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Anforderungen beim Kauf von Optionen erhöht Swissquote trifft wegen Gamestop Massnahmen

Marc Bürki, der CEO der Schweizer Online-Handelsplattform, geht davon aus, dass es zu weiteren Gamestop-Fällen kommen wird. Und er kritisiert die US-Plattform Robinhood.

Marc Bürki, CEO Swissquote, hat nach dem Gamestop-Fall Massnahmen getroffen und kritisiert die US-Plattform Robinhood für deren Umgang mit ihren Kunden.
Marc Bürki, CEO Swissquote, hat nach dem Gamestop-Fall Massnahmen getroffen und kritisiert die US-Plattform Robinhood für deren Umgang mit ihren Kunden.
Foto: Walter Bieri (Keystone)

Auch die Schweizer Online-Handelsplattform Swissquote hat die Folgen von Gamestop zu spüren bekommen. «Ja, wir trafen Massnahmen», sagte Firmenchef Marc Bürki in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» (Ausgabe vom Mittwoch).

Diese Massnahmen hätten jedoch dem Schutz der Kunden und nicht dem des eigenen Geschäfts gedient, betonte er. Konkret seien wegen der extremen Volatilität des Gamestop-Aktienkurses die Margenanforderungen beim Kauf von Optionen auf die Aktien erhöht worden. Dies sei der Betrag, den Anleger bei gehebelten Transaktionen als Sicherheit hinterlegen müssten. «Sonst hätte den Käufern der Optionen in diesem volatilen Umfeld schnell ein Totalverlust des Investments gedroht.»

Bürki geht davon aus, dass sich solche Fälle wiederholen werden. «Wir haben deshalb die Margenanforderungen für sämtliche Nebenwerte zum Schutz der Kunden erhöht.» Es handle sich um Aktien von Unternehmen mit einer geringeren Marktkapitalisierung und einem tieferen Handelsvolumen.

Kritik an Robinhood

Bürki übte Kritik am amerikanischen Online-Broker Robinhood, der den Handel mit Gamestop- und anderen Aktien plötzlich eingeschränkt hatte, als die Kurse nach oben geschossen waren: «Wir sind dagegen, dass man wie der sogenannte Zero-Broker Robinhood in den USA den Handel mit einzelnen Aktien willkürlich aussetzt. Das wäre unfair gegenüber den Kunden und ist überhaupt nicht in unserem Interesse.»

Das Aussetzen des Handels mit einzelnen Aktien sei nur gerechtfertigt, wenn dies vom Regulator so verfügt werde. Bei Swissquote sei der Kauf und Verkauf von Gamestop-Aktien zu jedem Zeitpunkt möglich gewesen, sagte Bürki.

Das Argument von Robinhood, dass sie aufgrund zusätzlicher Kapitalauflagen den Handel mit Gamestop-Aktien und anderen Valoren unterbrechen mussten, «überzeugt mich nicht», sagte Bürki: «Man kann als Broker jeden Handelsauftrag an der Börse platzieren, ohne dass es dafür zusätzliches regulatorisches Kapital brauchen würde.»

Wie die Hedge-Funds mehr Gamestop-Aktien leer verkaufen konnten, als tatsächlich existieren, sei für ihn schwer zu erklären, sagte Bürki. «Wenn man eine Aktie leer verkauft, muss man sie zum Ausübungszeitpunkt liefern können. Ich vermute aber, dass es sich um Optionshändler handelte, welche die Gamestop-Aktien indirekt leer verkauft haben.»

Als der Kurs dann aufgrund der WallStreetBets-Aktion in die Höhe gegangen sei, hätten sie plötzlich unter Zugzwang gestanden. «Weil es zu wenige Aktien auf dem Markt gab, kam es zu einem Short-Squeeze. Das scheint jetzt aber vorbei zu sein», sagte Bürki.

Robinhood leitet Aufträge an Hedge-Funds weiter

Für den CEO zeigt der Fall Gamestop auch «die Grenzen des Geschäftsmodells der Gratisbroker» auf: Robinhood könne seinen Nutzern kommissionsfreie Trades nur anbieten, weil es den Fluss an Handelsaufträgen nicht direkt an der Börse platziere. Der sogenannte Gratisbroker leite die Aufträge an Hedge-Funds weiter, die daraus relativ einfach einen Gewinn erzielen könnten und Robinhood dafür eine Provision bezahlten.

«In Europa ist ein solches Geschäftsmodell im Gegensatz zu den USA rechtlich nicht möglich. Deshalb konnten Zero-Broker hier bis jetzt kaum Fuss fassen – die Rechnung ging schlicht nicht auf», sagte Bürki. Auch Robinhood habe sein Experiment in England aus diesem Grund abbrechen müssen.

Wie CEO Bürki in einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «L’Agefi» erklärte, profitiert Swissquote auch von Hypes wie jene um Gamestop. «Am Montag hatten wir bei den Anfragen für Kontoeröffnungen einen der höchsten Werte», sagte er. Es seien rund 1'500 Gesuche eingegangen. In normalen Zeiten seien es nur rund 300 pro Tag.

SDA/anf

12 Kommentare
    Andreas Martin

    Der Witz der Sache ist, dass viele den Hype nicht mal unbedingt wegen des Geldverdienens mitgemacht haben, sondern um gewissen Hedgefonds eins auszuwischen, bzw. deren "Wette" auf sinkende Kurse zu durchkreuzen. So nach dem Motto "jetzt zeigen wir es dem bösen System aber mal". Gleichzeitig ist aber eine der dafür hauptsächlich benutzten Plattformen mit dem verführerischen Namen "Robin Hood" ein Vehikel, welches den "bösen" Hedgefonds zudient und ihnen Gewinne ermöglicht. Nicht dass dagegen etwas einzuwenden wäre, nur haben die wackeren Streiter wider die dunklen Mächte wohl nicht gewusst, dass Robin Hood dem Sheriff von Nottingham noch Geld zuschanzt. Klar, ein paar Hedgefonds oder andere werden Geld verloren haben, wenn das Szenario wirklich wie geplant gelaufen ist. Allerdings ist das Instrumentarium an der Börse recht komplex, und Profis werden kaum ohne jede Absicherung agiert haben.