Zürich

«Kein Wein trinkender Wasserprediger»

Der bekannte Strafrechtler Martin Killias ist neuer Präsident des Zürcher Heimatschutzes. Nach den Streitereien im Vorstand über die letzten Jahre soll er nun für Ruhe sorgen.

Strafrechtler Martin Killias tritt die Nachfolge von Thomas M. Müller als Präsident des Zürcher Heimatschutzes an.

Strafrechtler Martin Killias tritt die Nachfolge von Thomas M. Müller als Präsident des Zürcher Heimatschutzes an. Bild: Keystone

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Nach nur zwei Jahren im Amt hatte Thomas M. Müller Ende November letzten Jahres sei­nen Rücktritt als Präsident im Zürcher Heimatschutz bekannt ge­geben. Ausschlaggebend sei ein «sachlicher Konflikt mit einem anderen Vorstandsmitglied» gewesen, hiess es in der Mitteilung. Worum es genau ging, wurde nicht bekannt gegeben. Im Vorstand vertreten war Müller seit Anfang 2012, als die Generalversammlung in Winterthur einen Grossteil des damaligen Vorstandes «weggeputscht» hatte – so zumindest qualifizierte den Vorgang das damals abgewählte Ustermer Vorstandsmitglied Paul Stopper.

Nun soll mit dem bekannten Strafrechtler Martin Killias der Neuanfang gelingen. Die Wahl ­erfolgte an der Jahresversammlung letzten Samstag in Bülach. Sie wurde gestern kommuniziert. Killias war der einzige Kandidat, die Wahl erfolgte per Applaus.

Identität als Grundkonsens

Auf Anfrage betont Killias, dass ­ er Mitglied beim Heimatschutz ist, seit er 17 Jahre alt war. Er freue sich sehr, dass man ihn auch mal etwas anderes machen lasse. Das sei ja nicht selbstverständlich, wenn man so mit einem Themengebiet identifiziert werde wie er. Killias wohnt in Lenzburg, Kanton Aargau. Er verweist dar­auf, dass ­ er nie in die Richtungs­kämp­fe in der Zürcher Sektion involviert war. Er will auf das Gespräch setzen und sich am heimatschützerischen Grundkonsens orientieren, den er wie folgt umschreibt: «Der Mensch darf seine Identität nicht verlieren, und die mensch­liche Identität hängt auch zusam­men mit der baulichen Identität.»

Marcel Leng­gen­hager, Kantonsrat (BDP, Goss­au) und Vorstandsmitglied im Zürcher Heimatschutz, sagt über den ­neuen Präsidenten: «Er ist sicher jemand, der auf objekt­bezo­ge­nes Arbeiten setzt.» Er traut Kil­lias zu, einen Ausgleich zu finden zwischen dem mehr ideologischen und dem eher pragmatischen Flügel im Verband.

Killias (67) wird von den Medien gerne um Kommentare gebeten. Und er ist bekannt dafür, mehr Härte für Straftäter zu fordern. Dass er SP-Mitglied ist, ändert ­dar­an nichts. Er ist heute als ständiger Gastprofessor auf seinen Fachgebieten an der Uni St. Gal­len tätig. Zudem betreibt er sein pri­va­tes Forschungsinstitut. Von 1984 bis 2008 war er nebenamtlicher Bundesrichter. Er hatte Ordinarien der Universitäten Zürich und Lausanne inne. Aufgewachsen ist er in Zürich.

Taler verkauft in den 1960ern

An der Versammlung in Bülach strich er sein heimatschützerisches Curriculum hervor. Demnach hat er in den 1960ern Taler verkauft und Flugblätter verteilt, um die Abbrüche der Vorderberghäuser in Flun­tern und der Zürcher Grossmünsterkapelle verhindern zu helfen. In seiner Zeit in Lau­sanne war er Vorstandsmitglied im Heimatschutz Waadt. Heute gehört er der Aargauer Sektion an. Im Besonderen habe er sich für den definitiven Schutz ­ der römischen Wasserleitung von Hausen nach Vindonissa eingesetzt. Weiter schrieb er in seinem Steckbrief: «Als Besitzer eines Altstadthauses und eines Baudenkmals in Italien bin ich kein Wein trinkender Wasserprediger, sondern habe mich um die Umsetzung der Zeile des Denkmalschutzes auch in meinem Einflussbereich gekümmert.»

Barbara Truog ist über­zeugt, dass Killias nach den Turbu­len­zen der letzten Jahre nun Ruhe in ­ den Verband bringt. So dezi­diert seine Meinung sein könne, so gesprächs­bereit zeige er sich. ­Truog präsidiert die Stadtzürcher Sektion des Heimatschutzes. Sie sei auf Killias aufmerksam geworden, als er bei ihr eine Auskunft zum Zürcher Heimatschutzrecht einholte, sagt sie. Sie wies ihn ­ auf das vakante Präsidium hin, und als Tagespräsidentin in ­Bülach konnte sie es nun mit ihm besetzen. Neu in den Vorstand ­gewählt wurde zudem Michael Brogle, Landschaftsarchitekt aus Winterthur.

Erstellt: 11.06.2015, 08:58 Uhr

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