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Terrorattacke in Wien+++ Österreich schliesst Moscheen +++ Durchsuchungen in Deutschland

Beim Terrorangriff in der Wiener Innenstadt sind offiziell fünf Menschen getötet worden, darunter der Angreifer. Österreich trauert, die Polizei ermittelt auf Hochtouren – die wichtigsten News im Ticker.

«Wir lassen uns nicht spalten»
Kanzler Sebastian Kurz hat in einer Medienkonferenz Stellung zum Angriff genommen.
Video: ORF

Das Wichtigste in Kürze:

  • In der Wiener Innenstadt fielen um 20 Uhr am Montagabend Schüsse.

  • Ein schwer bewaffneter Mann feuerte wahllos in die Menge und in Lokale.

  • Um 20.09 Uhr wurde er von der Polizei erschossen.

  • Vier Passanten und der Angreifer wurden getötet; 23 Personen trugen teils schwere Verletzungen davon.

  • Der getötete Angreifer war 20-jährig und wegen versuchter Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorbestraft. Er hatte sowohl einen österreichischen als auch einen nordmazedonischen Pass.

  • Konkrete Hinweise auf weitere Täter gibt es derzeit keine.

  • In Winterthur sind am Dienstag zwei Männer verhaftet worden. Ob es eine Verbindung zwischen den Verhafteten und dem Attentäter gibt, wird derzeit ermittelt.

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Österreich schliesst Moscheen

Nach islamistischen Anschlägen in Nizza und Wien reagieren die Sicherheitsbehörden in mehreren Ländern: Österreichs Regierung ordnete am Freitag nach Angaben von Integrationsministerin Susanne Raab die Schliessung einer Moschee und einer islamischen Organisation an, in der der Wiener Attentäter mehrfach verkehrte. Beide hätten zu dessen Radikalisierung beigetragen. In Deutschland durchsuchten Polizisten im Auftrag des Generalbundesanwalts Wohnungen und Geschäftsräume von vier Personen in Osnabrück, Kassel und im Kreis Pinneberg bei Hamburg. Die schwedische Polizei erhöhte ihre Alarmbereitschaft.

«Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen besteht gegen die vier von den heutigen Massnahmen betroffenen Personen kein Anfangsverdacht für eine Beteiligung an dem Anschlagsgeschehen», erklärte das Bundeskriminalamt. Es fügte aber hinzu: «Es sollen jedoch Verbindungen zu dem mutmasslichen Attentäter bestanden haben.» Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte, es habe keine Festnahmen gegeben, sondern es sei um die Sicherstellung von Beweismaterial gegangen.

Österreichs Regierung ordnete am Freitag die Schliessung einer Moschee und einer islamischen Organisation an. (Symbolbild)
Österreichs Regierung ordnete am Freitag die Schliessung einer Moschee und einer islamischen Organisation an. (Symbolbild)
Foto: Leonhard Foeger (Reuters)

Seit dem Anschlag suchen Sicherheitsbehörden nach Verbindungen des Attentäters ins europäische Ausland. Das Innenministerium in Berlin hatte von einer europaweiten Vernetzung der islamistischen Szenen gesprochen. Auch in der Schweiz hatte es zwei Festnahmen im Zusammenhang mit dem Wiener Anschlag gegeben. Die EU-Innenminister würden kommende Woche deshalb auch über das Thema reden, kündigte das Bundesinnenministerium an. Auf die von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron geforderten verstärkten Grenzkontrollen zwischen EU-Staaten reagierte die deutsche EU-Ratspräsidentschaft aber zurückhaltend. Man habe von den Vorschlägen aus der Presse erfahren, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Berlin - ein Hinweis, dass Macrons Vorstoss nicht mit der Bundesregierung abgestimmt war.

Die Durchsuchungsbeschlüsse in Deutschland seien am Donnerstag auf Grundlage von Erkenntnissen verfügt worden, die von der österreichischen Justiz an die deutschen Strafverfolger übermittelt worden seien, teilte das Bundeskriminalamt mit. Österreichs Innenminister Karl Nehammer hatte am Donnerstag erklärt, zwei Ermittlungsstränge zu dem Anschlag vom Montag führten ins Ausland.

