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TV-Debatte im US-WahlkampfTrump geht wie ein Bulldozer ins Rededuell

Der US-Präsident und sein Herausforderer treffen erstmals aufeinander. Die Hürde, die Joe Biden überwinden muss, um als Sieger zu gelten, ist nicht allzu hoch.

TV-Politiker in Aktion: Donald Trump in der Debatte gegen Hillary Clinton im Präsidentschaftswahlkampf 2016.
TV-Politiker in Aktion: Donald Trump in der Debatte gegen Hillary Clinton im Präsidentschaftswahlkampf 2016.
Foto: Keystone

Einen Handschlag der beiden Kandidaten wird es nicht geben. Zu riskant – das Virus. Auch das Publikum wurde verkleinert, statt 900 dürfen nur ein paar Dutzend Menschen in den Saal in Cleveland, Ohio, in dem der republikanische Präsident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden an diesem Dienstagabend ihr erstes Fernsehduell austragen werden (Wir tickern live ab 3.00 Uhr). Alle Zuschauer müssen sich Masken vor Mund und Nase binden, sie wurden auf das Coronavirus getestet und sitzen zwei Meter voneinander entfernt. Auch Kandidatendebatten sind in Zeiten einer Pandemie eben nicht mehr das, was sie waren.

Was sich nicht geändert hat, ist die Bedeutung, die die Kandidaten diesen Debatten beimessen. Für den Präsidenten steht mehr auf dem Spiel als für den Demokraten. Trump hat Biden bisher nicht wirklich zu packen bekommen. Er hat ihn mit Vorwürfen und Behauptungen attackiert, er hat ihn als dementen Greis verleumdet, er hat ihn als Sozialisten und Sympathisanten von Steinewerfern und Plünderern bezeichnet. Doch all diese Angriffe haben an Bidens ziemlich solidem Vorsprung in den Umfragen wenig geändert. Wenn an diesem Dienstag Präsidentschaftswahl wäre und die Umfragen stimmen, dann würde Biden wohl gewinnen.

Trumps Team hofft, Biden in Cleveland einen sogenannten Bloomberg-Moment bescheren zu können.

Bisher läuft die Wahl auf ein Referendum über den Amtsinhaber hinaus. Trump und sein Wahlkampfteam sehnen seit Wochen die Debatten herbei. Sie wollen aus dem Referendum über eine Person eine echte Wahl zwischen zwei Personen machen. Dann, so Trump, würden sich viele Wähler doch noch für ihn entscheiden.

Das heutige Duell ist das erste Mal, dass Trump und Biden öffentlich und persönlich aufeinandertreffen. Und der Präsident, so heisst es aus seinem Lager, habe vor, wie ein Bulldozer über den Demokraten hinwegzuwalzen. Trumps Team hofft, Biden in Cleveland einen sogenannten Bloomberg-Moment bescheren zu können – benannt nach dem ehemaligen demokratischen Präsidentschaftsbewerber Michael Bloomberg, der im Februar während einer Debatte so scharf angegangen wurde, dass er völlig ins Taumeln geriet und seiner Kandidatur binnen einer Viertelstunde den Garaus machte.

Kein grosser Debattierer: Joe Biden bei einem Wahlkampfauftritt in Wilmington, Delaware.
Kein grosser Debattierer: Joe Biden bei einem Wahlkampfauftritt in Wilmington, Delaware.
Foto: Keystone

Dass Biden etwas Ähnliches passiert, ist zumindest nicht ausgeschlossen. Der ehemalige Senator und Vizepräsident ist zwar seit vier Jahrzehnten im politischen Geschäft und hat an zahllosen Debatten teilgenommen. Aber er neigt dazu, sich zu verhaspeln, den Faden zu verlieren oder erfundene Anekdoten zu erzählen. Das kann sich in einer live übertragenen Fernsehdebatte rächen, zumal wenn der Gegner Trump heisst, der ohne Rücksicht auf Anstand oder Wahrheit angreifen wird.

Biden überlässt Trump die Bühne

Bidens Team war daher ganz zufrieden damit, dass die Debatten erst jetzt beginnen. Als Trump vor einigen Wochen forderte, eine der Veranstaltungen vorzuziehen, lehnten Bidens Leute ab. Sie wollten, dass Trump alleine im Mittelpunkt bleibt. Ebenso erfreut sind die Demokraten darüber, dass Trump sich über Bidens Fähigkeiten als Debattierer lustig macht. Am Sonntag schrieb der Präsident bei Twitter, er werde einen Dopingtest von Biden fordern, denn ohne Drogen habe der keine Chance.

Mit derlei Gerede senkt Trump jedoch nur die Erwartungen an seinen Gegner. Die Hürde, die Joe Biden am Dienstag überwinden muss, um als Sieger zu gelten, ist also nicht allzu hoch.

Podium: Donald Trump ist der umstrittenste Politiker der Gegenwart. Im November stellt er sich der Wiederwahl. Wie sind seine Chancen? Wie ist seine Bilanz? Wird ihn Joe Biden schlagen? Und vor allem: Was bedeutet es für die USA und die Welt, wenn Trump vier weitere Jahre regiert? Darüber debattieren: Elisabeth Bronfen, Anglistikprofessorin an der Universität Zürich, Christof Münger, Ressortleiter International beim Tages-Anzeiger, Markus Somm, Publizist. Sonntag, 18. Oktober 2020, Kaufleuten, Pelikanplatz, Zürich. Türöffnung 19.00 Uhr, Beginn 20.00 Uhr. Ermässigter Eintritt mit Carte blanche.

75 Kommentare
    Erhard Lüthi

    Was ich nicht verstehe warum die Demokraten nicht einen Kanditaten ins Rennen schicken können der smart und inteligent wie Obama ist.