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Zehn Monate im KomaTeenager weiss nichts von der Corona-Pandemie

Während seiner Genesung von einem Hirntrauma hat sich der 19-jährige Joseph Flavill zweimal mit dem Coronavirus infiziert. Von der Pandemie hat der Engländer aber keinerlei Kenntnis.

Ein Teenager, der aus einem zehnmonatigen Koma erwacht ist, hat keine Ahnung, dass es die Corona-Pandemie gibt – dies, obwohl er sich bereits zweimal mit dem Virus angesteckt hat. Der 19-jährige Joseph Flavill wurde am 1. März letzten Jahres von einem Auto angefahren, als er in Staffordshire, England spazieren ging.

Nachdem er ein Hirntrauma erlitten hatte, lag er Monate lang im Koma. Nun aber beginnt er sich laut einem Instagram-Post seiner Familie langsam zu erholen und zeigt erste körperliche Reaktionen. Der Teenager kann derzeit nur durch Blinzeln und Mundbewegungen kommunizieren. Sein erstes Lächeln habe die Familie zu Tränen gerührt. Ausserdem ist er nun in der Lage, auf Aufforderung seine Ohren zu berühren und seine Beine zu bewegen.

Kein Persönlicher Besuch möglich

Wegen der Corona-Pandemie ist es Flavills Familie zurzeit aber nicht einmal möglich, ihn im Spital zu besuchen. Das ist für die Familie schwierig – vor allem, weil er nicht versteht, was in der Zwischenzeit alles passiert ist.

«Er weiss nichts über die Pandemie, da er zehn Monate lang geschlafen hat. Sein Bewusstsein beginnt sich jetzt zu verbessern, aber wir wissen einfach nicht, was er noch alles weiss», sagt seine Tante Sally Flavill Smith dem «Guardian». «Ich habe keine Ahnung, wie Joseph begreifen soll, was wir in dieser Zeit alle durchgemacht haben.» Zum Zeitpunkt des Unglücks wurden in England nur 40 Fälle gemeldet. Drei Wochen später befand sich Grossbritannien im ersten nationalen Lockdown.

Die Familie habe immer wieder versucht, ihm per Videoanruf zu erklären, dass sie aufgrund der Einschränkungen durch das Coronavirus nicht in der Lage seien, persönlich bei ihm zu sein, hätten ihn aber nicht über das volle Ausmass der Pandemie informiert. Die Familie wolle ihm die Situation erklären, wenn sie ihn endlich persönlich besuchen können. Einzig an seinem 19. Geburtstag im Dezember durfte seine Mutter Sharon Flavill ihn in voller Schutzausrüstung und mit einem Sicherheitsabstand eine Stunde lang besuchen.

Während Genesung mit Corona infiziert

Während seiner Genesung infizierte sich der Teenager zweimal mit dem Coronavirus. Seine Familie sagte zu «Sky News», dass es ihm «sehr, sehr schlecht» ging, als er das erste Mal positiv getestet wurde und sie «nicht sicher waren, ob er es schaffen würde».

Vor dem Unfall war Flavill ein aktiver und sportlicher Teenager. Im Mai letzten Jahres hätte er im Buckingham Palace den goldenen «Duke of Edinburgh Award» erhalten. Dabei handelt es sich um die höchste Auszeichnung im Rahmen eines internationalen Jugendprogramms, dass jungen Menschen Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung gibt. Die Familie des Teenagers hat dank ihrer «Joseph’s Journey»-Kampagne bereits 30’000 Pfund gesammelt, mit dem Geld will sie die Genesung des 19-Jährigen finanzieren. «Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber die Schritte, die er in den letzten drei Wochen gemacht hat, sind absolut unglaublich», sagt seine Tante.

lif

2 Kommentare
    Patrik Schaub

    Glück im Unglück, nennt man das vermutlich.