Bei dem Anschlag am Montag in der Wiener Innenstadt starben vier Zivilisten, 23 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Täter, ein Anhänger der radikalislamischen Miliz Islamischer Staat (IS), wurde von der Polizei erschossen. Nach der Tat gab es laut Innenministerium in Österreich 18 Hausdurchsuchungen und 15 Festnahmen. Der in Österreich geborene 20-jährige Attentäter war im Frühjahr 2019 verurteilt worden, nachdem sein Versuch gescheitert war, nach Syrien zu reisen und sich dort der IS anzuschliessen. Nach zwei Dritteln seiner Haftzeit wurde er im Dezember 2019 unter Auflagen entlassen. Der Mann hatte neben der österreichischen auch die nordmazedonische Staatsbürgerschaft.

Schwester von Opfer schreibt öffentlichen Brief

Die Schwester der 44-jährigen Österreicherin, eines der Todesopfer des Attentats von Wien, hat bei der Tagezeitung «Der Standard» einen rührenden Brief veröffentlicht. «Gudrun war eigentlich nicht zur falschen Zeit am falschen Ort, sie war in einer gut gelaunten Runde von Kollegen bei einem After-Work-Bier», schreibt Irmgard P. «Sie war eine liebende Lebenspartnerin, Tochter, Schwester, Enkelin, Nichte, Tante, Cousine – und sie war sehr, sehr vielen Menschen eine gute Freundin...Für sie war ein Mensch in erster Linie ein Mensch, Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, gesellschaftlicher Stand, Aussehen, Glaube, Ansichten, Vorlieben waren nebensächlich und alles okay, solange kein anderer Mensch dadurch verletzt, gekränkt oder herabgewürdigt wurde. Weil sie am 2. November war, wo sie war, muss ich jetzt ihr Begräbnis organisieren.»

Ermittlungen gegen vier Personen in Deutschland

Sicherheitskräfte haben am Freitagmorgen in Deutschland mit Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem islamistischen Anschlag von Wien begonnen. Es würden Wohnungen und Geschäftsräume von vier Personen in Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein durchsucht, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden bei Twitter mit. Die vier Personen seien nicht tatverdächtig, es solle aber Verbindungen zu dem mutmasslichen Attentäter gegeben haben. Einer BKA-Sprecherin zufolge lief die Aktion am Freitagmorgen noch.

Die Durchsuchungen fanden laut BKA-Angaben in Osnabrück, Kassel und im Kreis Pinneberg bei Hamburg statt. Die Durchsuchungsbeschlüsse seien am Donnerstag beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs erwirkt worden. Zuvor habe die österreichische Justiz entsprechende Erkenntnisse an deutsche Behörden übermittelt, hiess es.

Verfassungsschutz warnt vor Bedrohung

Nach den islamistischen Anschlägen in Frankreich und Österreich mahnt Verfassungsschutzchef Thomas Haldenwang zu Wachsamkeit. Man müsse «einen sehr scharfen Blick auf die uns bekannten Gefährder werfen, denn es gibt sicherlich den oder die ein oder andere, die über Nachahmungstaten nachdenkt», sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz dem ARD-Hauptstadtstudio laut Bericht vom Donnerstag.

Die Gefährdungslage sei unverändert hoch. «Wir müssen jeden Tag auch in Deutschland mit einem islamistischen Anschlag rechnen». Als Hauptauslöser für die jüngsten Anschläge sieht der Verfassungsschutz die neuerliche Debatte um die Mohammed-Karikaturen in Frankreich. Das Thema habe «die Emotionen der Islamisten sehr stark hochkochen lassen», sagte Haldenwang. «Wir nehmen wahr, dass auch in Deutschland die Szene sehr intensiv über diese Ereignisse diskutiert und Solidarität zeigt mit den französischen Glaubensbrüdern und -schwestern.»

Betreuer beurteilte Attentäter als radikal

Der islamistische Attentäter von Wien ist seinem Betreuer im Deradikalisierungsprogramm Derad vor der Tat wegen seiner extremen Gläubigkeit aufgefallen. Das sagte Derad-Mitbegründer Moussa Al-Hassan Diaw der Deutschen Presse-Agentur in Wien.

