Winterthur

Der alte Luftschadstoff Ozon lässt grüssen

In den letzten Jahren ist die Ozonbelastung ständig leicht gesunken. Mit der Hitzeperiode sind die Ozon-Rekorde in Winterthur wieder zurück.

Neben Strassen und Autobahnen kann die Ozonbelastung noch höher sein, als sie ohnehin schon ist.

Neben Strassen und Autobahnen kann die Ozonbelastung noch höher sein, als sie ohnehin schon ist. Bild: Moritz Hager

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Am Sonntag leuchtete bei der Gesamtbelastung hinter dem Messort Winterthur ein rote Fünf auf – die höchste Stufe war erreicht. Keine andere Ostluft-Messstation zwischen Chur, Konstanz und Zürich hatte einen so hohen Ozonwert zu vermelden wie Winterthur: 187 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Chur verzeichnete am gleichen Tag ein Maximum von 125 Mikrogramm, Zürich 145, Schlieren und Wetzikon 150.

Steigt ein Wert über 180 (das Anderthalbfache des Grenzwerts – siehe Kasten unten rechts), geht automatisch ein Warnmail raus an die Medien. Im Auftrag der Konferenz der kantonalen Umweltdirektoren wird darüber informiert, was nun zu tun wäre.

Das soll man tun und lassen

Man sollte das Auto stehen lassen und stattdessen zu Fuss oder mit Bus und Bahn zur Arbeit oder ins Schwimmbad. Man sollte auf sportliche Leistungen verzichten oder diese bei Sonnenaufgang vollbringen, wenn der Ozonwert noch tief ist. Man sollte nicht Rasen mähen mit einem Zweitaktmäher, sondern besser mit Viertakt- oder Elektromäher oder mit einem Modell zum Stossen. Man sollte keine Farben oder Lacke streichen, die Lösungsmittel enthalten. Und man sollte auf Signale seines Körpers achten. Empfindliche Menschen, insbesondere Kinder und Ältere, reagieren auf zu viel Ozon mit Reizungen an Schleimhäuten und Atemwegen.

All das steht im Mail, das ein Computer verschickt, wenn der Ozonwert 180 übersteigt. Die Umweltdirektoren, in deren Namen diese Empfehlungen verschickt werden, wissen meist gar nichts von dieser elektronischen Post, sie geht automatisiert weg. Und ob irgendwer irgendeine der Empfehlungen beachtet, wird von offizieller Seite nicht kontrolliert.

Massnahmen, mit denen der Ozonwert gesenkt werden könnte, werden keine ergriffen. Es bestehe zwar eine Informationspflicht, aber keine gesetzliche Pflicht zu handeln, sagt Peter Maly. Er ist Geschäftsleiter des Zusammenschlusses Ostluft, er ist Fachmann für Lufthygiene und arbeitet beim Interkantonalen Labor in Schaffhausen.

Warum Rekord in Veltheim?

Dass die Ozonwerte in den letzten Tagen auf Rekordhöhe schossen, überrascht Maly nicht: «Das war zu erwarten.» Und im Vergleich zu «seiner» Ostluft-Region sind die Werte im Südtessin etwa noch um einiges höher: In Mendrisio und Chiasso wurden 250 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Auch in Baden, Basel und Nyon waren es gegen 200 Mikrogramm pro Kubik. Weshalb der Winterthurer Wert am Sonntag der höchste in der ganzen Ostschweiz war, kann sich Maly nicht erklären. Im Verlauf der ganzen tropischen Woche hat er indes keine übermässigen Werte für Winterthur registriert.

Vergleichsmöglichkeiten mit den Vorjahren und insbesondere zum Hitzesommer 2003 fehlen, weil Winterthur dieses Jahr den Messstandort vom Obertor zum Schulhaus Feld nach Veltheim verlegt hat. Zum einen hat das mit dem Umzug des Gesundheitsamts zu tun, zum anderen ist das Schulhausareal laut Maly besser geeignet, weil «keine direkten Quellen» die Messresultate verfälschen und die «Agglomerationssuppe» gleichwohl vorhanden ist.

Gesamtbelastung am Sinken

Maly stellt die hohen Ozonwerte in einen direkten Zusammenhang mit den hohen Temperaturen, verweist aber darauf, dass es in den letzten 30 Jahren gelungen sei, «die hochsommerlichen Spitzenwerte je nach Messort pro Dekade um 10 bis 20 Mikrogramm» zu senken: «Vor zwanzig Jahren hätten wir in Winterthur statt 187 sicher über 200 gemessen», sagt er. Die Verbesserung rührt insbesondere daher, dass heute dank Katalysatoren viel weniger Stickoxide (Autoabgase) und auch weniger Kohlenwasserstoffe (Lösungsmittel und Tankstellendämpfe) ausgestossen werden. Aus diesen beiden Ausgangsstoffen entsteht bei starker Sonnenstrahlung das Ozon.

Vom Ziel der Luftreinhalteverordnung ist man trotz aller Fortschritte noch sehr weit entfernt, und die Werte verbesserten sich zögerlicher, als manche Fachleute glaubten. Peter Maly von Ostluft weist darauf hin, dass nicht primär lokale Verschmutzer verantwortlich sind. Von der gesamten Ozonbelastung sind laut Maly bloss etwa 25 Prozent «hausgemacht» in einem Umkreis von 50 Kilometern. 20 Prozent der sommerlichen Belastung seien eine Folge von Pflanzen und Wäldern. Europäische Quellen seien für rund 35 Prozent der Belastung und Quellen aus Nordamerika sowie aus Asien für 20 Prozent zuständig zu machen.

Erstellt: 07.07.2015, 21:22 Uhr

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