Zürich

Drei Landeier traben vor Städtern an

Martin Farner, Jörg Kündig oder Thomas Vogel? Die FDP-Delegierten entscheiden, wen sie als Regierungsratskandidat ins Rennen schicken. Gestern startete das Trio die Roadshow, die quer durch den Kanton führt.

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Um die Wurst geht es zwar erst am 4. Oktober. Dann entscheiden die FDP-Delegierten der Kantonalpartei, wen sie an der Seite von Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh ins Rennen um den frei werdenden Sitz von Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger schicken.

Gestern war trotzdem ein besonderer Tag in der Agenda von Martin Farner, Jörg Kündig und Thomas Vogel: Angesagt war die erste Station einer Roadshow, die das Kandidatentrio quer durch den Kanton führt. Neun Auftritte sind geplant. Zweck der Übung: Die Delegierten sollen die Bewerber besser kennen lernen, ihre Kompetenz und Eloquenz, ihren Charme und Witz beurteilen können. Schliesslich haben sie dann die Qual der Wahl.

Strittiger Richtplan

Ort des Geschehens war Zürich-Oerlikon, wo FDP-Kantonsrätin Sonja Rueff-Frenkel im Anschluss an die ordentlichen Geschäfte der gut 80 Delegierten den drei Bewerbern auf den Zahn fühlte. Mehrfach zur Sprache kam das massive Bevölkerungswachstum, das vor allem der Stadt Zürich bevorsteht, weil der Richtplan vorsieht, dass 80 Prozent des Wachstums in städtischen Gebieten zu erfolgen haben. Das bedeute unweigerlich Verdichtung, sagte Kündig. Und das mache ihm grosse Sorgen. Denn es gehe um mehr als nur um Schattenwürfe von Hochhäusern, wie sie derzeit beim Fussballstadion für Unmut sorgen. Es gehe um die zusätzlichen Infrastrukturen, die nötig würden. Ihm gehe es letztlich darum, dass der Kanton die 80/20- Regel nicht starr anwende. «Wir wollen eine pragmatische Regelung», sagte er.

Farner outete sich als klarer Gegner dieser Regel. Was nötig sei, könne man an den überfüllen Zügen und den verstopften Strassen ablesen: «Wohnen und Arbeiten muss wieder vermehrt am selben Ort stattfinden.» Vogel entgegnete, er halte die 80/20-Regel «in der Tendenz» für richtig. Eine Stadt dürfe aussehen wie eine Stadt. Er habe keine Mühe mit Hochhäusern. Auch Farner hat mit solchen Bauten offenbar kein Problem. Das geplante Fussballstadion mit seinen beiden umstrittenen Türmen gehört seiner Meinung nach jedenfalls unbedingt in die Stadt und nicht etwa ins Limmattal oder gar ins Stammerland, wie er schmunzelnd anfügte.

Grosse Meinungsunterschiede traten bei den drei Kandidaten in der kurzen Befragungsrunde nicht zutage. Auffallend oft betonte Farner sein Unternehmertum. Als Firmenchef wisse er, was es heisse, jeden Franken verdienen zu müssen. «Herz, Kraft und Vernunft» bringe er für das Regierungsamt mit. Mit einem kleinen Seitenhieb an amtierende Regierungsräte sagte er, er wolle es im Amt «nicht einfach ein bisschen schön haben» wie gewisse Leute. Kündig empfahl sich mit seinem breiten Themenspektrum. Als GPV-Präsident kenne er die unterschiedliche Sicht der Regionen. «Ich habe Lust und Power für das Amt», sagt er. Vogel betonte, er könne führen und überzeugen. Zudem kenne er das Getriebe der Politik. Effizienz und Kostenbewusstsein würde er als Regierungsrat grossschreiben. Als einer, der seit vielen Jahren täglich nach Zürich zur Arbeit fährt, plädierte Vogel für den Ausbau der Verkehrsachsen. «Dazu gibt es keine Alternative.»

Zwei Sitze werden frei

Die Wahlen finden am 24. März 2019 statt. Die Ausgangslage für die Regierungsratswahlen präsentiert sich so: Neben Thomas Heiniger tritt auch Baudirektor Markus Kägi (SVP) im Frühling nicht wieder an. Im siebenköpfigen Gremium, bestehend aus drei Frauen, werden also zwei Sitze von Männern frei. Die parteipolitische Zusammensetzung lautet derzeit: je zwei Leute von SVP, SP und FDP sowie eine CVP-Frau.

Für die SVP und die FDP besteht die Herausforderung darin, ihre Sitze zu halten und gegen Angreifer diverser anderer Parteien zu verteidigen. Die SVP versucht es voraussichtlich mit Nationalrätin Natalie Rickli, die FDP mit einem der drei vorgeschlagenen Männer. Zu erwarten ist, dass die drei bürgerlichen Parteien SVP, FDP und CVP wie schon 2015 für den Regierungswahlkampf ein Bündnis schliessen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 24.08.2018, 10:20 Uhr

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