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Verwaltungsgericht ZürichZolliker Trüffelhändler darf in Wohnzone Versandhandel betreiben

Einem Trüffelhändler ist zu Unrecht die Baubewilligung verweigert worden. Das hat nun auch das Verwaltungsgericht entschieden.

Die Trüffel lässt der Händler per DHL-Kurier aus Italien anliefern.
Die Trüffel lässt der Händler per DHL-Kurier aus Italien anliefern.
Foto: Doris Fanconi

Das Zürcher Verwaltungsgericht hat einem Trüffelhändler recht gegeben, der in einem Wohngebiet einen Versandhandel betreiben will. Die Gemeinde Zollikon befürchtete zu viel Verkehr und verweigerte deshalb die Baubewilligung.

Ein Trüffelversandhandel in einem Wohnquartier ist zonenkonform. Wie das Verwaltungsgericht in einem am Dienstag veröffentlichten Urteil schreibt, ist nicht mit mehr Fahrten zu rechnen als bei anderen «stillen Gewerben», beispielsweise Arztpraxen. Auch die Vorinstanz, das Baurekursgericht, gab dem Trüffelhändler recht.

Die Gemeinde Zollikon verweigerte im Juli 2018 die Baubewilligung für ein Einfamilienhaus, in dem auch zwei Büroräume für den Betrieb des Versandhandels vorgesehen waren. Gemäss Website des Händlers gehören verschiedene Trüffelsorten und Trüffelprodukte sowie Speiseöle, Speiseessig und weitere Lebensmittel zum Angebot.

Trüffel per DHL-Kurier

Zollikon stellte sich auf den Standpunkt, dass die Trüffel nicht vorwiegend per Direktversand, sondern über den Geschäftssitz hätten verkauft werden sollen. Der Trüffelhändler, der das Geschäft bereits betreibt, widersprach. Selbstabholer seien die Ausnahme, das komme vielleicht einmal pro Woche vor.

Er würde die frischen Trüffel in Italien bestellen. Diese würden per DHL-Kurier geliefert und schliesslich per Expresspost an die Kunden geschickt.

Das Urteil des Verwaltungsgerichts ist rechtskräftig. Die Gemeinde muss nun Gerichtskosten von 4190 Franken übernehmen und dem Trüffelhändler 2500 Franken für seinen Anwalt bezahlen.

Onlinehandel als Problem

Der Bauvorstand von Zollikon, Martin Hirs (SVP), erklärt auf Anfrage, man habe das Urteil nach ähnlichen Schlussfolgerungen des Baurekurs- und des Verwaltungsgerichtes nicht mehr weiterziehen wollen. Aber warum überhaupt hat sich die Gemeinde am Trüffelhandel gestört? Ganz allgemein, antwortet Hirs, werde der Onlinehandel zur Herausforderung. Denn wie der Name schon sagt, sei die Wohnzone – dort liegen die Räumlichkeiten des Trüffelhandels – eigentlich für das Wohnen vorgesehen, die Wohn- und Gewerbezone für gemischte Nutzungen.

Hirs sagt, man müsse sich bei der kommenden Revision der Bau- und Zonenordnung Gedanken machen, wie man solche Aspekte künftig regeln möchte. Denn eines ist klar: Onlineshops sind heute schnell erstellt, und nicht immer passen die Waren, wie im Fall der Trüffel, quantitativ in einen Schrank.

SDA