Hinweise auf eine bevorstehende Bluttat habe es dabei allerdings nicht gegeben. Ein Bericht über die Einschätzung sei wie üblich an die Justizbehörden übermittelt worden. Als deradikalisiert habe er, anders als vom Innenministerium betont, nie gegolten.

Innenminister Karl Nehammer hatte zuvor gesagt, dass es dem 20-Jährigen perfekt gelungen sei, seine Betreuer im Deradikalisierungsprogramm zu täuschen. «Es gab keine Täuschung, weil unser Mitarbeiter zu keinem Zeitpunkt gesagt hat, dass der Mann deradikalisiert ist», sagte dagegen Derad-Mitbegründer Moussa Al-Hassan Diaw der dpa.

Diaw berichtete, dass der 20-Jährige sich laut seinem Betreuer verändert und trotz Religiösität starke Zweifel an seinem eigenen rechten Glauben entwickelt habe. «Diese Selbstzweifel führen auch sehr oft zu Verzweiflung», sagte Diaw. Manche Betroffenen beteten dann noch intensiver, während andere zu Taten schritten oder aus dem Leben scheiden wollten. Der Betreuer habe das in einem seiner letzten Berichte vor der Tat festgehalten. «Diese Sachen sind ihm aufgefallen. Was keinem aufgefallen ist, ist, dass er plant, in den nächsten Tagen vor Beginn des Lockdowns eine Bluttat zu begehen.»

Schweizerin bei Terroranschlag in Wien leicht verletzt

Beim Terroranschlag in Wien ist eine Schweizer Staatsbürgerin leicht verletzt worden. Das teilte das Aussendepartement EDA am Mittwoch über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Aussenminister Ignazio Cassis wünsche der Verletzten gute Genesung.

Gleichzeitig drückte Cassis den Angehörigen der Opfer der Terrorattacken von Wien, Frankreich und Kabul sein Mitgefühl aus. «Das EDA verurteilt mit grösstem Nachdruck alle terroristischen Gewalttaten und erinnert daran, dass die Achtung des menschlichen Lebens in jeder Situation und unter allen Umständen gewahrt werden muss», heisst es in dem Tweet weiter.

Bei der Terrorattacke am Montagabend in Wien waren vier Menschen getötet worden: ein 39-jähriger Mann und eine 44-jährige Frau aus Österreich, eine 24-jährige Deutsche und ein 21-jähriger Mazedonier. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen. Ein Grossteil der zahlreichen Verletzten stammt aus Österreich, es befinden sich aber auch Staatsbürger aus Deutschland, der Slowakei, Luxemburg, Afghanistan, Bosnien und Herzegowina darunter.

Bei einem Messerangriff im südfranzösischen Nizza waren am vergangenen Donnerstag drei Menschen getötet und weitere verletzt worden. Vor knapp zwei Wochen war ein Lehrer in der Nähe von Paris von einem Angreifer enthauptet worden.

Und in Kabul waren am Montag bei einem Angriff auf das Universitätsgelände mindestens 22 Menschen getötet worden, darunter auch die drei Angreifer. Mindestens 22 weitere Menschen wurden verletzt.

Täter wollte in der Slowakei Munition kaufen

Wie ein Recherchebund von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR am Dienstagabend bekannt gibt, haben sich die Indizien gemehrt, dass mehrere Personen in die Vorbereitung des Terroranschlages von Wien eingebunden waren.

Nach Informationen aus Ermittlerkreisen in Österreich reiste der Attentäter im Juli 2020 in die benachbarte Slowakei, um Munition für das Sturmgewehr AK-47 zu kaufen. Mit einer Waffe dieses Typs hatte der 20-Jährige am Montagabend um sich geschossen.

Doch der Islamist scheint ohne Munition nach Wien zurückgekehrt zu sein. Die slowakische Zeitung Deník N berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass er die Patronen nicht bekam, weil er keinen Waffenschein vorweisen konnte. Die Behörden sollen demnach ihre österreichischen Amtskollegen über den Besucher und sein Kaufinteresse unterrichtet haben.

Am Dienstagabend bestätigte das österreichische Innenministerium auf Anfrage des Rechercheverbundes aus SZ, WDR und NDR, dass der spätere Attentäter ins Nachbarland gefahren und dort aufgefallen war. «Für die slowakische Polizei hat der Umstand, dass der Mann Interesse an Munition gezeigt hat, keine internen Ermittlungsmaßnahmen ergeben», erklärte ein Sprecher.

