Illnau-Effretikon

Innert Minuten war das Auto weg

Böses Erwachen für Falschparkierer an der Bahnhofstrasse in Effretikon: Sie werden rigoros abgeschleppt. Das kann aber nicht nur sie teuer zu stehen kommen.

Hier werden die Autos auf Anweisung einiger Gewerbetreibenden abgeschleppt: An der Bahnhofstrasse in Effretikon

Hier werden die Autos auf Anweisung einiger Gewerbetreibenden abgeschleppt: An der Bahnhofstrasse in Effretikon Bild: Johanna Bossart

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Als sie aus der Drogerie trat, war ihr Auto verschwunden. Die Illnauerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, erschrickt. Gerade mal knapp 15 Minuten verbrachte sie im Laden an der Effretiker Bahnhofstrasse 28. Der Posten der Stadtpolizei liegt in der Nähe. Sie wendet sich an die Beamten und erfährt: Ein privater Abschleppdienst hat ihr Fahrzeug entfernt. Es steht mehrere Hundert Meter entfernt in einem Industriequartier.

Der Angestellte der Firma «falschparken.ch» aus Kollbrunn verlangt 575 Franken für die erbrachte «Dienstleistung». Die Illnauerin weigert sich, den Betrag sofort zu zahlen, und verlangt eine Rechnung. Darauf erhöht sich diese um weitere 25 Franken «Rechnungskosten». Erst dann erhält sie ihr Fahrzeug zurück.

Amtliches Verbot

«Ich bin mir bewusst, dass ich mein Auto widerrechtlich abgestellt habe», sagt sie. Es handelt sich um Privatparkplätze, die mit einem amtlichen Verbot versehen sind (ohne Hinweis aufs Abschleppen). Parkieren dürfen dort nur Kunden der ansässigen Läden, und zwar «auf den ihnen zugewiesenen Parkflächen».

Weil aber die Parkplätze der Drogerie besetzt waren, ist die Illnauerin auf einen anderen Platz ausgewichen. «Eine Busse hätte ich anstandslos bezahlt», sagt sie. Die Art und Weise aber, wie der Abschleppdienst vorgegangen sei, empfindet sie als reine Schikane. «Das grenzt an Nötigung.» Nur etwa fünf Minuten nachdem sie ihr Auto parkiert hatte, wusste die Firma Bescheid.

«Die Betroffenen waren wütend»

Der Stadtpolizei sind verschiedene Fälle bekannt, die sich in den vergangenen zwei Monaten so oder ähnlich abgespielt haben. «Betroffene haben sich bei uns gemeldet», sagt Polizeichef Roland Grichting. «Sie waren verunsichert, wütend, manchmal sogar schockiert.» Ermittlungen in dieser Sache seien deshalb im Gang.

Der Abschleppdienst selbst will sich nicht äussern. Für ihn ist die Rechtslage klar: Die Autos standen unerlaubt auf Privatgrund, dürfen also abgeschleppt werden. Laut Bettina Hürlimann-Kaup, Professorin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg, ist das Abschleppen als Selbsthilfe erlaubt. «Sie muss aber verhältnismässig sein», sagt sie. Der Eigentümer oder Mieter des Parkplatzes hätte diesen dringend brauchen müssen.

Ob das im vorliegenden Fall zutrifft, kann Hürlimann-Kaup nicht beurteilen. «Wer sofort abschleppen lässt, geht das Risiko ein, auf den Kosten für das Abschleppen sitzen zu bleiben, weil er sie dem fehlbaren Autofahrer nur in Rechnung stellen kann, wenn das Abschleppen verhältnismässig war.»

Bisher keine Verzeigungen bei der Polizei

Die Firma Pro Life räumt ein, zu den Auftraggebern des Abschleppdienstes zu gehören. «Wir sind sehr glücklich darüber», sagt Mitarbeiterin Sandra Kessler. Denn in der Vergangenheit sei der Firmenparkplatz oft stundenlang von Nicht-Kunden besetzt gewesen. «Nun können wir ihn endlich wieder benützen.»

Statt den Abschleppdienst zu rufen, könnten die Ladenbetreiber Falschparkierer bei der Polizei auch anzeigen. Der Statthalter bestimmt dann die Höhe der Busse. Laut Hans Rudolf Kocher, Statthalter des Bezirks Pfäffikon, sind wegen unrechtmässigen Parkierens vor dieser Liegenschaft aber bisher keine Verzeigungen eingegangen. Ob sie die Rechnung bezahlen werde, wisse sie noch nicht, sagt die Illnauerin. In der Schuld steht der Auftraggeber. Er müsste das Geld vorschiessen und dann – zurückfordern – wenn nötig mit einer Zivilklage.

Erstellt: 22.04.2015, 18:48 Uhr

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