«Meine Berechnungen ergeben für einen super-emittierenden Jodler und einen Luftwechsel pro Stunde die Menge von 5500 Viren, die ein Zuschauer in einer Stunde inhaliert. Das ist mehr als zehn Mal mehr als die Dosis, die noch ein kleines Risiko zu sein scheint und klar im Bereich anderer Super-Spreader-Events», sagte Riediker im Interview mit den Zeitungen von «CH Media». «Selbst wenn die Lüftung die Luft drei Mal wechselt, werden noch 3500 Viren pro Stunde inhaliert.»

Lesen Sie dazu: Studie zu Infektionswegen – Aerosol-Ansteckungen sind selten, haben aber Superspreader-Potenzial

Viele Events stellen kein grosses Risiko dar

Die Deckenlüftung im Saal habe dazu geführt, dass sich die Luft auf der Bühne mit derjenigen im Publikum vermischte, ehe sie abgesogen wurde. Besser wäre laut Riediker eine Quellbelüftung, bei der sich die Bühnenluft erst weiter oben im Raum mit der Abluft aus dem Zuschauerbereich mischt. Helfen könnte laut Riediker auch ein Luftreiniger, welcher in den Bühnendekorationen versteckt würde.

Viele Events stellten coronamässig jedoch kein grosses Risiko dar, so Riediker. «Es spielt eine grosse Rolle, wie viel geredet oder gesungen wird und wie stark die Personen auf der Bühne aktiv sind.» Bei einer Vorstellung im Schauspielhaus Zürich etwa sei dies viel weniger intensiv. «Dort ist nicht nur die Lüftung besser, sondern wir erwarten auch viel geringere Emission von möglicherweise virenhaltigen Aerosolen.»

«Es verträgt keinen weiteren Lockdown»

Wegen der steigenden Fallzahlen prüft der Bund einen ein- bis zweiwöchiger Kurz-Lockdown, ein sogenannter «Circuit Breaker», um die Ausbreitung zu stoppen. Der Bundesrat noch heute Mittwoch darüber, was getan werden könnte, wenn die bisherigen Massnahmen nicht reichen.

Nun wird aber bereits Kritik an einem «Circuit Breaker» laut. «Für die Wirtschaft wäre ein Kurz-Lockdown verheerend», sagt Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch gegenüber dem «Blick». Auch bei wenigen Wochen Unterbruch befürchtet Minsch «massive soziale und wirtschaftliche Schäden».

Der 52-Jährige bezieht sich auf das sogenannte Schweden-Modell. Die Skandinavier hätten bewiesen, dass man auch ohne Lockdown die Fallzahlen senken könne.

Ökonomen warnen vor «Kurzschlussentscheidungen»

Auch Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen, steht Kurz-Lockdowns kritisch gegenüber. Die Wirtschaft werde wegen der zweiten Welle weiter schrumpfen, prognostiziert er. «Die Erholung braucht bedeutend länger, als viele angenommen hatten. Da verträgt es keinen weiteren Lockdown, sei er noch so kurz», wird Näf im Bericht zitiert.

Dies bekräftigt der Chefökonom der UBS, Daniel Kalt: «Jegliche weitere Schliessung raubt noch mehr Betrieben die Chance, das Jahr halbwegs schadlos über die Runden zu bringen.» Solange die Spitäler nicht überlastet seien, warnt Kalt daher vor «Kurzschlussentscheidungen».

Lesen Sie hier zum Thema: Bundesrat diskutiert Lockdown-Szenario

Coronazahlen in Schwyz steigen stark

In den Zentralschweizer Kantonen entwickeln sich die Coronafallzahlen uneinheitlich. In Obwalden wurde am Montag kein neues positives Testergebnis registriert, im Kanton Schwyz dagegen wurden 90 weitere Personen positiv auf das Coronavirus getestet. In Schwyz nahm die Zahl der Coronafälle damit von 1596 auf 1686 zu. Zudem starben drei weitere Personen im Zusammenhang mit der Viruserkrankung.

Im Kanton Luzern kamen zu den am Montag vermeldeten 2160 Fällen 164 neue dazu. In Zug waren es 52, dort wurden seit Beginn der Pandemie 1014 Personen positiv getestet. Nidwalden vermeldete 11 neue Fälle (total 287) und Uri 6 (total 238).