Der in Österreich bereits als islamistischer Gefährder bekannte Täter soll bei seiner Fahrt in die Slowakei von einem weiteren Mann begleitet worden sein. Offenbar wurde für die Reise ein Auto verwendet, das auf die Mutter eines der Polizei bekannten Islamisten angemeldet ist.

Bericht von der SZ (Oliver Das Gupta, Viktoria Grossmann, Florian Flade und Sebastian Pittelkow)

23 Verletzte nach Anschlag

Nach dem Anschlag in Wien wurden insgesamt 23 Personen im Spital behandelt. Das sagt Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. Das ist somit eine Person mehr als zuletzt gemeldet. Dass man zunächst nicht alle Personen dem Anschlag zuordnen konnte, lag daran, dass nicht alle per Rettung in die Spitäler angeliefert wurden, sagte Hacker am Dienstagabend dem TV-Magazin «ORF-Report.»

Laut Hacker seien viele der Verletzten von Freunden oder Taxis in die Spitäler gebracht worden. Eine Person sei im Schock sogar selbst mit dem Auto ins Spital gefahren.

Von den 16 Männern und sieben Frauen waren heute Morgen sieben in kritischem Zustand. Alle seien mittlerweile aus der Narkose erwacht, teilweise schwer verletzt, aber aus der kritischen Phase heraus.

Trauergottesdienst im Stephansdom

Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften haben im Stephansdom der Opfer gedacht. Den ökumenischen Gottesdienst am Dienstagabend leitete Wiens Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn.

Trauergottesdienstes im Stephansdom in Wien.
Trauergottesdienstes im Stephansdom in Wien.
Foto: Herbert Neubauer (APA/Keystone)

Bundespräsident Alexander Van der Bellen nahm ebenso wie Bundeskanzler Sebastian Kurz und die weitere Staatsspitze an der Gedenkfeier teil. Aufgrund der verschärften Corona-Bestimmungen und strenger Sicherheitsregeln waren sonst nur wenige weitere Trauergäste anwesend.

Kardinal Christoph Schönborn, Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit Gattin Doris Schmidauer und Bundeskanzler Sebastian Kurz nahmen am Gottesdienst teil.
Kardinal Christoph Schönborn, Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit Gattin Doris Schmidauer und Bundeskanzler Sebastian Kurz nahmen am Gottesdienst teil.
Foto: Dragan Tatic (APA/BKA/Keystone)

Vertreter der Religionsgemeinschaften sprachen jeweils ein Gebet aus ihren Heiligen Schriften und zündeten Kerzen für die Toten der vergangenen Nacht. Am Boden lag ein Gesteck aus weissen Blumen. Die Einladung erfolgte im Namen aller Religionsgemeinschaften, um zu zeigen, dass diese Einheit «nicht zerstört werden darf und nicht zerstört werden kann», so Schönborn.

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural.
Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural.
Foto: Herbert Neubauer (APA/Keystone)

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, verurteilte den islamistischen Anschlag als «abscheuliche Tat auf das Schärfste». Er ersuchte Allah in seinem Gebet, «die Trauer zur Hoffnung zu machen und die Welt zu einem Ort des sicheren Friedens».

Als Symbol für das Aufsteigen der Gebete und Fürbitten in den Himmel, wurde am Ende des Gottesdienstes Weihrauch angezündet. Beendet wurden die Trauerfeierlichkeiten, die live im ORF übertragen wurden, mit einem Segenslied.

Verhaftete den Schweizer Behörden bekannt

Die beiden in Winterthur verhafteten Männer sind den Schweizer Behörden bereits bekannt. Dies aus Terrorismusverfahren der Bundesanwaltschaft, teilt das Fedpol über Twitter mit.

Lesen Sie mehr dazu: Polizei verhaftet in Winterthur «Kollegen» des Attentäters

IS-Miliz bekennt sich zu dem Angriff

Die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) bekennt sich zu dem Angriff. Das geht aus einer IS-Erklärung auf dem Messaging-Dienst Telegram hervor. Hinweise zur Untermauerung der Erklärung gibt es allerdings nicht.

