Zürich

Notfall-Seelsorger für Zürcher Muslime

Für die rund 100'000 Musliminnen und Muslime im Kanton Zürich gibt es bis jetzt kein geregeltes Seelsorge-Angebot bei Notfällen oder im Spital. Der Kanton will deshalb die Vereinigung der Islamischen Organisationen (VIOZ) verbindlich in Ausbildung und Betreuung einbinden.

Der Einsatz von muslimischen Seelsorgern im Bundesasylzentrum hat sich bewährt. Diese seien zu «Brückenbauern» zwischen den Herkunftsländern und der Schweiz geworden. Ein entsprechendes Pilotprojekt wird deshalb bis Ende Juni 2018 verlängert. Die muslimische Seelsorgerin, Belkin Osman, erzählt von ihren Erfahrungen.

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Ab 2019 sollen rund zehn muslimische Notfallseelsorger oder -seelsorgerinnen ausgebildet sein und ihre Tätigkeit aufnehmen können. Einsatzorte können Spitäler sein, aber auch Pflegezentren oder Behindertenheime. Auch die Blaulichtorganisationen sollen sich bei Bedarf an die muslimischen Seelsorgenden wenden können. Dies gab Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) am Donnerstag bekannt. Die Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern trat in ihrer Funktion als Religionsministerin vor die Medien, wie sie sagte.

Um eine institutionalisierte, qualitativ gute und professionalisierte muslimische Notfall-Seelsorge aufzubauen, haben Kanton und VIOZ eine gemeinsame Trägerschaft gegründet. Präsidiert wird diese während einer Pilotphase von zwei Jahren von Deniz Yüksel von der Direktion der Justiz und des Innern. Geschäftsführer ist Imam Muris Begovic.

Begovic arbeitet schon seit fast zehn Jahren im Kanton Zürich als Notfall- und Spitalseelsorger. Nun ist er angestellt durch die Trägerschaft und soll strategische und praktische Arbeit leisten.

Verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung der muslimischen Seelsorger ist das Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg (SZIG). Dieses hat schweizweit bereits Kurse zur muslimischen Seelsorge durchgeführt. Der erste fand vor rund einem Jahr am Kantonsspital St. Gallen statt.

Sorgfältige Auswahl der Teilnehmenden

Ein Kurs dauert acht Tage und beinhaltet auch ein Praktikum. «Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in einem mehrstufigen Verfahren immer wieder sorgfältig überprüft», betonte Fehr. Eine Begleitkommission führe zudem regelmässig eine Supervision durch.

Eng in das Projekt einbezogen sind auch die evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich sowie die römisch-katholische Körperschaft des Kantons. Letztere zahlt auch 25'000 Franken an das Projekt. Beide Landeskirchen hätten ja eine sehr grosse Erfahrung in der Notfall- und Spitalseelsorge, betonte Fehr.

Muslime sollen künftig Kosten tragen

Der Kanton Zürich finanziert das Projekt bis Ende 2018 mit 325'000 Franken. Davon werden knapp 125'000 für die Weiterbildung verwendet. Auch die VIOZ engagiert sich finanziell, mit 60'000 Franken.

Wer ab 2019 wie viel für die Seelsorger zahlen soll, wird gegenwärtig zwischen Kanton und VIOZ abgeklärt. Ziel per Ende 2019 ist es, dass die muslimische Gesellschaft selber für ihre Notfall-Seelsorge aufkommt.

Derzeit leisten Muslime rund 50 Notfall-Seelsorge-Einsätze pro Jahr. Man wolle nicht einen Bedarf herbeireden, hiess es vor den Medien. Aber man gehe schon davon aus, dass durch das Bekanntwerden des Projekts auch die Einsatzzahlen ansteigen. Die Seelsorgenden sollen angemessen bezahlt werden, sagte Projektleiterin Deniz Yüksel. Allerdings müsse man sich bewusst sein, dass deren Tätigkeit nicht «tagfüllend» sei. (past/sda)

Erstellt: 22.02.2018, 10:06 Uhr

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