Winterthur

Kleine Verwahrung für «Hanfpapst»-Schläger

Der 23-Jährige, der die Hauptschuld am Tod des Winterthurer «Hanfpapstes» trägt, ist zu 13 Jahren verurteilt worden. Der Mittäter bekommt 21 Monate.

Der 53-jährige Robert Frommherz in Winterthur bekannt als «Hanfpapst» wurde bei einem Überfall in seiner Wohnung getötet.

Der 53-jährige Robert Frommherz in Winterthur bekannt als «Hanfpapst» wurde bei einem Überfall in seiner Wohnung getötet. Bild: Facebook

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Das Bezirksgericht Winterthur hat den Hauptschuldigen im «Hanfpapst»-Prozess heute Nachmittag wegen vorsätzlicher Tötung, Nötigung und Raub zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt. Beim Überfall auf den als «Hanfpapst» bekannten Winterthurer Kleindealer Martin Robert Frommherz im Mai 2014 wurde dieser tödlich verletzt. Die vier Täter erbeuteten dabei 40 Gramm Marihuana und liessen das Opfer schwer verletzt zurück. Es starb rund 15 Stunden später an den Folgen einer Hirnblutung.

«Kleine Verwahrung» für Haupttäter

Die nun ausgesprochene Freiheitsstrafe für den Haupttäter wird zugunsten einer stationären Massnahme in einer geschlossenen Einrichtung aufgeschoben, der sogenannten «kleinen Verwahrung». Dies, weil der 23-Jährige als psychisch krank gilt; bei einem Gutachten ist bei ihm eine schwere dissoziale Persönlichkeitsstörung festgestellt worden.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Täter beim Überfall ohne Grund «massive Gewalt» anwendete. Er habe damit rechnen müssen, dass er sein Opfer dabei tötet, sagte der Richter bei der Urteilsbegründung. Der genaue Tathergang lasse sich zwar nicht rekonstruieren, aber es sei für das Gericht erwiesen, dass der Beschuldigte dem Opfer die Verletzungen zufügte. «Sie sind verantwortlich für diesen Tod.»

Leicht strafmildernd wirkte sich aus, dass der Täter gewisse Vorwürfe gestanden hat. «Sie haben aber nur tranchenweise zugegeben, was man beweisen konnte», so der Richter. Berücksichtigt wurde ausserdem, dass der «Blick» den Namen des Täters publizierte. Auch das wirkte sich strafmildernd aus.

Strafe höher als Antrag des Staatsanwalts

Eine geschlossene Therapie, wie sie der Haupttäter nun machen muss, dauert maximal fünf Jahre, bevor sie, wenn nötig, verlängert wird. Theoretisch lässt sich die Massnahme beliebig verlängern. Bei einem positiven Verlauf wird entschieden, ob der Täter danach seine Freiheitsstrafe oder einen Teil davon noch absitzen muss. An die Mutter und den Vater des Opfers muss der Verurteilte zudem eine Genugtuung von je 30'000 Franken zahlen.

Das Strafmass liegt höher als der Antrag der Staatsanwaltschaft, welche 11 Jahre gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf 4 Jahre und eine Massnahme für junge Erwachsene plädiert.

Dreijährige Probezeit für Mitbeschuldigten

Den 20-jährigen Mitbeschuldigten verurteilte das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten wegen unterlassener Nothilfe und Nötigung, allerdings unter Aufschub bei einer Probezeit von drei Jahren. Er hatte den Überfall auf den damals 53-jährigen Frommherz geplant, um dabei eine grössere Menge Marihuana zu erbeuten. Zum Zeitpunkt der folgenreichen Gewalttat hatte er den Tatort bereits wieder verlassen.

Obwohl er wenig später vom Zustand des schwer verletzten Opfers erfuhr, weil ihm der Haupttäter eine Videoaufnahme zeigte, informierte er keine Rettungskräfte. «Das ist ein Paradefall von unterlassener Nothilfe», sagte der Richter bei der Urteilsbegründung. Wären die Rettungskräfte informiert worden, hätte das Opfer grosse Überlebenschancen gehabt.

«Sie tragen eine Mitverantwortung am Tod von Herrn Frommherz, auch wenn Sie diesen nie gewollt haben», sagt der Richter deshalb dem zweiten Beschuldigten. Da sich der 20-Jährige im Vorfeld aussergerichtlich mit den Eltern einigte, entfällt die Geldstrafe für ihn.

Die zwei weiteren Mittäter, die zur Tatzeit minderjährig waren, sind bereits von der Jugendanwaltschaft Winterthur wegen Nötigung und Unterlassung der Nothilfe schuldig gesprochen worden. Bei der Tat standen die Jugendlichen Wache, wendeten aber selbst keine Gewalt an. Einer von ihnen wurde zu einer teilbedingten persönlichen Leistung von 90 Tagen verpflichtet, der andere mit vier Monaten Freiheitsentzug bestraft. Bei beiden wurde eine ambulante Behandlung angeordnet. Sie haben sich ebenfalls aussergerichtlich mit den Hinterbliebenen des Opfers geeinigt. Diese Verfahren fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Erstellt: 26.11.2015, 15:33 Uhr

Video

Ist zufrieden mit dem Urteil: Staatsanwalt Michael Scherrer. (Video: Keystone)

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