Zwei Männer in Winterthur verhaftet

Im Zusammenhang mit dem Anschlag sind am Dienstag zwei Männer in Winterthur verhaftet worden. Die Kantonspolizei Zürich hat nach den Angriffen in Wien den Einsatzstab «Wien» gebildet, um zu prüfen, ob Bezüge der Taten in Wien zum Kanton Zürich bestehen, wie sie in einer Mitteilung schreibt.

Polizeiliche Ermittlungen hätten dann zur Identifizierung eines 18- und eines 24-jährigen Schweizers geführt. Die beiden Männer seien am Dienstagnachmittag in Abstimmung mit den österreichischen Behörden durch eine Spezialeinheit in Winterthur verhaftet worden. Inwiefern es eine Verbindung zwischen den beiden Verhafteten und dem mutmasslichen Attentäter gab, werde zurzeit abgeklärt.

Die Kantonspolizei Zürich stehe zusammen mit dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) in einem engen Informationsaustausch mit der österreichischen Polizei, wie es weiter heisst. Die restlose Aufklärung einer möglichen Tatbeteiligung gelte als höchstes Ziel beider Sicherheitsbehörden.

Neben der Kantonspolizei Zürich waren die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, die Bundeskriminalpolizei, das Fedpol sowie die Stadtpolizei Winterthur beteiligt.

Erhöhte Terrorwarnstufe in Grossbritannien

Nach den Anschlägen in Frankreich und Wien hat Grossbritannien seine Terrorwarnstufe erhöht. «Das ist eine Vorsichtsmassnahme und beruht nicht auf einer konkreten Bedrohung», twitterte die britische Innenministerin Priti Patel am Dienstag.

Das britische Terrorabwehrzentrum stufte die Bedrohungslage für Grossbritannien nun von «substanziell» zu «ernst» hoch – das bedeutet, dass terroristisch motivierte Angriffe für «sehr wahrscheinlich» gehalten werden. Es ist die vierthöchste von fünf Stufen. Grossbritannien ist in den vergangenen Jahren immer wieder von schweren Anschlägen heimgesucht worden.

Deutsche Frau unter den Opfern

Unter den Opfern des Angriffs in Wien befindet sich auch eine Deutsche. «Wir haben jetzt die traurige Gewissheit, dass auch eine deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Angriffs in Wien ist. Unsere Anteilnahme und unser Beileid gelten ihren Angehörigen und Freunden», twittert Aussenminister Heiko Maas.

Kurz gibt Details zu den Opfern bekannt

Wie Kanzler Sebastian Kurz mitteilte, handelt es sich bei den getöteten Opfern um einen älteren Mann, eine ältere Frau, einen jungen Passanten und eine Kellnerin.

Kanzler Sebastian Kurz (ganz rechts) legt Blumen nieder. (3. November 2020)
Kanzler Sebastian Kurz (ganz rechts) legt Blumen nieder. (3. November 2020)
Bild: Thomas Kronsteiner (Getty Images)

Österreich ehrt die Opfer mit einer dreitägigen Staatstrauer, wie der Sonder-Ministerrat am Dienstag in Wien beschloss. Die Staatstrauer gilt bis einschliesslich Donnerstag. Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen sieht trotz der Terror-Attacke die liberale Demokratie nicht gefährdet. «Hass kann niemals so stark sein wie unsere Gemeinschaft in Freiheit, in Demokratie, in Toleranz und in Liebe», sagte das Staatsoberhaupt.

Update der Wiener Polizei

Die Polizei Wien hat am Nachmittag in einem Tweet festgehalten:

Innenminister: Täter in neun Minuten ausgeschaltet

Der Innenminister Karl Nehammer isagt noch an der Medienkonferenz: «Die ersten Schüsse fielen um 20 Uhr, neun Minuten später konnte die Polizei den Täter ausschalten.» Neun Minuten seien zwar noch immer zu lang, aber durch gezielte Polizeitaktik könne man noch mehr verhindern... Zumal er ja auch noch so viel Munition bei sich gehabt habe, so Nehammer.