Spitäler sind wachsam

Mit den rasant steigenden Corona-Fallzahlen in der Schweiz kommt vielerorts die Frage auf, ob die Spitäler für allenfalls steigende Hospitalisierungen gerüstet sind. Diese seien bereit und wachsam, heisst es beim Spitalverband H+. In der zweiten Welle der Hospitalisierung wird die Koordination zwischen den Spitälern zentral sein.

Die Situation sei noch unter Kontrolle und die Spitäler seien bereit, sagte Anne-Geneviève Bütikofer, Direktorin des Spitalverbands H+ am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Nervosität gebe es nicht. Natürlich könne es aber in einzelnen Institutionen anders aussehen. So hatten in den vergangenen Tagen die Kantone Schwyz und Wallis auf ihre bald kritische Lage in den Spitälern hingewiesen.

Die Erfahrungen der ersten Welle hätten gezeigt, dass die Kapazitäten genügen sollten, sagte Büttikofer. 1000 Intensivpflegestellen mit entsprechend ausgerüsteten Betten und ausgebildetem Personal stehen grundsätzlich zur Verfügung.

Rund 700 sind derzeit belegt, 100 davon mit Covid-Patienten, wie Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD), am Dienstag am Point de Presse der Fachbehörden zum Corona-Virus sagte.

Provisorische Intensivstationen möglich

Die Spitäler könnten nach der ersten Phase der Corona-Pandemie nun agiler handeln und seien auf dynamische Entwicklungen vorbereitet, sagte Bütikofer weiter. Was das heisst, beschrieb Stettbacher. Die Spitäler könnten die Kapazitäten mit improvisierten Intensivpflegeplätzen erhöhen. Er geht davon aus, dass zwischen 500 und 800 zusätzliche Plätze bereitgestellt werden können. Auch materiell seien die Spitäler ausgerüstet, sie hätten Vorräte beschaffen können.

Contact-Tracing-Team im Wallis stösst an seine Grenzen

Das Walliser Contact-Tracing-Team hat angesichts der rapide steigenden Coronavirus-Ansteckungen Mühe, mit der Entwicklung mitzuhalten. Es ruft Infizierte dazu auf, enge Kontaktpersonen persönlich zu warnen.

«Dies erlaubt es uns, keine Zeit zu verlieren und so schnell wie möglich alle Betroffenen zu warnen, damit sie sich in Quarantäne begeben und im Falle von Symptomen getestet werden können», sagte Nicolas Troillet, Leiter der Walliser Einheit für übertragbare Krankheiten, am Dienstag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die betroffenen Personen würden zwar vom Contact-Tracing-Team kontaktiert, aber wahrscheinlich erst einige Tage später, sagte er weiter.

Ansteckungen im Freundeskreis

In den letzten rund zehn Tagen haben der Leiter für Infektionskrankheiten des Spital Wallis und sein Team eine Zunahme der kleinen Infektionsherde in Freundeskreisen oder Vereinen mit anschliessender sekundärer oder sogar tertiärer Übertragung festgestellt.

Ein Mann arbeitet im Contact Tracing des Kantons Zürich. (12. Oktober 2020)
Ein Mann arbeitet im Contact Tracing des Kantons Zürich. (12. Oktober 2020)
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

«Aber es ist schwierig, die Ketten zu rekonstruieren. Erstens, weil es viele Fälle gibt, aber auch, weil sie überall aus dem Boden schiessen», erklärte Troillet. Nach seiner Meinung zeigt dies die Grenzen des Contact-Tracing auf und wie wichtig es ist, andere gesundheitspolitische Massnahmen zu ergreifen.

Beruhigend sei, dass der Kanton Wallis seine maximale Testkapazität noch nicht erreicht habe. In absehbarer Zeit soll diese zudem mit der Anschaffung neuer Geräte erhöht werden.

Maskenpflicht in Schulen ausgeweitet

Der Kanton Baselland weitet die Maskentragpflicht aus. Ab Mittwoch müssen Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe ausserhalb der Unterrichtsräume eine Maske tragen. Für Erwachsene gilt auf sämtlichen Arealen der Primar- und Sekundarschulen eine Maskentragpflicht.

Die Maskentragpflicht ausserhalb der Unterrichtsräume gelte für Sekundarschülerinnen und -schüler, weil sich dort die Klassen vermischen würden und die Rückverfolgbarkeit der Kontakte nicht gewährleistet werden könne, teilte die Baselbieter Bildungs-, Kultur-, und Sportdirektion am Dienstag mit. Während des Unterrichts dürfen die Jugendlichen ihre Masken aber ablegen.

