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Flugunglück in PakistanÜberlebender schildert Absturz in Pakistan

Nach dem Flugzeugabsturz in einem Wohngebiet bei Karachi ist der Flugschreiber geborgen worden. Mehrere Passagiere haben überlebt.

An Bord des Passagierflugzeugs waren 99 Menschen. Ein weinender Mann am Ort des Absturzes bei Karachi. (22. Mai 2020)
An Bord des Passagierflugzeugs waren 99 Menschen. Ein weinender Mann am Ort des Absturzes bei Karachi. (22. Mai 2020)
Foto: Anadolu Agency/Getty Images

Nach dem Absturz einer Passagiermaschine in einem Wohngebiet in Pakistan ist der Flugschreiber geborgen worden. Dieser soll nun der Untersuchungskommission übergeben werden, wie ein Sprecher von Pakistan International Airlines (PIA) am Sonntag mitteilte. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der Provinz Sindh kamen 97 der 99 Insassen bei dem Unglück ums Leben. Die Maschine hatte am Freitag eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, als sie nur wenige Minuten vor der Landung in der Stadt Karatschi abstürzte. Die Bergungsarbeiten gingen am Sonntag weiter.

Ein Überlebender schilderte im Fernsehen die dramatischen Momente des Absturzes. «Die Menschen gerieten in Panik und begannen laut zu beten», erzählte Muhammad Zubair dem Sender «Geo TV» am Abend nach dem Absturz des Airbus A320. «Der Pilot hielt das Flugzeug für die nächsten zehn bis fünfzehn Minuten in der Luft und machte eine zweite Ansage zur Landung, aber das Flugzeug stürzte ab», sagte Zubair. Überall sei Feuer zu sehen gewesen. «Überall waren Schreie von Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen zu hören.» Er habe sich befreit und sei aus etwa drei Metern Höhe aus dem Wrack gesprungen.

Menschen versammeln sich am Ort des Flugzeugabsturzes. (22. Mai 2020)
Menschen versammeln sich am Ort des Flugzeugabsturzes. (22. Mai 2020)
Bild: Videoausschnitt/Keystone

Zubair war einer von zwei Überlebenden des Flugzeugabsturzes im Süden Pakistans. Er erlitt Verbrennungen, wurde laut Behörden aber am Sonntag bereits aus dem Krankenhaus entlassen. Bilder kurz nach dem Unglück zeigten ein Bild der Verwüstung. Anwohner im Stadtteils «Model Colony» eilten zur Hilfe und suchten nach Überlebenden. Der Unglücksort lag nur etwa zwei Kilometer von der Landebahn entfernt.

Menschen wurden aus den Trümmern eingestürzter Gebäude herausgezogen, während Feuerwehrleute Brände bekämpften. Die dicht besiedelte Hafenstadt im Süden Pakistans hat rund 14 Millionen Einwohner. Laut Gesundheitsministerium der Provinz Sindh wurden bisher 34 Passagiere identifiziert und mindestens 45 DNA-Proben von Angehörigen entnommen. Der Prozess könne noch Wochen in Anspruch nehmen, hiess es.

Acht Anwohner wurden bei dem Absturz verletzt. Der von Pakistan International Airlines betriebene Airbus mit der Flugnummer PK8303 war am Freitag auf dem Weg von der östlichen Stadt Lahore nach Karatschi. Den Angaben zufolge befanden sich an Bord der Maschine 91 Passagiere und 8 Crewmitglieder.

Ein Angehöriger der Sicherheitskräfte vor den Wrackteilen im Wohnviertel, wo der Airbus A320 verunglückte. (22. Mai 2020)
Ein Angehöriger der Sicherheitskräfte vor den Wrackteilen im Wohnviertel, wo der Airbus A320 verunglückte. (22. Mai 2020)
Foto: Shazaib Akber/Keystone

Eine genaue Ursache für den Absturz war auch am Sonntag nicht bekannt. Kurz vor dem Absturz habe der Pilot laut dem Tower technische Probleme der Maschine gemeldet, sagte der Chef der betroffenen Airline PIA, Arshad Malik. Funksprüche deuteten auf ein Versagen der Triebwerke der Maschine hin. Augenzeugen berichteten lokalen Fernsehsendern, dass sie das Flugzeug um den Flughafen kreisen sahen, bevor es in dem Wohngebiet abstürzte.

Pakistans Luftverkehrsminister Ghulam Sarwar Khan kündigte am Samstag zusätzliche Entschädigung für die Hinterbliebenen der Opfer an. Eine Million pakistanische Rupien (umgerechnet rund 5700 Euro) sollen Angehörige neben Versicherungsbeträgen jeweils für Verstorbene erhalten. Die beiden Überlebenden bekämen die Hälfte des Betrags. Auch die Anwohner der Absturzstelle, deren Häuser verwüstet wurden, sollen entschädigt werden.

Die Regierung versprach eine umfassende Untersuchung. Eine vierköpfige Delegation unter Aufsicht der Luftwaffe werde demnach den Unfall rekonstruieren und erste Ergebnisse innerhalb eines Monats präsentieren. Am Sonntag besichtigte sie zum ersten Mal die Unglücksstelle, um Beweismaterial zu sammeln. Pakistans Premierminister Imran Khan drückte den Opfern und Familien sein Beileid aus. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte eine Beileidsbekundung nach Pakistan.

Freiwillige suchen nach Überlebenden. (22. Mai 2020)
Freiwillige suchen nach Überlebenden. (22. Mai 2020)
Foto: Fareed Khan/Keystone

Der Absturz erfolgte nur eine Woche nach der Entscheidung der pakistanischen Behörden, den Flugverkehr im Inland wieder aufzunehmen. Wegen der Corona-Pandemie sind internationale Flüge in das südasiatische Land noch bis Ende des Monats ausgesetzt.

Bereits im Jahr 2016 kam es zu einem Absturz einer Maschine der staatlichen Fluggesellschaft PIA mit rund 50 Toten. 2012 starben 127 Menschen beim Absturz einer Maschine einer kleinen privaten Airline auf dem Weg von Karatschi nach Islamabad. Im Jahr 2010 stürzte ein Airbus vor der Landung in der Hauptstadt Islamabad ab, alle 152 Insassen kamen bei dem Unglück ums Leben.