Trinkwasser

Das Kantonale Labor untersucht Trinkwasser auf Fungizid-Rückstände

Für Abbauprodukte des Wirkstoffs Chlorothalonil im Wasser gelten neu strenge Höchstwerte.

Der Fungzizid-Wirkstoff Chlorothalonil galt lange als unbedenklich. Jetzt soll er die Zulassung verlieren, weil man nicht weiss, ob seine Abbauprodukte schädlich sind.

Der Fungzizid-Wirkstoff Chlorothalonil galt lange als unbedenklich. Jetzt soll er die Zulassung verlieren, weil man nicht weiss, ob seine Abbauprodukte schädlich sind. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Kantonale Labor Zürich wird über die nächsten Monate mehr als 100 Trinkwasserproben auf Abbauprodukte von Chlorothalonil untersuchen. Dieser Wirkstoff wird seit den 1970er-Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt, um Pilzkrankheiten zu bekämpften; etwa im Getreide-, Gemüse- und Weinanbau.

Bis vor kurzem waren die Abbaustoffe (Metabolite) kein Thema. Das hat sich nun geändert. Für die Metaboliten des Fungizids gelten seit Ende Juni in der EU und in der Schweiz strenge Höchstwerte. Ein Liter Grundwasser darf nicht mehr als 0,1 Mikrogramm – also ein Zehnmillionstel Gramm – eines dieser Abbauprodukte enthalten.

Der Grund: Solange die Ungefährlichkeit dieser Stoffe nicht erwiesen ist, geht man davon aus, dass sie gefährlich sind. Der Zürcher Kantonschemiker Martin Brunner macht einen Vergleich aus dem Militär: «Eine Waffe gilt als geladen, bis man sich überzeugt, dass sie ungeladen ist.»

Das ist eine Vorsichtsmassnahme, wie das kantonale Labor in einer Mitteilung schreibt. «Die Stoffe sind nicht lebensgefährlich», sagt Brunner. Er schätze die Verunreinigungen zwar nicht als harmlos aber auch nicht als dramatisch ein. «Das Trinkwasser im Kanton Zürich kann ohne Bedenken weiterhin getrunken werden», sagt Brunner.

Tatsächlich kann man den Fungizid-Wirkstoff Chlorothalonil selber nicht im Grundwasser nachweisen, weil er sich sehr rasch abbaut. Was dessen Abbauprodukte angeht, sieht es aber anders aus. Erste Analysen von Grundwasser haben nämlich Überschreitungen der Höchstwerte zutage gefördert. Unter anderem im Kanton Zürich. Bei wie vielen Proben dies konkret der Fall war, sagt der Kantonschemiker nicht.

Grundwasser istnicht gleich Trinkwasser

Zu hohe Werte im Grundwasser würden aber nicht automatisch bedeuten, dass auch das Trinkwasser übermässig belastet wäre. Schliesslich sei dieses meist aus See-, Quell-, und Grundwasser zusammengemischt. Allfällig vorhandene Metaboliten von Chlorothalonil würden also verdünnt.

Stellt das Kantonale Labor bei den mehr als 100 Proben Überschreitungen des Höchstwertes fest, wird die Probe bei der zuständigen Wasserversorgung beanstandet. Diese muss einerseits Massnahmen treffen und andererseite die Kunden informieren.

Es könne Wasser unterschiedlicher Herkunft vermischt werden, um die Menge der unerwünschten Substanzen zu reduzieren. Sei dies nicht möglich, werde die Nutzung dieser Wasserressource untersagt, bis keine Überschreitung des Höchstwertes mehr festgestellt werden könne. Laut Brunner kann das aber mehrere Jahre dauern.

Das Bundesamt für Landwirtschaft will verhindern, dass weiter Abbauprodukte des Fungizids ins Grundwasser gelangen. Deshalb hat es die Zulassung für chlorothalonilhaltige Pflanzenschutzmittel widerrufen. Ab Herbst dürften also keine solchen Mittel mehr eingesetzt werden. Allerdings sind gegen den Entscheid bereits Einsprachen – unter anderem von Produzenten – eingegangen.

Erstellt: 26.07.2019, 20:37 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.