Schüler eines Gymnasiums in Genf tragen während des Unterrichts Schutzmasken.
Schüler eines Gymnasiums in Genf tragen während des Unterrichts Schutzmasken.
Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone)

Lehrpersonen der Primar- und Sekundarstufe dürfen ihre Masken in Unterrichts- und Besprechungszimmern hingegen nur ablegen, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Zudem sind gemäss Mitteilung Lager und Schulreisen mit Übernachtungen bis Ende Jahr nicht erlaubt.

Appenzell Ausserrhoden führt Maskenpflicht für Lernende ein

Appenzell Ausserrhoden führt ab Mittwoch auch für Lernende die Maskenpflicht auf dem Schulareal ein. Die neue Regelung gilt ab der Sekundarstufe 1 und soll zur Eindämmung des Coronavirus beitragen. Das Departement Bildung und Kultur wolle damit eine kantonsweit einheitliche Umsetzung gewährleisten, heisst es in der Mitteilung der Kantonskanzlei am Dienstag.

Auf Masken kann verzichten werden, wenn am Arbeitsplatz im Schulzimmer gearbeitet wird, der Abstand von 1,5 Metern beim Essen oder Trinken eingehalten wird oder in der Pause eine sportliche Aktivität ohne lange und nahe Kontakte ausgeübt wird, wie es weiter heisst.

Maskenempfehlung für Erwachsene an St. Galler Schulen

In den St. Galler Volksschulen sollen Erwachsene auf den Verkehrsflächen – nicht in den Schulzimmern – Masken tragen. Dies empfiehlt die Regierung den Gemeinden. Grossveranstaltungen – Spiele des FC St. Gallen und der Rapperswil-Jona Lakers – bleiben weiter möglich.

Regierungspräsident Bruno Damann (CVP) informierte am Dienstag über die angepassten Massnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus. Die Regierung setze im wesentlichen auf die vom Bund erlassenen neuen Bestimmungen, wie einer allgemeinen Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen.

«Der Bundesrat und wir glauben, dass wir mit diesen Massnahmen das Virus stärker bändigen können», sagte Damann. Von der Maskenempfehlung für die Volksschulen ausgenommen sind die Schülerinnen und Schüler. Für Mittelschulen und Berufsfachschulen gilt seit Anfang Woche eine Maskenpflicht auf den Verkehrsflächen.

Grossveranstaltungen bleiben in St. Gallen weiterhin möglich. Gemäss aktuellen Daten habe sich bis jetzt keine Person an einer Grossveranstaltung mit dem Coronavirus angesteckt, hiess es. «Die strengen Schutzkonzepte des FC St.Gallen und der SC Rapperswil-Jona Lakers, funktionieren sehr gut», sagt Damann. «Aber die Fans haben es in der Hand.»

Bruno Damann, Regierungspräsident des Kanton St. Gallen, spricht an einem Point de Presse zur Covid-Situation. (12. Oktober 2020)
Bruno Damann, Regierungspräsident des Kanton St. Gallen, spricht an einem Point de Presse zur Covid-Situation. (12. Oktober 2020)
Foto. Peter Schneider (Keystone)

Man müsse sich wieder so verhalten wie im April. «Wir müssen uns nun zurück nehmen, auch für die Wirtschaft», sagt Damann. Der Kanton stehe ständig im Kontakt mit dem Bund. «Wir glauben an die Massnahmen des Bunderats. Unser oberstes Ziel ist es, die Spitäler vor der Überlastung zu schützen.»

Bestehen bleibt das das vergangene Woche verfügte Tanzverbot. Daten aus dem Contact Tracing zeigten, dass sich viele Personen in Clubs ansteckten. Beim Tanzen bestehe eine erhöhte Ansteckungsgefahr, hiess es an der Medienkonferenz.

BAG meldet 3008 Neuansteckungen

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag 3008 Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden. Die Positivitätsrate beträgt 21,1 Prozent bei 14'224 neu gemeldeten Tests.

Die Schweiz im Vergleich:

Zudem registrierte das BAG gemäss Mitteilung 8 Todesfälle und 53 Spital-Einweisungen. Allein im Kanton St.Gallen haben sich die Hospitalisierten innerhalb von 7 Tagen fast verdreifacht — von 20 auf 55.

