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Merkel kontert TrumpUS-Präsident erneuert Kritik am Klimaschutzabkommen

Das internationale Abkommen gegen die Klimaerwärmung habe als Ziel, «die amerikanische Wirtschaft zu töten», sagte Trump in einer Videobotschaft beim G-20-Gipfel. Angela Merkel äusserte sich gewohnt diplomatisch.

Japans Premierminister Yoshihide Suga und US-Präsident Donald Trump sind vor Beginn des virtuellen Treffens auf einem Bildschirm zu sehen.
Japans Premierminister Yoshihide Suga und US-Präsident Donald Trump sind vor Beginn des virtuellen Treffens auf einem Bildschirm zu sehen.
Foto: Yves Herman (Keystone)

Der amtierende US-Präsident Donald Trump hat das internationale Abkommen gegen die Klimaerwärmung als «sehr unfair und einseitig» bezeichnet. Das Ziel des Abkommens von Paris sei es gewesen, «die amerikanische Wirtschaft zu töten», sagte Trump in einer am Sonntag veröffentlichten Videobotschaft beim G-20-Gipfel. Die USA seien unter seiner Führung aus dem Abkommen ausgetreten, um nicht «Millionen amerikanischer Jobs und Billionen Dollar» an die «schlimmsten Umweltverschmutzer der Welt» zu verlieren, sagte er.

Trump erklärte, seine Regierung habe auch ohne «einseitige internationale Abkommen» viel getan, um die Umwelt zu schützen. Trumps Haltung stand in direktem Widerspruch zur Haltung aller übrigen führenden Wirtschaftsmächte des Gipfeltreffens, die das Pariser Abkommen unterzeichnet haben und für den Klimaschutz werben.

Merkel kontert

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte nach dem Gipfel, um das Thema habe es bei dem Treffen keine Kontroverse gegeben. Mit Blick auf Trumps Äusserungen zum Klimaschutzabkommen sagte sie: «Man muss aber von unserer Warte aus schon sagen, dass wir das anders sehen.» Das Pariser Abkommen weise den unterschiedlichen Akteuren unterschiedliche Verantwortlichkeiten zu. Es gebe bei dem Thema eine Meinungsverschiedenheit, die jedoch nicht neu sei, erklärte sie.

Das vom Gastgeber Saudiarabien ausgerichtete Treffen fand wegen der Corona-Pandemie als Videoschalte statt. Gemeinsam repräsentieren die Mitglieder der G-20 mehr als 85 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und zwei Drittel der Weltbevölkerung.

Saudiarabien schlägt neuen Rhythmus vor

Saudiarabiens Kronprinz Mohammed bin Salman hat einen neuen Rhythmus für die regelmässigen Treffen vorgeschlagen. Statt dem bisher üblichen Gipfeltreffen einmal pro Jahr sollten die Vertreter der führenden Wirtschaftsnationen zweimal jährlich zusammenkommen, sagte er Kronprinz am Sonntag – zunächst virtuell in der Jahresmitte und dann noch einmal persönlich gegen Ende eines Jahres. Damit solle die «internationale Koordination verbessert» werden, sagte er nach einem im saudischen Staatsfernsehen veröffentlichten Redeausschnitt.

Kronprinz Mohammed lobte die Beschlüsse des diesjährigen Gipfels zum Kampf gegen das Coronavirus und zu den Folgen für die Gesundheitssysteme und die Weltwirtschaft. Zugleich müsse sich die Welt auf künftige Pandemien besser vorbereiten. «Wir müssen Lehren aus dieser Krise ziehen», sagte er. «Wir sind stolz auf das, was wir dieses Jahr erreicht haben und wissen, dass noch viel zu tun ist.»

Die G-20-Gruppe trifft sich seit 2008 in der Regel einmal jährlich. Teils gab es aber auch zwei Treffen pro Jahr. Dazu kommen unter anderem regelmässige Treffen der Minister für Finanzen, Arbeit und Aussenpolitik sowie Treffen von Wirtschaftsführern, Frauen oder jungen Menschen aus den G-20-Ländern. Wegen der Corona-Krise hatten sich die Staats- und Regierungschefs im März bereits zu einem ausserordentlichen Gipfel per Video getroffen.


SDA