Wegweisung

Rapper hat den Blues in Kosovo

Der Zürcher Rapper Besko hat nach einer langen Serie von Vorstrafen die Schweiz in Richtung Kosovo verlassen müssen. Eine spätere Rückkehr ist nicht ausgeschlossen.

Musste die Schweiz verlassen: Der Zürcher Rapper Besko.

Musste die Schweiz verlassen: Der Zürcher Rapper Besko. Bild: Sophie Stieger

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Die kosovarischen Eltern flüchteten vor dem Krieg, er ist hier geboren. Die Kindheit war schwierig, früh kam er auf die schiefe Bahn, das Vorstrafenregister ist lang. Zuletzt sass er bis im Herbst 2014 eine fünfjährige Freiheitsstrafe ab wegen Nötigung, Diebstahls und bewaffneten Raubüberfalls. Am letzten Freitag hat das Zürcher Migrationsamt die schon vor längerem verfügte Weg­weisung vollzogen, nachdem zuletzt auch das Bundesgericht diesen Schritt gutgeheissen hat.

Im Gefängnis zum Rap

Im Gefängnis hat der heute 31-Jährige (Bild) den Rap entdeckt und unter dem Namen Besko eine gewisse Bekanntheit erlangt. Seine Facebook-Seite weist fast 5000 Freunde und mehr als 6000 Abonnenten aus. In seinem letzten Eintrag vom Dienstag schreibt er unter anderem: «Mir gahts im ­momänt nöd so guet.» Im Kosovo kenne er niemanden, sagte er gegenüber «20 Minuten». Er müsse schau­en, wo er schlafen könne. Das Haus der Grosseltern sei im Krieg abgebrannt.

Das Zürcher Migrationsamt hat letztes Jahr 113 Wegweisungen verfügt. Geprüft wird eine solche Massnahme ab Strafen von zwölf Monaten. Vorstrafen fallen erschwerend ins Gewicht. Insofern dürfte der Entscheid für den Betroffenen nicht allzu überraschend gekommen sein. Bereits im Februar 2014 stand in einer Reportage des «Tages-Anzeigers» über ihn, dass er die Schweiz voraussichtlich werde verlassen müssen. Auch dass er im Februar 2015 Vater eines Sohnes wurde, konnte daran nichts mehr ändern.

Zuletzt sass er im Massnahmenzentrum Uitikon ein, wo nicht wenige der jungen Straftäter Ausländer und bereits Väter sind. Wie der besagte Facebook-Eintrag nahelegt, nimmt er seine ­Vaterrolle jedoch sehr ernst. Er schreibt darin, er sammle Kraft, «will ich weiss mim Sohn gahts ­guet und ihm nüt fähle wird».

Die familiären Verhältnisse seien ein wichtiger Aspekt, wenn die Verhältnismässigkeit einer Wegweisung abgeklärt werde, sagt Marc Schmid, Sprecher des Zürcher Migrationsamtes. Wichtige Faktoren seien aber auch öffentliche Ordnung und Sicherheit.

Eine Frage der Befristung

Für Straftaten, die seit 1. Oktober dieses Jahres begangen werden, gelten die neuen Regeln der Strafrechtsrevision, welche die Ausschaffungsinitiative der SVP umsetzen. Neu ist unter anderem, dass die Gerichte über die Wegweisung entscheiden, wobei sie ­jeweils eine Mindestdauer festlegen. Gelten demnach Wegweisungen nach bisherigem Recht wie im Fall Besko unbeschränkt, weil dieses keine Befristung verlangt?

Schmid verneint. Ein neues Aufenthaltsgesuch sei im Prinzip jederzeit möglich. Allerdings mache das wenig Sinn, wenn keine neuen Argumente vorlägen. Als möglichen Grund, ein Gesuch auf Rückkehr gutzuheissen, nennt er geänderte Familienverhältnisse etwa durch Heirat. Bei einer Neubeurteilung aufgrund eines Gesuches einige Jahre später könne auch Straffreiheit seit der Wegweisung positiv gewürdigt werden

Gegebenenfalls wird bei der Wegweisung einer Person aufgrund von Straffälligkeit zusätzlich eine bundesrechtliche Einreisesperre verfügt, und zwar durch das Staatssekretariat für Migration (SEM). Diese Massnahme erfolge auf bundesgerichtliche Anweisung hin bereits seit 2014 generell mit einer Befristung, erklärt SEM- Sprecher Markus Unterfinger. Zuvor sei man bei einem unbefristet ausgesprochenen Einreiseverbot von einer Dauer von zehn Jahren ausgegangen.

Ein Recht auf Rückkehr?

Entsteht mit Ablauf der Frist ein Recht auf Rückkehr? «Dann gelten wieder die ordentlichen ausländerrechtlichen Bestimmungen», sagt Unterfinger und verweist etwa auf mögliche Visumsvorschriften. Ansonsten stehe einer Einreise aber nichts mehr im Wege. Dasselbe gelte bei Landesverweis nach neuem Recht.

Es sei eine fünfjährige Einreisesperre für ihn verfügt worden, sagte Besko gegenüber Medienschaffenden. Die Sperre weist insofern eine zusätzliche Härte auf, als das SEM sie für den ganzen Schengenraum verhängt hat. So sind auch keine Treffen im grenznahen Ausland möglich. Der Anwalt will gegen diese Auflage Beschwerde einlegen, wie zu lesen war.

«Immer mini Heimat»

Die Reaktionen in den sozialen Medien sind geteilt. Es gibt Stimmen, welche die Wegweisung gutheissen, weil der Betroffene zu viele ihm von der Justiz gewährte letzte Chancen ungenutzt liess. Er selbst gibt sich geläutert. Auf Facebook schreibt er: «Ich kritisier au nöd de Schwiezerstaat! Ich bin dankbar was ich alles han derfe erlebe i de Schwiez! Und ja sie wird immer mini Heimat bliebe.»

Erstellt: 19.10.2016, 20:32 Uhr

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