Am Freitag und für das Wochenende waren beim BAG pro Tag rund 2912 bestätigte Fälle von Neuansteckungen gemeldet worden. Gleichzeitig steigt auch die Positivitätsrate an: Über die vergangenen zwei Wochen gesehen fiel das Resultat nach Angaben des BAG bei 14,3 Prozent aller Tests positiv aus.

In der Schweiz und in Liechtenstein wurden bisher 1'646'512 Tests auf Sars-CoV-2 durchgeführt, den Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19. Seit Beginn der Pandemie gab es insgesamt 86'167 laborbestätigte Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus.

Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung waren am Dienstag nach Angaben des BAG 7407 Personen in Isolation und 12'933 Menschen standen unter Quarantäne. Zusätzlich sassen 11'942 Heimkehrerinnen und Heimkehrer aus Risikoländern in Quarantäne.

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Über 100 Basler Schülerinnen und Schüler in Quarantäne

Im Kanton Basel-Stadt haben zum Wochenstart über hundert Schülerinnen und Schüler wegen positiv getesteten Lehrpersonen in Quarantäne geschickt werden müssen. Die Gesamtzahl der registrierten Neuinfektion stieg am Dienstag um 19 auf 1686 Fälle an.

Betroffen sind die Sekundarschule Vogesen sowie mehrere Primarschulen, wie das Basler Gesundheitsdepartement am Dienstag in seinem Corona-Bulletin bekanntgab. In der Sekundarschule gab eine positiv getestete Lehrperson und eine in der Folge erkrankte Schülerin den Ausschlag für die Quarantäne für 60 Betroffene.

In den nicht namentlich genannten Primarschulen hätten rund 50 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen in Quarantäne geschickt werden müssen. Bei weiteren positiven Fällen in anderen Schulen hätten keine Klassenquarantänen verfügt werden müssen, weil die Schutzkonzepte der Schulen eingehalten worden seien.

Walliser Arzt über Situation in Spitälern: «Bin nicht sehr optimistisch»

Im Wallis steigen die Infektionszahlen so schnell an wie in keinem anderen Kanton in der Schweiz, was sich auch in den Hospitalisationen niederschlägt. Die Zahl der Spitalaufenthalte hat sich gemäss einer Mitteilung des Spital Wallis seit dem 16. Oktober täglich verdoppelt. Vier von insgesamt 13 Operationssälen im französischsprachigen Spitalzentrum wurden geschlossen, um die Bettkapazitäten zu erhöhen.

Der dortige Leiter Infektionskrankheiten und stellvertretende Kantonsarzt Nicolas Troillet sieht dieser Entwicklung mit Sorge entgegen. Eine Überforderung des Spitals scheint realistisch: «Wenn ich sehe, wie sich die Zahlen ausserhalb der Spitäler entwickeln, bin ich nicht gerade optimistisch», sagte Troillet im Interview mit «watson».

Die vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen müssten nun umgesetzt werden. Ob sie nützen, sehe man jedoch erst in zwei Wochen, meinte der Walliser. «Bis dahin gehe ich davon aus, dass die Hospitalisierungszahlen weiter ansteigen werden. Darauf müssen wir und die Spitäler in anderen Kantonen vorbereitet sein.»

Lesen Sie hier, wie sich die Spitäler schweizweit für den Ansturm an neuen Covid-19-Patienten rüsten

Die Intensivstationen der Spitäler wie hier am Centre hospitalier universitaire vaudois (Chuv) beginnen sich wieder zu füllen.
Die Intensivstationen der Spitäler wie hier am Centre hospitalier universitaire vaudois (Chuv) beginnen sich wieder zu füllen.
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Mit der prekären Lage im Frühling lasse sich die momentane Situation jedoch nicht vergleichen, meinte Troillet. «Inzwischen wissen wir mehr über das Virus und wir haben bessere Behandlungsmöglichkeiten.»

Zudem verfüge man im Unterschied zum Frühjahr über genügend Schutzmaterial und eine nationale Koordination der Intensivstationen. Gehe der Platz in einem Spital aus, könnten Patienten an einem anderen Ort behandelt werden. «Wir sind also insgesamt besser aufgestellt als noch vor einigen Monaten.»

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Armeechef Thomas Süssli in Isolation

Der Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Er befindet sich seit Montag in Isolation, wie die Gruppe Verteidigung am Montagabend mitteilte.