Zudem präzisiert er, dass der Täter seinerzeit zu 22 Monaten Haft verurteilt worden sei, von denen er «nur wenige Monate im Gefängnis» verbracht habe. Die Wiener Behörden hatten ein Verfahren angestrengt, um ihm die österreichische Staatsbürgerschaft aberkennen zu lassen. Es habe aber wohl «zu wenige Hinweise auf das aktive Tun des Attentäter» gegeben, um das Verfahren erfolgreich abzuschliessen.

Die Behörden wollen vorerst ausschliessen, dass es einen zusätzlichen Täter gibt. Daher liefen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Es gebe klare Hinweise auf die Nähe des getöteten Attentäters zur Miliz «Islamischer Staat» (IS). Der Mann habe noch vor dem Anschlag bei Facebook ein Posting veröffentlicht, bei dem er sich mit seiner Kalaschnikow präsentiert und sinngemäss geschrieben habe, er diene dem Sultanat.

Der Innenminister informiert

Gemeinsam mit dem Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, und dem Wiener Polizeipräsidenten Gerhard Pürstl informiert Innenminister Karl Nehammer in Kürze über die aktuellen Entwicklungen zum Anschlag. Der Täter habe vier Personen umgebracht, es gab 22 Verletzte. Der verletzte Polizist wurde operiert; er sei stabil.

Neehammer führt weiter aus: Es habe inzwischen 18 Hausdurchsuchungen sowie Verhaftungen im Umfeld des Täters gegeben. Der Täter sei 20 Jahre alt gewesen und hätte zwei Pässe (Ö und Nordmazedonien) gehabt. Bei seiner Tat habe er eine Kalaschnikow, ein Sturmgewehr, eine Faustfeuerwaffe, eine Machete sowie eine Sprengstoff-Attrappe auf sich getragen.

Innenminister Karl Nehammer informiert am Nachmittag die Öffentlichkeit.
Innenminister Karl Nehammer informiert am Nachmittag die Öffentlichkeit.
Foto: APA/Keystone (3.Noember 2020)

Der Minister sagt zudem zum Täter: «Es kam zu einer vorzeitigen Entlassung eines Radikalisierten.» Sicher hätten alle nach bestem Wissen gearbeitet, aber der Täter habe es geschafft, das Deradikalisierungsprogramm der Justiz zu täuschen. Es habe keine Warnhinweise über seine Radikalisierung darüber hinaus gegeben. Momentan gebe es noch keine Hinweise auf einen zweiten Täter.

Generaldirektor Ruf betont, dass es zuerst um Gefahrenabwehr, dann um rasche Identitätsfeststellung des Attentäters gegangen sei. In der Wohnung des Attentäters wurden Munitionsteile gefunden. Polizeipräsident Pürstl erklärt, dass die Polizei nach 18 Hausdurchsuchungen mitten in der Sichtung des Materials stecke. Das brauche Zeit, die man auch benötige, um professionelle Aufklärungsarbeit leisten zu können.

Noch eine Festnahme in Linz

Nach dem Terroranschlag in Wien sei jetzt auch in Linz ein Verdächtiger festgenommen worden. Laut ersten Informationen soll es sich um einen amtsbekannten Islamisten handeln, wie «Der Standard» schreibt.

Von der Leyen: Terrorismus entschlossen bekämpfen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat nach dem Anschlag von Wien ein unerbittliches Vorgehen gegen den Terrorismus angekündigt. «Wir werden den Terrorismus gemeinsam entschlossen bekämpfen», teilte von der Leyen am Dienstag nach einem Telefonat mit dem österreichischen Kanzler Sebastian Kurz mit. Die europäische Familie stehe fest an der Seite von Österreich. Sie verurteile den verabscheuungswürdigen Anschlag auf das Schärfste.

Ein Sprecher der EU-Kommission ergänzte, dass eine Ausweitung des europäischen Anti-Terror-Kampfes bereits seit längerem in Planung sei. So sollten bereits im Dezember Vorschläge vorgestellt werden, wie einer Radikalisierung von Menschen im Internet stärker entgegengewirkt werden könnte. Für das zweite Halbjahr 2021 ist zudem die Vorstellung einer neuen EU-Agenda zur Terrorismusbekämpfung angekündigt. Dabei solle es auch um einen besseren Schutz öffentlicher Plätze und Räume gehen, erklärte der Sprecher.

reuters/sda/red