Armeechef Thomas Süssli.
Armeechef Thomas Süssli.
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Aufgrund des Kontakts mit einer positiv auf das Coronavirus getesteten Person habe sich Süssli am Montag einem Test unterzogen. Das Resultat sei positiv ausgefallen, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Der Chef der Armee habe zurzeit keine Symptome und führe die Geschäfte von zu Hause aus fort. Sein Stellvertreter, Korpskommandant Aldo Schellenberg, sei bereit, allfällige Aufgaben zu übernehmen.

Schärfere Massnahmen im Kanton Aargau

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus beschränkt der Kanton Aargau die Zahl der Anwesenden in Bars und Clubs auf 50 Personen. Die Maskenpflicht gilt in den Lokalen auch für sitzende Personen.

Die Veranstalter von privaten Anlässen müssen im Aargau auch bei weniger als 15 Personen die Kontaktdaten der Anwesenden erheben, wie das kantonale Departement Gesundheit und Soziales (DGS) am Montag mitteilte. Diese Regeln gelten am Dienstag, 18.00 Uhr.

An den Volksschulen und sämtlichen Bildungseinrichtungen der Sekundarstufe II gilt ab Mittwoch eine erweiterte Maskentragpflicht für Erwachsene in Schulgebäuden.

Die zusätzlichen Massnahmen hätten das Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen oder zu verlangsamen, hält das DGS fest.

Yvonne Hummel, Kantonsärztin des Kantons Aargau.
Yvonne Hummel, Kantonsärztin des Kantons Aargau.
Foto: Keystone
8737 Neuansteckungen innert drei Tagen

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) für Freitag bis Sonntag 8737 Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden. Die Positivitätsrate beträgt 16,1 Prozent bei 54'185 neu gemeldeten Tests. Am Freitag wurden 3105 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet. Zudem registrierte das BAG gemäss Mitteilung vom Montag innerhalb der drei Tage 14 Todesfälle und 171 Spital-Einweisungen.

Am vergangenen Montag waren für das Wochenende 4068 neue Ansteckungen mit dem Sars-CoV-2-Virus gemeldet worden und vor zwei Wochen deren 1548.

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Seit Beginn der Pandemie gab es insgesamt 83'159 laborbestätigte Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus, wie das BAG am Montag weiter mitteilte. Insgesamt 5447 Personen mussten wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung stieg auf 1837.

In der Schweiz und in Liechtenstein wurden bisher 1'632'288 Tests auf Sars-CoV-2 durchgeführt, den Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19. Gegenüber Freitag wurden dem BAG 54'185 neue Tests gemeldet.

Über die vergangenen zwei Wochen gesehen, fiel das Resultat bei 13,4 Prozent aller Tests positiv aus. Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung waren am Montag nach Angaben des BAG 7367 Personen in Isolation und 13'039 Menschen standen unter Quarantäne. Zusätzlich sassen 12'015 Heimkehrerinnen und Heimkehrer aus Risikoländern in Quarantäne.

Die Schweiz im Vergleich:

Maskenverweigerer wird in Luzern in Handschellen abgeführt

Am vergangenen Samstag wurde ein Maskenverweigerer im Luzerner Emmen Center festgenommen. Wie der «Blick» berichtet, weigerte sich der Mann, beim Betreten eines Restaurants eine Schutzmaske anzuziehen.

Nachdem er mehrere Minuten lang mit Sicherheitsleuten des Einkaufszentrums diskutierte, kamen zwei Polizeibeamte hinzu. «Nach weiteren 20 Minuten haben ihn die Polizisten auf dem Boden fixiert und Handschellen angelegt. Anschliessend wurde er mit einem Rollstuhl aus dem Gebäude gefahren», wird ein Augenzeuge zitiert.

Laut Polizei wollte der Mann eine ihm angebotene Maske nicht tragen und zeigte sich unkooperativ. Als ihn die Beamten aus dem Gebäude führen wollten, liess er sich auf den Boden fallen. Anschliessend soll er auch den Amtsarzt beschimpft haben. «Der Mann wurde jedoch nicht festgenommen, weil er keine Maske trug, sondern weil er das Gebäude trotz Hausverbot nicht verlassen wollte», sagt der Polizeisprecher gegenüber dem «Blick».

Corona-Skeptiker strafen Spital Schwyz mit schlechten Bewertungen

Das Video der Spitaldirektorin Schwyz verbreitete sich vergange Woche wie ein Lauffeuer. Innert Minuten erfuhr das ganze Land, dass die Corona-Lage im zentralschweizer Kanton ernst ist. Die 25 Betten auf der Isolationsstation waren am Mittwoch fast alle belegt – doch laufend wurden weitere Covid-19-Patienten eingeliefert. Die Botschaft der Spitaldirektion: Halten Sie sich an die Regeln. Helfen Sie mit!

Das Video polarisiert noch heute im Kanton. Die Direktorin erhielt neben Zuspruch auch viele negative Reaktionen. Nun strafen Corona-Skeptiker das Spital mit schlechten Google Bewertungen. Wie Screenshots auf Twitter zeigen, stellen einige Personen dem Spital wegen des «Lügenberichts» oder der «Angstmacherei» eine Ein-Sterne-Rezension aus — die schlechteste im Bewertungstool.

Google scheint mittlerweile reagiert zu haben. Die meisten der negativen Bewertungen wurden wieder gelöscht.

Lesen Sie dazu: Ein Musical, Jodler und die Stubete – so wurde Schwyz zum Corona-Hotspot

Zürich startet Pilotversuch mit Corona-Tests in der Apotheke

Die Zürcher Gesundheitsdirektion startet einen Pilotversuch: Vier Apotheken im Kanton führen neu Corona-Tests durch. Zum Testen in die Apotheke sollte jedoch nur, wer keine oder nur leichte Symptome hat.

Vorsteherin Natalie Rickli (SVP) kündigte den Pilotversuch in der Kantonsratsdebatte vom Montag an.

Aktuelle News rundum das Coronavirus in Zürich finden Sie hier.

Oberster Kantonsarzt: Massnahmen sind «etwas spät gekommen»

Die vom Bundesrat verschärften Massnahmen sind für den Präsidenten der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, Rudolf Hauri, «etwas spät gekommen» – es sei zwölf Uhr, wenn nicht sogar fünf nach zwölf gewesen, um zu handeln.

Hauri hofft, dass damit die Situation wieder in den Griff bekommen werden kann, wie er am Montag in der Sendung «HeuteMorgen» von Radio SRF sagte. Dies hänge davon ab, wie die Massnahmen angenommen und umgesetzt würden und wie die Bevölkerung diese mittrage. Hauri ist diesbezüglich zuversichtlich: «Wir gehen davon aus, dass der Grossteil der Bevölkerung durchaus den Sinn den Massnahmen einsieht, auch den Sinn der Bekämpfung des Virus versteht und deshalb die Massnahmen einhält und befolgt.»

Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte spricht während einer Medienkonferenz des Bundesrates zur aktuellen Lage im Zusammenhang mit dem Coronavirus. (16. Oktober 2020)
Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte spricht während einer Medienkonferenz des Bundesrates zur aktuellen Lage im Zusammenhang mit dem Coronavirus. (16. Oktober 2020)
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Die am Sonntag vom Bundesrat angekündigten Massnahmen, die seit Montag gelten, seien nötig, denn eine schweizweite Vereinheitlichung habe sich angezeigt. Das Virus habe sich weitgehend über die Schweiz verbreitet. Die Massnahmen seien aber «sicher etwas spät» gekommen, die Zahl der Ansteckungsfälle sei sehr schnell explodiert. Aus Sicht der Kantonsärzte habe der Bundesrat die Kantone damit entlastet und nicht entmachtet.

Betreffend Grossveranstaltungen sagte Hauri, dass die Schutzkonzepte von vielen Vereinen sehr gut umgesetzt und eingehalten würden. «Ich kann nachvollziehen, dass Grossveranstaltungen im Moment noch nicht auf Bundesebene eingeschränkt werden, aber das kann kommen.» Doch es könne unterschiedliche Situationen in den Kantonen geben.

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Praktische Tipps zu Corona: Vom Virenschutz bis zu den Symptomen – was Sie jetzt wissen müssen

Weniger Firmenpleiten im September

Noch schlägt sich die Corona-Krise dank den Hilfsmassnahmen der Schweizer Regierung nicht in den Zahlen zu Firmenpleiten und Neugründungen nieder. Die Zahl der Konkurse war im September erneut rückläufig.

Im September 2020 meldeten schweizweit 381 Firmen Insolvenz an, was gegenüber dem Vergleichsmonat im Vorjahr einem Minus von 16 Prozent entspricht, wie der Wirtschaftsinformationsdienst Bisnode D&B am Montag mitteilte. Zählt man die Konkurse aus organisatorischen Gründen (OR 731b) hinzu, ergibt sich eine Gesamtzahl an Firmenkonkursen von 520, was ebenfalls einem Minus von 16 Prozent gleichkommt.

Betrachtet man die Zeitspanne seit Jahresbeginn, so zählt Bisnode D&B 2'760 Eröffnungen von Konkursverfahren aufgrund einer betrieblichen Insolvenz. Über die ersten neun Monate des Jahres sind diese damit um 21 Prozent zurückgegangen. Eine Zunahme gab es lediglich in den vier Kantonen Nidwalden, Appenzell Innerhoden, Schaffhausen und Thurgau. Inklusive der organisatorischen Konkurse traf es 4'156 Unternehmen oder 16 Prozent weniger als im Vorjahr.

Unterschiede bei den Branchen

Bei der Betrachtung nach Branchen zeigen sich indes Unterschiede. Besonders hoch war die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit in der Holz- und Möbelindustrie, im Baugewerbe, im Gastgewerbe und bei den Handwerksbetrieben; besonders gering dagegen in den Bereichen Sozialdienst und Gesundheitsdienst.

Auf der anderen Seite kam es im September zu 3'791 Neugründungen von Unternehmen oder 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Trotz des Lockdowns im Frühjahr wurden damit über die ersten neun Monate mit 33'573 etwa 2 Prozent mehr Neuunternehmen ins Leben gerufen als im Vorjahr.

Kanton Bern verbietet Grossevents

Im Kanton Bern werden Grossveranstaltungen ab Montag verboten. Die Behörden haben die entsprechende Ampel auf Rot gestellt. Damit sind wieder erneut maximal 1000 Personen in den Fussball- und Hockeystadien in Bern und Biel erlaubt.

Die Fallzahlen im Kanton Bern verdoppelten sich derzeit in weniger als einer Woche, teilten die Behörden am Sonntag mit. Stark angestiegen seien zudem die Positivitätsraten durchgeführter Tests wie auch die Zahl der Hospitalisierten.

Das Ampelsystem berücksichtigt die Entwicklung der Fallzahlen, die Auslastung der Intensivplätze mit Covid-19-Patienten in den Spitälern sowie die Auslastung des Contact Tracing. Angesichts der neusten Entwicklung werde die Ampel ab Montag auf Rot gestellt. Damit können vorerst keine Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen mehr durchgeführt werden.

Ab nächster Woche sind im Stadion Wankdorf wieder nur maximal 1000 Zuschauer zugelassen.
Ab nächster Woche sind im Stadion Wankdorf wieder nur maximal 1000 Zuschauer zugelassen.
Foto: Peter Schneider (Keystone/Archiv)
Walliser Spitäler warnen

Die Walliser Spitäler kämpfen mit einer neuen Welle von Einweisungen. Die Zahl verdopple sich seit Freitag täglich, teilte Spital Wallis am Sonntag in einer Medienmitteilung mit. 60 Patienten befänden sich zur Zeit wegen Komplikation im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung in ihren Spitälern, vier seien auf der Intensivstation. Ausserdem seien im Spital in Saint-Maurice am Samstagabend sieben Corona-Fällen aufgetreten, sodass die Direktion eine Quarantäne aussprechen und bis auf Weiteres jegliche Besuche verbieten musste.

Weil im Durchschnitt 25 Prozent der hospitalisierten Person auf den Intenivstationen betreut werden müssten, befürchteten sie eine «dramatische» Überbelastung. Das Spitalzentrum des französischsprachigen Wallis (CHVR) sei deshalb auf die zweite von vier Alarmstufen seines Notfallplans übergegangen. Die Konsequenz davon sei, dass das CHVR seine Bettenkapazitäten für Covid-19-Fälle erhöhen müsse. Dadurch müssten Ressourcen für geplante Eingriffe reduziert und vier von 13 Operationssälen geschlossen werden. Im Oberwallis bleibe die Alarmstufe vorerst unverändert, «trotz einer deutlichen Zunahme» der Einweisungen in die beiden Spitäler des Spitalzentrums Oberwallis (SZO).

sda/reuters/red

6215 Kommentare
    Carmen Heidelberger

    Jetzt funktioniert das Contactracing nicht weil zuwenig Manpower da ist und gleichzeitig jammern andere rum, sie hätten wegen dem Lockdown nichts zu tun. Da ist sicher die EU schuld dran und die Zuwanderung.